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Das Duo verstand sich in Barcelona nie. Damals setzte sich Messi im Kampf um den Platz in der Sturmzentrale durch, am Mittwoch treffen sie wieder aufeinander.

ANALYSE
Von Ben Hayward

FC Barcelona-Präsident Sandro Rosell beschrieb seine Verpflichtung und seinen späteren Verkauf mit einem erheblichen Verlust als „das schlechteste Geschäft der Klubgeschichte“ - die Blaugrana-Fans waren jedoch aus dem Häuschen, als Zlatan Ibrahimovic Ende Juli 2009 vor 55.000 Fans im Camp Nou präsentiert wurde. Der erstaunlichste Stürmer der Welt hatte sich soeben dem erstaunlichsten Verein der Welt angeschlossen und der Schwede sollte nun ein tolles Duo bilden – mit dem weltweit erstaunlichsten jungen Talent: Lionel Messi.
 
Ibrahimovic kam für 66 Millionen Euro von Inter, im Gegenzug wechselte Samuel Eto'o nach Italien, nachdem Pep Guardiola auf einen Mangel an „Gefühl“ zum Kameruner hingewiesen hatte. Das Aus nahm zum Ende der Saison 2008/09 seinen Lauf, als der Afrikaner sich gegen die taktischen Vorgaben in die Mitte begab, später traf und dann aufsässig vor seinem aufgebrachten Trainer feierte. Des Weiteren hatte er seinen Coach nach einem anderen Spiel in der Umkleidekabine ignoriert.

Indirekt ging es um Messi. Der Wechsel des Argentiniers von der rechten Seite ins Sturmzentrum hatte Eto'o aufgebracht und Guardiola gelang es nicht, den Angreifer von seinem taktischen Plan zu überzeugen. Ein Streit im Training ließ die Beziehung weiter abkühlen, im Sommer war er dann weg.

Im Nachhinein lässt sich feststellen, dass das selbe Szenario bei Ibrahimovic von Anfang an klar war. Bei Barcelonas beeindruckendem 6:2 Sieg über Real Madrid im Mai 2009 spielte Messi in der Mitte und Eto'o auf der rechten Seite. Von da an dachte Guardiola wesentlich ernster darüber nach, dies auch dauerhaft zu machen.

Am Anfang startete nun Ibrahimovic in der Mitte und Messi auf der rechten Seite. Der Schwede startete dabei sehr gut, mit fünf Toren in seinen ersten fünf Spielen. Er kam sogar von einer Verletzung zurück und erzielte beim Clasico im eigenen Stadion den Siegtreffer.

LEO & ZLATAN BEI BARCA 2009/10

 MESSIS STATISTIK 2009/10
SPIELE
TORE
ASSISTS
53
47
11
 IBRAS STATISTIK 2009/10
SPIELE
TORE
ASSISTS
45
21
13
Aber dem Schweden gelang es nicht, jedermann zu überzeugen. Ibrahimovic war sich seiner Rolle nicht sicher und bot wenig hinsichtlich kluger Laufwege. „Ich brauche Pässe von Xavi und Iniesta, aber es ist fast so, als sähen sie nur Messi – dabei bin ich doch doppelt so groß“, sagte der frustrierte Stürmer laut seines Buches „I am Zlatan“ erst Guardiola und dann dem Sportdirektor Txiki Begiristain.

Auf dem Platz wirkte Zlatan zunehmend abwesend. Neben dem Platz verschlechterte sich sein Verhältnis zu Guardiola und er behauptete, das Team nutze ihn nicht richtig. „Der Ferrari, den Barcelona gekauft hatte, wurde wie ein Fiat gefahren“, erklärte er in seiner Autobiographie.  

Er konnte sich auch nicht mit der allzu korrekten Einstellung seiner Mitspieler – darunter Xavi, Iniesta und Messi – anfreunden. „Sie waren wie Schuljungen, die dem Lehrer blind folgen“, schrieb er später.

Die Probleme mit Messi hatten schon früher in der Saison angefangen. Im Ligaspiel gegen Mallorca holte Zlatan einen Elfmeter heraus und wollte diesen als Belohnung für seine feine Leistung selbst schießen. Messi schnappte sich jedoch den Ball und verwandelte. Ibrahimovic, in diesem Spiel ohne Tor, war sauer und schrie Richtung Bank: „Das war mein Elfmeter!“

Währenddessen hatte Messi Guardiola nach einem anderen Spiel vom Teambus aus eine SMS geschickt, in der stand: „Ich sehe, dass ich nicht mehr wichtig bin, also...“ Der Argentinier war unglücklich, die zentrale Rolle an Ibrahimovic abgeben zu müssen. Pep musste eine Entscheidung fällen.

Ibra und Messi waren sich neben dem Platz nie sonderlich nah und obwohl Berichte von einem Kleinkrieg an den Haaren herbeigezogen waren, sind sie doch von Anfang an Rivalen gewesen. Zlatan verstand sich eher mit Thierry Henry und Gerard Pique und nahm im Verlaufe der Saison immer mehr Abstand vom Rest der Mannschaft.

Wegen einer Verletzung musste er beim Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Arsenal pausieren. Seine Abwesenheit nutzte Messi für einen Viererpack. Als er im Halbfinale gegen Inter wieder zum Einsatz kam, lieferte er eine schreckliche Vorstellung ab. In 63 miserablen Minuten quälte sich der Schwede, legte weniger Strecke zurück als Victor Valdez und wirkte nie torgefährlich.

An diesem Tag wurde er durch Bojan ersetzt und im Sommer durch David Villa. Selbst dann wollte er seine Karriere im Camp Nou noch fortsetzten. „Ich werde härter arbeiten; ich werde für Messi spielen, wie es all die anderen tun“, sagte er Guardiola.

Aber Messi wollte nicht mit ihm spielen – und des Stürmers Wechsel zum AC Milan war letzten Ende die beste Lösung für alle Beteiligten.

Heute beschreibt Ibrahimovic Messi als den „besten Spieler der Welt“ und behauptet, es sein ein Privileg, bei der besten Mannschaft der Welt gespielt zu haben – bei Barca. Die frostige Beziehung des Duos rührte von ihrer Inkompatibilität im System des katalanischen Klubs, wovor der legendäre Trainer Arrigo Sacchi Guardiola bereits vor der Verpflichtung des Schweden gewarnt hatte. Persönliche Probleme bestehen zwischen den beiden jedoch nicht mehr.

Wenn also Schweden am Mittwoch auf Argentinien trifft, werden Ibra und Messi ihre Rivalität wiederaufnehmen – diesmal jedoch nur für eine Nacht.

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