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Der Stürmer des AC Mailand schoss seinen neuen Klub vom Punkt zum Sieg. Er bewahrte seine weiße Weste aus elf Metern und erneut stellt sich die Frage: Warum ist er darin so gut?

Mailand. Menschen sprechen oft vom „Unvermeidlichen“, wenn es um den Fußball geht. Das Wort passte auch ziemlich gut am vergangenen Sonntag, als der AC Mailand in „San Siro“ Udinese Calcio zu Gast hatte. Giampaolo Pazzini verletzte sich beim Aufwärmen und es war „unvermeidlich“, dass Mario Balotelli seinen Platz in der Startelf einnahm. Dass er die Hausherren Mitte des ersten Durchgangs in Front brachte, war ebenso „unvermeidlich“.

Das Match bot so viel Stoff für Schlagzeilen, wie es sich Fans und Journalisten vor dem ersten Match des extrovertierten Stürmers im Milan-Dress kaum hätten wünschen können. Und dann gesellten sich dazu noch die Ereignisse aus der 94. Minute: Die „Rossoneri“ bekamen einen Strafstoß zugesprochen und das „Unvermeidliche“ passierte: Mario Balotelli traf vom Punkt. Schon wieder.

Es war das 17. Mal in seiner Laufbahn, dass der Ex-Star von Inter Mailand und Manchester City vom Elfmeterpunkt antrat. Gleichzeitig war es auch das 17. Mal, dass er erfolgreich war. Erste oder letzte Minute, bedeutendes oder unbedeutendes Spiel, knapper oder eindeutiger Spielstand: Mario verschießt einfach nicht.

Der Angreifer selbst hat mehrfach angedeutet, dass seine überragende Quote kein Zufall sei. Er erklärte, er fühle sich in Psychospielchen überlegen und daher behalte in diesen Eins-gegen-Eins-Sitautionen die Oberhand.

„Es ist ein Psychospiel zwischen mir und dem Torwart“, erläuterte er dem Daily Mirror. „Ich weiß, wie ich meinen Kopf kontrolliere. Wenn der Keeper sich vor mir bewegt, dann bedeutet es, dass er das Spiel verloren hat.“

SUPERMARIOS PUNKT-STATISTIKEN
6/6 Inter
9/9 Manchester City
1/1 Milan
1/1 Italien
17/17 GESAMT

Borussia Dortmunds Roman Weidenfeller war einer dieser Torhüter. Während Balotelli noch bei City spielte, trat er im Champions-League-Gruppenspiel im „Etihad“ gegen ihn an. Weidenfeller probierte ihn vor der Ausführung verbal zu verunsichern und flüsterte dem Italiener Nettigkeiten ins Ohr.

Balotellis Anwort war ein sicher verwandelter Elfer und eine nette Geste für den Dortmunder Schlussmann (im Bild rechts zu sehen). Weidenfüller verriet anschließend: „Ich flüsterte ihm Dinge ins Ohr. Aber er ist ein cleverer Hund, der sich von mir nicht beeinflussen ließ.“

„SuperMarios“ fantastische Bilanz lässt darauf schließen, dass er einen enormen Glauben an seine Fähigkeiten hat und diesen blind vertraut. Dr. Rhonda Cohen, Verhaltenspsychologin an der Middlesex Universität in London, formuliert es so:

„Wir nennen die Aktion - das Ausführen oder Parieren eines Strafstoßes - 'A' und den Ausgang oder die Folge 'C'. Was wir als 'B' ausgemacht haben, sind die Gedanken und der Glaube zwischen der Aktion und der Folge. Was der Schütze und der Torhüter denken, ist enorm wichtig und maßgeblich. Gedanken, Glaube und Gefühle können zur Ablenkung führen und die Spannung kann verloren gehen.“

„Spieler, die sich psychologisch auf diese Situationen eingestellt haben, verfügen auch über größere Chancen, erfolgreich zu sein“, so Dr. Cohen weiter. „Die Trainer wissen das. So lassen sie die Spieler oft vor Zuschauern trainieren, um einen gewissen Druck zu simulieren. Allerdings muss man sagen, dass der Druck in diesen Situationen viel größer ist und selbst erfahrene Spieler oft Probleme haben, damit umzugehen.“

Über Balotelli im Speziellen sagte sie: „Wenn die Strategie, sich auf die Bewegungen des Torwarts zu konzentrieren, bei Balotelli funktioniert, dann ist es für ihn eine sehr nützliche psychologische Hilfe. Jeder Spieler braucht seine eigene Strategie."

Dazu gehört bei Balotelli auch der immense Glaube an die eigene Fähigkeit. Unvergessen, wie er als Jungspund im Inter-Dress gegen seinen Heimatklub Palermo unbedingt antreten wollte und sich mit dem etatmäßigen Schützen Samuel Eto'o zoffte. Kapitän Javier Zanetti muss ihn schließlich beruhigen. Es wirkt, als habe der 23-Millionen-Mann ein unerschütterliches Vertrauen in sein Können. Sein Ex-Mannschaftskamerad Joe Hart bestätigte das, indem er erklärte, er habe in den zweieinhalb gemeinsamen Jahren bei City nur einen einzigen Balotelli-Elfer im Training abgewehrt.

Matthew Le Tissier, der mit 47 Toren bei 48 Versuchen lange als Elfmeterkönig galt, hat seine Stärke vom Punkt mit der schieren Gier auf einen Treffer begründet: „Wenn ich antrat, war ich sicher, dass ich treffe. Es war einfach eine großartige Chance auf ein Tor“, sagte Le Tissier der BBC. „Ein Tor zu erzielen und den Ball ins Netz zu hauen, das war einfach eine Gelegenheit, die ich nicht auslassen wollte.“

Falls Italien heute Abend im Testknaller gegen die Niederlande einen Strafstoß zugesprochen bekommt, dann wird es kaum überraschen, wenn Mario Balotelli antritt und seine Psycho-Spielchen mit dem Keeper treibt. Denn wenn Dr. Cohen sagt, „A“ stehe für Aktion und „C“ für Konsequenz, dann bedeutet „B“ wohl Balotelli.

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