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Geburtstagskind Ronaldo: Große Entscheidungen zur Zukunft bei Real Madrid stehen an

An diesem Dienstag feiert der Portugiese seinen 28. Geburtstag, doch statt Rückschau wird er wohl eher einen Blick in seine weiterhin ungewisse Zukunft im Bernabeu werfen.

Report
Von Ben Hayward | Spanien-Experte

Madrid. Geburtstage sind oftmals eine Zeit des Reflektierens. Die Jahre vergehen, und jeder neue Ehrentag bringt neue Fragen, Gedanken zu Projekten, Plänen und Träumen, zum nächsten Schritt im Leben: Es geht um die Zukunft. Und all das geht Cristiano Ronaldo vermutlich gerade durch den Kopf.

Der Portugiese feiert am Dienstag seinen 28. Geburtstag, und während er in seiner wunderbaren Karriere bereits feinsten Fußball gezeigt hat, nähert er sich langsam der finalen Phase in seiner Zeit als Aktiver – und seine Zukunft bei Real Madrid ist alles andere als sicher.

Also: Wird er bei dem Klub bleiben, bei dem er derzeit ein Idol ist? Sollte er gehen und noch einen letzten großen Wechsel vollziehen? Kann Madrid sich leisten, ihn zu verlieren? Können sie sich überhaupt leisten, ihn zu behalten?

Cristianos derzeitiger Vertrag läuft 2015 aus, und Änderungen in den Steuergesetzen bedingen, dass Madrid ein Vermögen aufbringen müsste, um sich die Dienste ihres Topstars weiterhin zu sichern. Doch da Ronaldo seinen Vertrag gern erfüllen möchte, riskiert Real den Abgang des Superstars – für den sie 2009 94 Millionen Euro zahlten – für eine verringerte Ablöse im Sommer 2014. So oder so: Im Sommer muss eine Entscheidung fallen.

Ronaldo war unglücklich in Madrid und machte dies im September nach seinem Doppelpack beim 3:0 gegen Granada öffentlich. Der Portugiese war unzufrieden über den Mangel an Unterstützung von den Granden im Klub bei seinem Versuch, den Ballon d'Or zu gewinnen. Er wollte sich geliebt fühlen.

Madrid traf am vergangenen Samstag erneut auf Granada, und es war Cristianos unglückliches Eigentor (das erste in seiner Karriere), das den Unterschied zwischen beiden Teams ausmachte.

Zwischen diesen beiden Spielen ist viel passiert. Madrid mag in La Liga 16 Punkte hinter Barcelona stehen, doch Ronaldo war in einer komplizierten Spielzeit der einzige Lichtblick für Mourinhos Mannen. Und insbesondere seit der Enttäuschung über das Verpassen des Ballon d'Or, bei dem er erneut dem Rivalen Messi den Vortritt lassen musste, beeindruckt er besonders. Cristiano hat bisher in 2013 zehn Tore für seinen Verein erzielt, 179 insgesamt – in nur 178 Spielen.

KAKA KÖNNTE DER SCHLÜSSEL SEIN
Kaka wechselte im selben Sommer wie Ronaldo zu Madrid, 2009, als Florentino Perez ins Präsidentenamt zurückkehrte, doch während der Portugiese ein Madridista-Idol wurde, hatte der Brasilianer große Probleme.

Nachdem er mitteilte, dass er bleiben und kämpfen wolle, muss er nun akzeptieren, dass seine Tage beim Klub gezählt sind

Kaka ist 2012/13 weniger eingesetzt worden als jeder andere aus dem Kader des A-Teams und hätte im Januar nach Milan wechseln können.

Madrid will allerdings noch immer 18 Millionen Euro für ihn, der dasselbe wie Ronaldo verdient und auch bis 2015 unter Vertrag steht.

Wenn er, wie erwartet, im Sommer wechselt, sollen das eingenommene Geld und die Einsparungen verwendet werden, um Cristianos Vertrag zu finanzieren.
Ronaldo ist derzeit Siebter in der Rangliste der besten Torjäger aller Zeiten bei Real, nur zwei hinter der Legende aus den Sechzigern, Paco Gento, und das mit weniger als einem Drittel an Spielen im Vergleich zum wundervollen Flügelstürmer aus Kantabrien. Bleibt er noch einige Spielzeiten beim Verein, wird er mit ziemlicher Sicherheit die vor ihm Platzierten überholen, inklusive Alfredo Di Stefano (308) und seinen ehemaligen Teamkollegen Raul (323).

Aber wird er bleiben?

Der Portugiese verdient mit seinem derzeitigen Vertrag rund zehn Millionen netto, doch da seine Berater vorhaben, einen neuen Vertrag mit 15 Millionen Nettoverdienst plus Exklusivrecht an  seinen Fotos auszuhandeln, könnte Madrid bei Verhandlungen über einen neuen Deal das Geld ausgehen.

Derzeit sind die Bildrechte 60:40 zugunsten Ronaldos aufgeteilt, Madrid würde also diese Einnahmen verlieren, wenn sie auf die anspruchsvollen Forderungen des Spielers eingingen. Noch schwieriger würde es allerdings mit seinem Einkommen.

Das Problem liegt in der Abschaffung des sogenannten „Beckham-Gesetzes“, das Ausländern, die weniger als zehn Jahre in Spanien gelebt hatten und mehr als 120.000 Euro im Jahr verdienten, erlaubte, eine verringerte Steuer von ungefähr 23 Prozent zu entrichten anstatt den normalen 45 Prozent. David Beckham war nach seinem Wechsel von ManUnited 2003 einer der ersten, die von diesem Gesetz profitierten.

Als CR7 ankam, war dieses Gesetz noch in Kraft, und er hat seitdem davon profitiert. Allerdings hat die spanische Regierung diese Regelung ausgesetzt, und jeder neue Vertrag würde ihn auf 52 Prozent Steuerquote setzen. Daher steht Madrid vor einem echten Dilemma. Wenn sie den Ansprüchen ihres Spielers genügen wollen, müssten sie ihm jährlich fast 31 Millionen zahlen, nur damit er auf seine gewünschten 15 Millionen netto käme.

Das sieht nach einem riesigen Hindernis aus, jedoch ist die Alternative wohl noch schwerer vorstellbar. Ohne Cristiano wirkt Madrid wie ein „normales“ Team, und es gibt schlicht keinen Ersatz für ihn. Lionel Messi, im Gegensatz zu Luis Figo, würde niemals das Nou Camp gegen das Bernabeu eintauschen, während Neymar (der ebenfalls am Dienstag Geburtstag feiert), noch weit entfernt davon ist ein kompletten Spieler zu sein und ohnehin eher zu Barca tendiert. Tottenhams Gareth Bale und Atleticos Radamel Falcao wurden ebenso beide als Ziel genannt, wenn Ronaldo gehen sollte, doch beide würden zusammen 100 Millionen Euro oder mehr kosten, während der Waliser zuletzt zugab, dass er froh sei, wenn er nur halb so gut wie Ronaldo wäre. Also hat er noch einigen Weg vor sich.

Für seinen Teil hat Ronaldo auf dem Platz eine gute Antwort gegeben, eine verbesserte Einstellung hinsichtlich defensiver Aufgaben gezeigt und zuletzt Mourinho öffentlich verteidigt. Veränderung in der Körpersprache, im Verhalten und mehr Zurückhaltung in seinem öffentlichen Auftreten haben seine Popularitätswerte in Madrid in die Höhe schnellen lassen, wo er zuletzt während der Spiele mit dem Ruf „Cristiano, Balon de Oro“ gefeiert wurde, und in der Kabine ebenso, wo er ein engeres Verhältnis zu den spanischen Stars wie Iker Casillas, Xabi Alonso und Sergio Ramos entwickelt hat, während er zuvor ein Teil der Gruppe der ausländischen Spieler war.

Probleme mit dem Klub konnten ausgeräumt werden, nachdem es eine Unterredung mit Präsident Florentino Perez gab, und der Ronaldo von heute ist viel glücklicher als der verzagte und traurige CR7 im September. Madrid glaubt nun, dass er gewillt ist zu bleiben und ein Teil der Klubzukunft zu sein, mit oder ohne Mourinho, während man sich der immensen Bedeutung seiner bewusst ist, wenn es darum geht, Barcelona oder die europäische Elite in der Champions League herauszufordern .

Wenn Madrid die Summen aufbringen kann, was nicht einfach wird, aber durch einen Kaka-Verkauf erleichtert würde, dann würden die Chancen auf einen neuen Deal für Ronaldo im Sommer steigen. Das ist es, was Ronaldo, die Fans und der Klub sich wirklich wünschen, wenn der portugisische Star seine 28 Kerzen auspustet.

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