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Wettskandal: Wie die Banden ihr Geld machen

Das wahre Ausmaß des kriminellen Netzwerks, das die Ergebnisse der Fußballspiele beeinflusst hat, wurde von den europäischen Ermittlern enthüllt.

Von Stefan Coerts aus Den Haag

Fans, Journalisten, Spieler und Trainer nennen Fußball im englischsprachigen Raum oft „the beautiful game“ - das schöne Spiel - wenn sie über den Sport reden, den sie lieben.

Aber der Fußball hat immer größere Schwierigkeiten, diesem Ruf gerecht zu werden, was unter anderem auch mit dem jüngsten Wettskandal zusammenhängt, der am Montag aufgedeckt wurde.

Ein kriminelles Netzwerk

Europol stellte auf einer Pressekonferenz in Den Haag die Erkenntnisse vor, die eine großangelegte Untersuchung von Polizei-Einheiten in 13 Ländern Europas zu Tage gebracht hat: Es existiert ein kriminelles Netzwerk, das Einfluss auf den Verlauf und Ausgang von Spielen genommen hat. Insgesamt 425 Schiedsrichter, Vereinsverantwortliche, Spieler und Kriminelle aus mehr als 15 Ländern werden verdächtigt, den Ausgang von 380 Profi-Spielen zu beeinflussen versucht zu haben.

In allen Wettbewerben, in allen Ligen

Was noch mehr beunruhigt, ist die Tatsache, dass diesmal WM-Qualifikations- und EM-Qualifikationsspiele unter Verdacht stehen, Duelle in der Champions League und Matches in den größten Ligen Europas. Das unterstreicht noch einmal die Ernsthaftigkeit dieses Problems. Das sogenannte Match-Fixing passiert überall, sagen die Ermittler, von den unteren Ligen bis in die angesehensten Spielklassen.

Das Wett-Syndikat, das hinter dem am Montag aufgedecketen Skandal steckt, hat vor allem in Asien seine Wetten platziert, aber die Tentakel der Wett-Krake sind auch über ganz Europa verteilt und es wurden auch Verbindung zu russischen und anderen europäischen Verbrecher-Organisationen ermittelt.

Der ungarische Ermittler Bajan Nemeth erklärte, wie der Chef eines Syndikats aus Singapur seine Leute mit den Aufträgen versorgte, Offizielle, Vereinsvertreter und Spieler zu bestechen.

                          Calciopoli | Juventus wurden wegen des Skandals 2006 Titel aberkannt.

„Das ungarische Mitglied des Syndikats war einer von fünf Leuten, die direkt unter dem Boss in der Hierarchie standen. Er war in direktem Kontakt mit Schiedsrichtern, die den Ausgang eines Spiels auf der ganzen Welt beeinflussen konnten. Komplizen setzten in solchen Fällen online viel Geld oder telefonisch bei Buchmachern in Asien“, sagte Nemeth.

Mehr als zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern sollen angeblich von den Leuten, die die 380 Spiele beeinflussen wollten, ausgegeben sein. Die größte Zahlung an eine Einzelperson betrug 140.000 Euro.

Hohe Gewinne

Ein teures Investment? Nein. Die Gewinne im Wettskandal können bis zu 700.000 Euro betragen. Eine Summe, die ein Wett-Syndikat angeblich mit einem Duell in Österreich im Jahr 2009 verdiente. 

Eine andere, etwas durchdachtere Methode der Kriminellen, ist das Gründen einer Firma, die Freundschaftsspiele für die Nationalteams finanzschwacher Nationen organisiert. Die Firma bietet den Verbänden eine Summe, um das Testmatch durchzuführen. Viele Freundschaftskicks finden ohne die Mitarbeit der FIFA statt, sodass die Firma dann den Schiedsrichter selbst bestimmen kann - und natürlich die Chance nutzt, einen korrupten Unparteiischen auf dem Feld zu platzieren.

„Jeder Mitgliedsverband ist für die Organisation und Überwachung des Fußballs in seinem Land verantwortlich“, sagt FIFA-Sprecher Wolfgang Resch gegenüber ESPN im vergangenen Jahr. „Die Kontrolle der Schiedsrichter und Offiziellen gehört auch dazu.“

Der Satz „Im Fußball ist alles möglich“ bekommt nun eine völlig neue Bedeutung. Eine der Sportarten, bei denen man das Ergebnis nicht voraussagen kann? Nicht für die Leute, die in einigen kriminellen Organisationen aktiv sind.

Die Ermittlungen von Europol folgen auf den Calciopoli-Skandal in Italien, der Juventus zwei Titel in der Serie A kostete. Es ist der größte und spektakulärste Fall seit der Aufdeckung des Hoyzer-Skandals in Deutschland im Jahr 2005.

Die Gewinne im Wettskandal können bis zu 700.000 Euro betragen. Eine Summe, die ein Syndikat angeblich mit einem Duell in Österreich im Jahr 2009 verdiente.

Die Ermittlungen um verschobene Spiele in der Serie A war nur der Anfang von zahlreichen aufgedeckten Skandalen, in Ländern wie der Türkei, Griechenland, Zimbabwe, Südafrika und Südkorea gab es seitdem auch ähnliche Aufregung. Eine weitere Ungereimtheit bezüglich von Sportwetten kam 2011 in Italien ans Licht. Und auch Javier Tebas, der Vize-Präsident der spanischen Liga, sagte im Januar, dass einige Spiele in Spanien in den letzten Jahren gekauft waren.

Die Suche nach den richtigen Waffen

Kann das Match-Fixing trotzdem gestoppt werden? Die Erkenntnisse von Europol deuten an, dass der Kampf gewonnen werden kann, wenn die richtigen Waffen eingesetzt werden.

Aber Europol-Direktor Rob Wainwright befürchtet, dass es sich bei den aktuellen Enthüllungen nur um „die Spitze des Eisbergs“ handeln könnte. Ein langer und harter Kampf könnte noch bevorstehen.

Der Ruf des Fußballs ist nun beschädigt worden und die FIFA, die UEFA und jeder Nationalverband sollten die Warnungen, die in dem Europol-Bericht stecken, genau beachten.

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