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Erst eiskalt, dann gezittert: Dortmund gewinnt würdiges Topspiel in Leverkusen

Der Meister schwächelt nach starkem Auftakt in Halbzeit zwei, die Leverkusener hadern mit Fehlern und Chancenverwertung, bleiben aber zurecht selbstbewusst.

Leverkusen. Es war ein Spitzenspiel, das man aus zwei Perspektiven betrachten konnte: Der knappe 3:2-Auswärtssieg von Borussia Dortmund bei Bayer Leverkusen bot ein Spektakel für die Fans, kaum Atempausen und reichlich Torraumszenen, doch im Endeffekt siegte mit dem BVB das Team, das die Fehler des Gegners etwas effektiver ausnutzte und aus den eigenen Chancen mehr Kapital schlug – und es hätte durchaus anders herum ausgehen können, denn auch der Meister hatte viel zugelassen beim beiderseitigen Angriffsspektakel in der BayArena.

„Hätten fünf Tore machen können“

Andre Schürrle konstatierte gegenüber den versammelten Pressevertretern später enttäuscht: „Wir hatten so viele Möglichkeiten, da können wir vielleicht sogar fünf Tore machen heute. Das war einfach der Unterschied: Dass wir die Tore nicht gemacht haben heute und der BVB uns eiskalt erwischt hat.“

Wohl wahr: Ein schneller Doppelschlag durch Reus und Blaszczykowski per Elfer bedeutete die frühe Führung für die Gäste, die zu Beginn clever und präzise ihre Möglichkeiten nutzten, während nicht nur Castro und Kießling beste Chancen ausließen. Das 2:0 zur Pause sollte jedoch kein Ruhekissen sein, wie Klopp wohl geahnt hatte.



BVB kontert doppelten Reinartz

Der für den erkrankten Weidenfeller eingesprungene Mitch Langerak, der einen guten Vertreter abgab, berichtete: „Wir haben in der Halbzeit darüber gesprochen, dass das Spiel noch nicht vorbei sei, dass Leverkusen noch einmal stark aufkommen würde, und das sind sie.“ Stefan Reinartz stellte mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack das Remis her: Innerhalb von vier Minuten legten erst Kießling traumhaft, dann Boenisch klassisch per Kopf auf. Doch dass der BVB postwendend Sekunden später wieder in Führung gehen konnte, fuchste die Leverkusener mächtig – auch hier ging ein Fehler, in diesem Fall von Wollscheid, voraus, Götze setzte nach, bevor Lewandowski mit Kusshand per Nachschuss zum 3:2 einnetzte.

„Man muss der Mannschaft ein Kompliment machen, dass sie nicht aufgesteckt hat, wir haben ein Riesenspiel gemacht, aber es ist natürlich sehr bitter, dass wir direkt nach dem 2:2 das 3:2 kriegen“, analysierte Keeper Bernd Leno und vermutete: „Wahrscheinlich wollten wir einfach zu viel, die Zuschauer haben gefeiert ohne Ende, da wollten wir zu sehr auf das 3:2 spielen.“

Kubas vorerst letzter Elfer?

Warum es am Ende nicht wenigstens zum Punkt reichte lag vielmehr daran, dass beim Versuch des erneuten Ausgleichs weiter guter Möglichkeiten ungenutzt blieben, so dass am Ende niemand widersprach, als Mats Hummels den Sieg etwas schmeichelhaft fand: „Auf jeden Fall war es glücklich. Mit der zweiten Hälfte hätte sich Leverkusen mindestens das Remis verdient, eventuell sogar mehr, aber das schnelle 3:2 war für uns natürlich Gold wert heute, und deshalb gehen wir nicht unverdient, aber definitiv als etwas glücklicher Sieger vom Platz.“

Nichtsdestotrotz leistete sich der BVB den Luxus, beim Stande von 3:2 nach Boenischs ungestümem Einsteigen gegen Lewandowski einen erneuten Elfmeter zur Vorentscheidung zu vergeben: Hatte Blaszczykowski den ersten Strafstoß noch sicher verwandelt, blieb er nun zweiter Sieger. Eine Szene mit Folgen? „Uns ist es wurscht, wer schießt, aber ich glaube, Kuba hat jetzt selbst gesagt, dass er erstmal nicht mehr will“, berichtete Hummels aus der Kabine.



Watzke mit Genugtuung

Es wurde trotz der löchrigen BVB-Abwehr im zweiten Durchgang dann doch die erste Heimniederlage für Bayer – und somit ein „Big Point“ für die Dortmunder, wie Geschäftsführer Watzke befand, der die Rückkehr auf Platz zwei mit Genugtuung sah: „Das war auch Zeit – ich hatte immer das Gefühl, dass wir dort hingehören.“

Sicherlich war es „ein würdiges Spiel des Zweiten gegen den Dritten“, wie Andre Schürrle formulierte, auch wenn sein Verein danach den Platz mit dem Meister tauschen musste, auf den Punkt brachte es Mats Hummels: „Heute gab es zwei Mannschaften auf dem Platz, die unbedingt wollten, die nicht immer alles richtig gemacht, aber zumindest enorme Leidenschaft gezeigt haben.“

Was großen Spaß gemacht hat, dem BVB das bessere Ende bescherte – und Bayer zumindest jede Menge Respekt und die Gewissheit, zurecht dort oben zu stehen, auch wenn es gegen clevere und glückliche Dortmunder diesmal nicht gereicht hat.

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