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Der streitbarste Spielerberater im Profifußball: Mario Balotellis Agent Mino Raiola

Sechs Monate, nachdem er Zlatan Ibrahimovics jüngsten Millionen-Transfer eingefädelt hatte, war Mino Raiola auch die treibende Kraft bei Mario Balotellis Wechsel zum AC Mailand.

Mailand. Mino Raiolas Buchhaltungsfirma heißt „Maguire Tax & Legal“. Ein Name, der vom „Oscar“-prämierten Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle inspiriert wurde. Es gibt viele in der Welt des Fußballs, die es ziemlich anmaßend finden, dass sich Raiola als eine Art Maguire sieht. Denn Jerry Maguire ist ein Sportmanager, der Gier hinter sich lässt und fürsorglich im Sinne seiner Klienten handelt. Es gibt allerdings auch Leute, vornehmlich Raiolas Schützlinge, die diesen Vergleich sicher für angebracht halten.

Herzlich willkommen in der spaltenden - und sehr lukrativen - Welt von Mino Raiola, Super-Agent.

Der beleibte 45-Jährige wurde im italienischen Agri geboren. Allerdings wanderten seine Eltern in die Niederlande aus, als er noch ein Kind war. Sie ließen sich in in Haarlem nieder und dort machte Raiola seine ersten Schritte auf dem Weg zu einem der einflussreichsten Agenten im Fußball.

Auch wenn es mittlerweile nicht mehr so aussieht, Raiola war ein halbwegs talentierter Spieler. Er kickte bei seinem Heimatverein bis er im Alter von 18 Jahren aufhörte. Er begann Jura zu studieren, seine Leidenschaft für das runde Leder hatte er indes nicht verloren. Also entschied er sich, eine Jugendmannschaft Haarlems zu betreuen.
RAIOLAS GESCHÄFTE
 ZLATAN IBRAHIMOVIC

Der Schwede hat fünf lukrative Wechsel hinter sich, seit er sich 2003 mit Raiola zusammentat. Die Gesamtablöse für den Starstürmer wird auf stolze 165 Milionen Euro geschätzt.
 MARIO BALOTELLI

Raiola trieb seinen 30-Millionen-Wechsel von Inter zu Manchester City 2010 voran. Nun holte er ihn zurück nach Mailand, die „Rossoneri“ zahlen 22 Millionen Euro.
 ROBINHO

Der Brasilianer wollte ManCity 2010 in Richtung Barcelona verlassen. Raiola, der nichtmal Robinhos Agent war, schaltete sich ein und lotste den Angreifer nach Mailand.
 PAVEL NEDVED

Erneut war Raiola nicht der offizielle Vertreter des Spielers. Dennoch war Raiola der entscheidende Mann beim spektakulären Wechsel Nedveds von Lazio zu Juventus.
 MAXWELL

Der brasilianische Außenverteidiger wurde 2009 Raiolas Schützling und hat seitdem zwei lukrative Wechsel zum FC Barcelona und zu Paris Saint-Germain hinter sich.


Bereits in jungen Jahren war Raiola einer, der kein Blatt vor den Mund nahm. Er zeigte keinen Respekt vor anderen Menschen, mit Ausnahme seines Vaters, der ein Restaurant führte.

„Haarlems Präsident kam jeden Freitag zum Essen zu uns,“ erklärte er vor zwei Jahren in einem Interview mit Il Sicolo XIX. „Ich sagte ihm, dass er keine Ahnung von Fußball hätte. Einmal nahm er mich zur Seite und sagte: 'Hör zu, dann versuch du es doch.' Er machte mich zum Sportdirektor.“

Raiola war jedoch schnell frustriert. Er konnte die gewünschten und notwendigen Änderungen nicht umsetzen, denn es fehlten die finanziellen Mittel. Er bemerkte allerdings, dass niederländische Fußballer Mitte der 1980er Jahre heiß begehrt waren. Und er erkannte, dass sich viel Geld damit verdienen ließe, sie nach Italien (das damalige Zentrum des Fußball-Universums) zu verkaufen.

Raiola schliff seine Vermittler-Fähigkeiten, während er als Makler für niederländische Geschäftsleute mit Ambitionen in Italien arbeitete. Er stielte einen Deal mit der niederländischen Spielervereinigung ein und der ermöglichte es ihm, alle Spieler des Landes zu repräsentieren.

Sein ursprüngliches Ziel damals war es, eine besondere Geschäftsbeziehung zu Napoli, dem „Klub seines Herzens“ herzustellen. Dieser Plan ging in die Hose. „Ich rief (Neapels Präsident Corrado) Ferlaino an. Wir begannen zu verhandeln und ich bot ihm (Dennis) Bergkamp für 700 Millionen Lire an. Er zögerte. Und zwei Jahre später (1993) bot er mir 14 Millionen Euro. Doch ich verkaufte den Spieler an Inter.“

Im Bergkamp-Deal war auch Wim Jonk integriert, auch er wechselte von Ajax zu den „Nerazzurri“. Raiola war nun eine echte Hausnummer in der Serie A, ein Jahr zuvor hatte er zudem Bryan Roy von Amsterdam nach Foggia gelotst.

Es wurde zu diesem Zeitpunkt deutlich, dass Raiola alles tat, um seine Klienten glücklich zu machen. Einige Klubs machten sich dagegen Sorgen wegen seiner Methoden.

Zum Beispiel hatte Ajax in den frühen 1990er Jahren von den Deals profitiert, die Raiola arrangiert hatte. Dann hatte der Klub aber große Bauchschmerzen wegen des Verhaltens des Beraters beim Transfer von Stürmer Zlatan Ibrahimovic zu Juventus Turin im Jahr 2003. Sorge und Wut verschlimmerten sich drei Jahre später, als im Zuge des „Calciopoli“-Skandals Telefongespräche zwischen Ibrahimovics Agent Raiola und dem damaligen Juve-Manager Luciano Moggi veröffentlicht wurden.

Moggi: „Du und Ibra solltet weiter Unruhe stiften. Schick ihn nicht zum Training...“

Raiola: „Ich werde den Spieler morgen zu Hause behalten, er wird nicht beim Training auftauchen. Ich habe dann Mittags ein Treffen mit den Ajax-Direktoren, aber ich werde erst um zwei hingehen...“

Raiola wird seitdem immer wieder mit Anschuldigungen konfrontiert, er wiegele Spieler bewusst auf, um einen eigenen finanziellen Vorteil daraus zu ziehen. Manchester Uniteds Boss Sir Alex Ferguson schäumte im letzten Sommer nach dem vergeblichen versuch, Talent Paul Pogba zu halten: „Er (Pogba) hat einen Berater, der offensichtlich ein wenig schwierig ist.“

Napolis extrovertierter Präsident Aurelio De Laurentiis ist ebenfalls nicht sonderlich gut auf Raiola zu sprechen. Grund dafür sind die mehrfachen öffentlichen Bekundungen des Beraters, Marek Hamsik sollte die „Partenopei“ verlassen, um sich als Spieler weiterzuentwickeln. Dabei ist Hamsik nicht einmal offiziell sein Klient. „Raiola ist eine schreckliche Nervensäge. Seit Jahren versucht er, uns Hamsik wegzunehmen“, ereiferte sich De Laurentiis.

Raiola betont dagegen, dass er stets zum Wohle seiner Spieler handelt. Außerdem besteht er darauf, dass er Transfers nicht einfädelt, sondern sie lediglich erleichtert.

„Meiner Meinung nach ist es so: Falls sich ein Spieler entscheidet, seinen Verein zu verlassen, dann sollte er gehen“, erläuterte er. „Ich bin niemals einen Kompromiss eingegangen. Ich arbeite ausschließlich im Interesse meiner Klienten und ich habe ihnen gegenüber eine große Verantwortung. Ich habe nie unangemessene Mittel angewandt, oder Mittel, die ich persönlich für nicht angemessen halten... Die 'alten' Berater haben die Interessen der Vereine höher angesiedelt. Bei mir kommt der Spieler an erster Stelle.“

Es ist schwer zu sagen, ob er das ehrlich meint, denn dieser Mann ist unbestritten rhetorisch einzigartig. Er hat Pogba mit einem Gemälde von Salvador Dali verglichen und behauptet, dass Ibrahimovics Wechsel zu Paris Saint-Germain Frankreichs Hauptstadt neben der Mona Lisa eine zweite Attraktion beschert habe. Er spricht acht Sprachen (italienisch, niederländisch, französisch, englisch, deutsch, spanisch, portugiesisch und „natürlich neapolitanisch“) und seine beachtlichen Fähigkeiten als Redner schiebt er bescheiden auf „Vorbereitung und nicht Intelligenz“.


Falls sich ein Spieler entscheidet, seinen Verein zu verlassen, dann sollte er gehen... Die 'alten' Berater haben die Interessen der Vereine höher angesiedelt. Bei mir kommt der Spieler an erster Stelle.“


- Mino Raiola

Wie auch immer, er ist unglaublich clever. Er hat eine sehr fruchtbare Geschäftsbeziehung mit dem AC Milan aufgebaut. Das hat nicht zuletzt seine entscheidende Rolle beim Wechsel Mario Balotellis nach Mailand unter der Woche bewiesen. Er weiß genau, wie er das Ego seiner Spieler steigern kann: Balotelli versprach er als Teenager, er werden aus ihm einen dreifachen Ballon-d'Or-Gewinner machen. Auf der anderen Seite erklärte er diese Auszeichnung für unbedeutend, sollte Ibrahimovic sie nie bekommen.

Auf seine Weise kann er beides sein: amüsant und krank machend; ein Parasit des Spiels und der Beschützer der Interessen der Spieler. Dieser Wiederspruch ist es, der Beratern im modernen Fußball immer wieder begegnet. Ja, die Welt des Fußballs wäre ohne Agenten ein wunderschöner Ort (erinnert Euch an die Szene bei den „Simpsons“, als sich Lisa eine Welt ohne Anwälte vorstellt!), aber das ist ein schöner Traum: Fußball ist längst kein Sport mehr, es ist das Big Business. „Wir leben in einer zynischen Welt“, sagt Dicky Fox in „Jerry Maguire“. „Eine zynische Welt und wir arbeiten in einem Geschäft mit harten Wettbewerbern.“

Folgerichtig wird es immer ein Bedürfnis nach Leuten wie Raiola geben. Man mag ihn lieben oder hassen, aber man kann nicht bestreiten, dass er in dem was er tut, sehr gut ist. Er selbst betont, er löse Probleme. Seine Gegner behaupten, er schaffe erst welche. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Es ist auch egal, denn am Ende des Tages verdient Mino Raiola Geld. Sowohl für seine Klienten, als auch für sich selbst.

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