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Inter Mailand: Warum aus Wunderkind Coutinho kein Star wurde

Der Youngster sollte bei den Nerazzurri zum Star reifen. Weil diverse Trainer keinen Platz für ihn fanden, wurde er aber nie Teil der Stammelf.

ANALYSE
Von Kris Voakes | Italien-Experte

Inter hat nicht immer daran geglaubt, dass es Philippe Coutinho außerhalb des San Siros besser haben könnte. Im Jahr 2008, als man den 16-Jährigen für rund 3,5 Millionen Euro unter Vertrag nahm, galt seine Verpflichtung den Nerazzurri noch als eine große Errungenschaft. Doch heute schon darf der Brasilianer in Richtung Premier League und Liverpool aufbrechen, mit den besten Wünschen der Italiener.

Auch wenn man vor seinem 18. Lebensjahr keinen sportlichen Wert aus seinem Transfer schlagen konnte, war man rund ums das Appiano Gentile hoch zufrieden als Inter Vasco da Gama überreden konnte, bereits zwei Jahre vor seinem Wechsel nach Europa einen Teil der Spielerrechte abzutreten. Coutinho hatte sich auf seinem Weg durch die Jugendteams von Vasco schon eine gewisse Reputation erarbeitet, so dass der Schritt trotz seines zarten Alters und der Wartezeit von zwei Jahren keineswegs als Risiko erschien.

SO GEHT'S WEITER:
Inters anstehende Aufgaben
03.02. AC Siena (A)
10.02. Chievo Verona (H)
14.02. CFR Cluj (H)
17.02. AC Florenz (A)
21.02. CFR Cluj (A)
24.02. AC Milan (H)

Aber seit Coutinho in Italien ankam, ist längt nicht alles nach Plan gelaufen, was am Ende sogar soweit ging, dass Inter den Spieler zu seinem Weggang überreden musste - auch, um von Liverpool noch eine stattliche Summe zu kassieren. 

Nach einem verheißungsvollen Start in Rafael Benitez' sechsmonatiger Amtszeit tat der 20-Jährige sich schwer, seinen Platz im Mannschaftsgefüge zu finden. Unter dem Spanier musste der offensive Mittelfeldspieler im 4-2-3-1 immer wieder auf den linken Flügel ausweichen, um ins Team zu kommen. Aber unter den folgenden Übungsleitern Leonardo, Gian Piero Gasperini, Claudio Ranieri und Andrea Stramaccioni wurde seine Lage nicht besser. Gelegentlich sah man den Brasilianer zwar im Trikot der ersten Mannschaft, aber seit Benitez weg ist, war das in keinen zwei aufeinander folgenden Pflichtspielen der Fall.

ZWEI VERSCHIEDENE SPIELER | Coutinho seit 2010
INTER
(Aug 10-Jan 12, Aug 12-Jan 13)
ESPANYOL
(Jan-May 12)

STATISTIK
39 EINSÄTZE 16
20 STARTELF 14
1777 MINUTEN GESPIELT
1222
28 LIGASPIELE 16
15 STARTELF LIGA
14
1320 GESPIELTE LIGA-MINUTEN
1222
4 TORE 5
444,3 MINUTEN PRO TOR
244,4
3 ASSISTS 1

Sergio Chesi, von Goal.com Italien, erklärt, warum für Coutinho im Shirt der Nerazzuri Vieles schief ging.

„Coutinho hatte aus vielen Gründen Pech bei Inter“, sagt Chesi. „Der erste ist, dass er gleich nach dem gewonnen Triple von 2010 kam, als man vor großen Problemen stand, die noch heute gegenwärtig sind. Für einen Youngster wie ihn war es schwer, in Team mit offensichtlichen Schwierigkeiten Selbstvertrauen zu bekommen.“
„Seit Benitez weg ist, war Coutinho in keinen zwei aufeinander folgenden Pflichtspielen in der Startelf

Weiter erklärt Chesi: „Dann waren da die physischen Probleme, die ihn nach dem nächsten Wachstumsschub auch einschränkten und nicht vermuten ließen, dass er sich körperlich durchsetzen könne. Außerdem schaffte er es nie, den Eindruck zu vermitteln, dass er die entsprechende Persönlichkeit hat, um es auf höchster Ebene zu schaffen. Spannend, dass Liverpool nun 13 Millionen für einen Spieler zahlt, der in der Serie A nicht viel auf die Beine gestellt hat.“

Warum also sollten die Reds einen solchen Betrag ausgeben? Nun gut, während seiner Ausleihe zu Espanyol in der Rückrunde 2011/12 zeigte Coutinho in neuer Freiheit gute Ansätze und erhielt wohl meinende Kritiken. Nur einmal fehlte er, gegen Osasuna, weil er zuvor Rot gesehen hatte. Im Trikot der Blau-Weißen zeigte er eine starke Form, erzielte in vier Monaten mehr Tore als in seiner gesamten Zeit bei Inter.

Natürlich ist das keine allzu verblüffende Statistik, wenn man sich bewusst macht, dass er 14 Spiele für die Periquitos bestritt und in zweieinhalb Jahren Inter 15. Aber mit der Chance, sich über einen längeren Zeitraum zu beweisen, hat Coutinho die Schnürsenkel fester gezogen und einen guten Eindruck hinterlassen. Es ist ein unerschütterlicher Fakt, dass Coutinho bei Inter keinerlei Konstanz zeigte. Aber wie kann man das erwarten, wenn man ihm dazu keine Gelegenheit gibt?

Es wird von hoch veranlagten Spielern oft gesagt, dass es für Mannschaften schwierig sein kann, ihnen den Platz zuzuweisen, auf dem sie ihren besten Fussball zeigen können. Auf den Fall von Coutinho und Inter trifft das voll und ganz zu. Ein Spieler mit zweifellos großen Fähigkeiten am Ball, guter Geschwindikeit, einem Auge für den richtigen Pass und einer für einen so jungen Mann veblüffenden Gelassenheit - er ist das nächste Talent, das den Nerazzurri verloren geht.

Sollte er an der Merseyside aufblühen, werden sich frühere und aktuelle Inter-Trainer Fragen dazu anhören müssen, warum er nie zeigen durfte, wie gut er wirklich ist.

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