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Mario Balotelli kehrt zurück: Hoffnungen und Ängste eines Fans

KOMMENTAR - Mario Balotelli kehrt nach Hause zurück. Der AC Mailand hat ihn unter seine Fittiche genommen. Was dürfen wir von ihm erwarten? Nutzt er seine womöglich letzte Chance?

Mailand. Vor ein paar Jahren ist mir Mario Balotelli erstmals begegnet. Zunächst war ich wegen seines großen Talents begeistert. Wenig später schloss ich ihn ins Herz, weil er einfach nur Italiener sein wollte, ihn viele Anhänger allerdings nicht als solchen akzeptierten. Rassismus war ein ständiger Begleiter, der ihn geprägt hat. Bei der Europameisterschaft 2012 ließ er alle Kritiker verstummen - aber „Supermario“ blieb nicht super. Nun bietet ihm der AC Mailand eine womöglich letzte Chance. Hoffnungen und auch Ängste begleiten den Blick auf seine Rückkehr nach Italien.

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Ein starker Transfer des AC Mailand, der es trotz des großen Umbruchs und der finanziellen Probleme geschafft hat, Italiens Superstar in die Serie A zu holen. Alles schön und gut, doch für mich werden die Fans und Massimilano Allegri eine entscheidende Rolle spielen. Die Fans in ganz Italien müssen ihn bedingungslos akzeptieren, damit er sein Potenzial abrufen kann. Darüber hinaus wird es eine Königsaufgabe für Allegri, den exzentrischen Stürmer darauf zu fokussieren, Leistung auf dem Platz zu zeigen, Woche für Woche - auch Mario muss sich endlich zusammenreißen. Es wird seine letzte Chance bei einem großen Verein sein. Milan befindet sich im Aufwind. Mit Shootingstar Stephan El Shaarawy und Balotelli könnte der Klub den stärksten Sturm der Liga stellen - zeig endlich dauerhaft, wer du bist, Mario!

- Fabio Porta
Als Balotelli Italien mit einem Doppelpack gegen Deutschland in das Finale geführt hatte, titelte die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport: „Der Stolz Italiens“, untermalt von der mittlerweile weltbekannten Pose, mit der er seinen zweiten Treffer feierte. Der scheinbar sportliche Durchbruch wurde in jenem Moment zur Nebensache. Diese beiden Tore ließen vor allem die Rassisten in Italien verstummen.

Balotelli hatte sich für seine „Squadra Azzurra“ aufgeopfert und in diesem Halbfinale eine entscheidende Rolle gespielt. Niemand behauptete anschließend, es gäbe keine schwarzen Italiener, wie es Balotelli in Italiens Stadien nur allzu oft hören musste. Und diejenigen, die ihn weiter verschmähten, wurden von den Massen in die Schranken gewiesen. Die italienischen Medien lobten Balotelli in den Himmel und taten so das Ihrige im Kampf gegen Rassenhass.

Rassismus bleibt Teil der Gesellschaft, das wissen die Spieler der „Rossoneri“ nur allzu gut. Erst kürzlich verließen sie in einem Freundschaftsspiel gemeinsam den Platz, weil Kevin-Prince Boateng bei jeder Ballberührung beleidigt wurde.

Balotelli floh nicht nur wegen dieser Menschen nach England. Bei Inter Mailand hatte er im Halbfinale der Champions League gegen Barcelona die Gunst der Tifosi verspielt, als er das heilige Trikot auf den Boden warf. Die Fans hatten ihn ausgepfiffen, weil er nicht die Anweisungen des damaligen Trainers Jose Mourinho befolgt hatte. Balotelli hätte ob des knappen Spielstandes den Ball halten sollen, stattdessen vernaschte er Xavi und schoss unnötig früh auf den gegnerischen Kasten.

Nun kehrt er zurück. Ausgerechnet zum Erzrivalen seines ehemaligen Klubs. Des Klubs, bei dem ihn Roberto Mancini entdeckt und herangezogen hatte, bevor sich beide in der Premier League wieder begegneten und gemeinsam die erste Meisterschaft eines italienischen Spielers in England feierten.

Die Hoffnung ist nun groß, dass sich in Italien seit seiner Flucht einiges verändert hat. Bei Milan trifft er auf alte Bekannte. Was Balotelli gemeinsam mit Riccardo Montolivo und Stephan El Shaarawy bewirken kann, war bereits im Freundschaftsspiel gegen Frankreich zu sehen. Über diese drei Stationen fiel das 1:0 - es war der erste Treffer El Shaarawys für die „Azzurri“. Nur ein Jahr zuvor hatte Balotelli einen historischen Treffer erzielt - gegen Polen war es der erste eines farbigen Italieners. Demonstrativ küsste er damals das Wappen auf dem Trikot, als Zeichen seiner Liebe zu Italien.



Milan ist bekannt dafür, exzentrische Akteure bändigen zu können. Zlatan Ibrahimovic und Kevin-Prince Boateng blühten an der Via Turati auf. El Shaarawy und Balotelli könnten bei Milan in den kommenden Jahre zu einer der stärksten Sturmreihen Europas avancieren. Damit hätte auch Cesare Prandelli sein Duo für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Es wäre das Gegenstück zu Marco Reus und Mario Götze. Nicht auszudenken, welch ein Spektakel eine Begegnung dieser beiden Nationen mit diesen vier Spielern auf dem Platz bieten würde.

Die große Hoffnung ist, dass Balotelli endlich konstant aufblüht. Bei der Euro hat er für einen kurzen Moment aufblitzen lassen, was in ihm steckt. Es war nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Allerdings muss er es langsam aber sicher Woche für Woche zeigen - ansonsten wird er dem Ruf des größten Talents Italiens nicht gerecht.

Die Angst vor der Euro war groß, Mario würde dem Druck nicht Stand halten. Er tat es und nun ist die Sorge gering, dass er sich im San Siro von den gegnerischen Fans beeinflussen lässt. Es wird sie weiter geben, die Menschen, die ihn nicht als einen von ihnen akzeptieren. Sie müssen übertönt werden von den wahren Tifosi - denjenigen, die Italien lieben und damit jeden, der ihr Land auch liebt.

Ein Rest Angst bleibt. Manchmal wird die Stimme im Kopf immer lauter, die fragt: „Wurde er vielleicht doch überschätzt?“ In der italienischen Liga darf sich Mario nun wieder gegen einige der stärksten Defensivreihen Europas beweisen. Es ist seine vielleicht letzte Chance. Gelingt es ihm nicht, darf er dabei zuschauen, wie in seinem eigenen Team ein anderer großer Stern Italiens aufgeht. Stephan „El Faraone“ Shaarawy ist derzeit der beste italienische Stürmer und macht Balotelli vor, wie es gehen sollte. Forza, Mario!

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