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Real-Präsi Perez versucht, sein Gesicht zu wahren und seine Mannschaft auf dem Platz zu vereinigen, doch die Gräben im Kader sind tief und die Unbeliebtheit des Trainers steigt.

REPORT
Von Ben Hayward

Es sollte ein Wendepunkt sein. Am Sonntag verließ Real Madrid den holprigen Weg der Saison 2012/13 und produzierte den besten Fußball der Saison; eine trotzige Zurschaustellung von Einigkeit, Protz und Stärke beim 5:0-Sieg über Valencia im Mestalla. Alles schien gut, trotz der Ärgernisse in den vorherigen Monaten, doch der vermeintliche Wendepunkt war nur eine Illusion.

Am Mittwoch gab es einmal mehr negative Presse, als die Marca weitere Details vom Machtkampf hinter den Kulissen des Santiago Bernabeu veröffentlichte.

„Präsi“, erklärte die Titelseite am Mittwoch, „entweder geht Mourinho im Juni, oder wir gehen“. Das Blatt behauptete, dass die Kapitäne Iker Casillas und Sergio Ramos dem Präsidenten Florentino Perez und dem Direktor Jose Angel Sanchez in einer Besprechung am Dienstag ein Ultimatum gestellt hätten.

Die vier Männer trafen sich zum Mittagessen im ACS-Hotel in Madrid, um die Bonuszahlungen für den Rest der Saison in Champions League und Copa del Rey zu besprechen. Nach Angaben der Marca lobte Perez die Spieler für die Leistung gegen Valencia am Sonntag und im Gegenzug erklärten Casillas und Ramos ihre Verpflichtung für den Verein bis zum Saisonende. Allerdings reichte diese neugefundene Einigkeit nicht bis zum Trainerstab. Entweder verlasse Mourinho den Verein im Juni, oder mehrere Starspieler des Vereins werden den Verein verlassen, hieß es.

Bei der Besprechung nicht anwesend war Jose Mourinho; ebenso fehlte er, als Perez die Geschichte auf einer gut besuchten Pressekonferenz am Mittwochmittag entschieden zurückwies. Ein aufgebrachter Präsident behauptete, der Report sei sowohl „unethisch“ als auch „unwahr“ gewesen. Trotzdem erklärte die Marca nur kurze Zeit später, bei seiner Darstellung zu bleiben.

Real Madrid antwortete mit einer öffentlichen Erklärung, in der sich Iker Casillas und Sergio Ramos hinter den Trainer stellten: „Wir wollen unserem Trainer Jose Mourinho, dem wir den maximalen Respekt schulden, unsere Unterstützung zeigen.“

Bezeichnenderweise erklärte Perez auf der Pressekonferenz jedoch, er habe nicht mit Mourinho gesprochen. Die Entscheidung, seinen Gegnern entgegenzutreten, sei seine eigene gewesen und warf mehr Fragen auf als sie beantwortete.

Warum musste er jetzt sprechen? Warum auf diese Geschichte antworten, wenn unzählige andere ohne Kommentar gekommen und gegangen waren? Warum war Mourinho nicht involviert oder zumindest gefragt worden? Und was genau geht gerade vor sich?


„Ich habe nicht mit Mourinho gesprochen. Ich bin auf eigene Verantwortung hier. Die Presse kann nicht mit einer Institution wie Real Madrid spielen.“

- Florentino Perez am Mittwoch

Reals Beziehung mit der Marca ist seit langer Zeit intim. Madrids Ehrenpräsident Alfredo Di Stefano schreibt wöchentlich für das beliebte Blatt, Journalist Enrique Ortego verfasst die Spielerprofile auf der Klub-Website. Die Beziehung ist für beide Seiten förderlich und Perez kehrte 2009 als Präsident zurück, nachdem die Zeitung ihm die uneingeschränkte Unterstützung ausgesprochen hatte.

Perez lässt ab und zu Nachrichten an Marca durchsickern, wenn er es für passend hält, aber die Zeitung hat ebenfalls mehrere Quellen in der Umkleidekabine (selbst Mourinho gab letztes Jahr zu, dass zwei oder drei seiner Spieler hinter seinem Rücken mit der Presse sprechen) und wenn Spieler unglücklich sind, findet das Blatt es normalerweise heraus.

Letzten Januar erreichten die Zeitung Berichte von einem Disput zwischen Mourinho und Ramos auf dem Trainingsgelände und schmückten damit die Titelseite, nachdem Mourinho den Verteidiger dafür kritisiert hatte, mit Pepe die Aufgaben in der Manndeckung getauscht zu haben, als Madrid zu Hause in der Copa del Rey 1:2 gegen Barcelona verlor.

Perez blieb damals ruhig und sagte auch dann nichts, als die Zeitung im Jahr 2010 eine bösartige Kampagne gegen Mourinhos Vorgänger Manuel Pellegrini fuhr.

MARCAS TITELSEITE AM FREITAG
Aber am Mittwoch schlug Perez zurück, inmitten turbulenter und chaotischer Zeiten im Hauptstadtklub. Der Baumagnat versucht verzweifelt, die Mannschaft zu einigen und etwas Macht zurückzubekommen, nachdem er fast die gesamte Kontrolle an Mourinho übergeben hatte. Und da im Sommer Wahlen anstehen, ist seine Stimme eine, die Madrid-Fans hören müssen.

Allerdings lehnte der Präsident es ab, die Fragen zu beantworten. Er dementierte nichts außer der besagten Geschichte und bot Mourinho eine allenfalls halbherzige Rückendeckung an. Perez verwarf den Zeitungsreport, aber er weiß ganz genau, was in der Umkleidekabine der Mannschaft vor sich geht. Während das Gerede um ein Ultimatum aufgekeimt ist, hat der Trainer mit jeder Woche weniger Freunde im Santiago Bernabeu.

Dem Portugiesen gehen in Madrid die Verbündeten aus, seitdem er den Verein, die Fans sowie viele seiner Spieler in der Öffentlichkeit kritisiert hatte. Die Teilung in der Kabine ist tief, mit zwei verschiedenen Lagern; eines für Mourinho, das andere gegen ihn. Casillas und Ramos gehören der zweiten Gruppe an, während im ersten Lager vor allem Spieler sind, die vom portugiesischen Berater Jorge Mendes vertreten werden – Pepe, Angel di Maria, Fabio Coentrao und Ricardo Carvalho, dazu Jose Callejon und Alvaro Arbeloa. Cristiano Ronaldo gehörte auch zu diesem Block, jedoch ist die Beziehung zwischen Ronaldo und Mourinho nach dem letzten Konflikt abgekühlt.

Perez glaubt, dass er einen Fehler gemacht hat, als er Mourinhos Vertrag letzten Sommer bis 2016 verlängerte. Am wahrscheinlichsten ist nun, dass am Ende der Saison eine Einigung getroffen wird, die den Vertrag auflöst. Die trostlose Leistung Madrids in der Primera Division hat die Glaubwürdigkeit des Trainers im Vorstand beschädigt, darüber hinaus haben die Aktionen des 49-Jährigen die Geduld des Präsidenten auf die Probe gestellt.

Mourinho hat den Verein in dieser Saison mehrfach aufgebracht. Der ehemalige Inter-Trainer beorderte sowohl Ramos als auch Casillas auf die Bank, unterließ es, den Verein beim Ballon d'or zu repräsentieren, kritisierte Alberto Toril, den Trainer der zweiten Mannschaft, und stritt mit seiner halben Mannschaft, darunter Özil, di Maria, Ronaldo, Kaka und die beiden Kapitäne.

Mourinhos Beziehung mit Madrids Medien ist ebenfalls in einem Tief und das sind schlechte Nachrichten für den Trainer. Die spanische Presse wetzt die Messer und die Marca schlug am Freitag zurück. Unter der Schlagzeile „MARCA LÜGT NICHT“ veröffentlichte die Zeitung Textnachrichten von Klubverantwortlichen auf der Titelseite, um die Quellen hinter der kontroversen Geschichte zu unterstützen.

Real Madrid ist in Aufruhr, und wenn sich Dinge in den nächsten Wochen nicht drastisch verbessern, wird es keinen Sieger in diesem Machtkampf geben.

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