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Spaniens beiden Top-Mannschaften Real und Barca führen das vierte Mal in Folge die Money List an - aber sie sind die einzigen spanischen Vertreter. Valencis ist rausgeflogen!f

Madrid/Barcelona. Falls Deloittes alljährliche Liste der superreichen Klubs eine Superstar-Liga bilden würde, hätte diese tatsächlich nur zwei spanische Vertreter. Das vierte Jahr in Folge stehen Real Madrid und der FC Barcelona an der Spitze der Liste der umsatzstärksten Fußballvereine der letzten 12 Monate. Dabei steht der Hauptstadtklub gar zum achten Mal in Folge mit einem Einkommen von mehr als 500 Millionen Euro an der Spitze. Diese Grenze hat vorher noch kein anderer Verein geknackt. Dicht dahinter - mit 483 Millionen Euro - steht der Rivale aus Katalanien. Für diese beiden Vereine sind es beeindruckende Zahlen, sie verdammen allerdings gleichzeitig den Rest der Primera Division.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Valencia. Der Klub ist dieses Jahr komplett aus den Top Twenty gerutscht und wurde durch ein Team ersetzt, das gerade knapp über den Abstiegsplätzen der Premier League schwebt: Newcastle United. Los Che hingegen konnten die vergangenen drei Spielzeiten jeweils auf Platz drei beenden. Gleichzeitig sind sie neben den beiden Topvereinen die einzigen, die in jüngerer Vergangenheit Meister wurden, 2002 und 2004, oder in einem europäischen Pokal im Finale standen, 2000 und 2001 seit Atletico Madrid 1974.

Aber der Klub steht tief in den roten Zahlen, musste zwischenzeitlich den Bau ihres Nou Metsalla Stadions unterbrechen und haben in den vergangenen Jahren einige ihrer besten Fußballer verkauft. Hier sind unter anderem David Villa, Juan Mata, David Silva und Jordi Alba zu nennen. Außerdem haben sie kaum Eindruck in der Champions League in den vergangenen Saisons hinterlassen. Zu allem Überfluss wurde Valencia am vergangenen Sonntag zu Hause 5:0 von Real Madrid verhauen. Trotz der Tatsache, dass sie noch das Beste vom Rest der Liga sind, können sie nicht mit den Großen konkurrieren.

Nach zwanzig Spieltagen der laufenden Saison in der Primera Division steht Atletico Madrid auf dem zweiten Rang. Im Sommer wird sich Diego Simeones Team allerdings von Startstürmer Radamel Falcao verabschieden müssen, um Schulden abzubauen. Auch sie sind nicht einmal in der Top Twenty dieser Liste.

Von den zwanzig Vereinen der Deloitte-Liste kommen sieben aus England (Manchester United, Chelsea, Arsenal, Manchester City, Liverpool, Tottenham und Newcastle), fünf aus Italien (AC Milan, Juventus, Inter, Napoli und Roma), vier aus der Bundesliga (Bayern Munich, Borussia Dortmund, Schalke und Hamburg) und jeweils zwei aus Spanien (Real und Barca) und aus Frankreich (Olympique de Marseille und Olympique Lyonnais).

REAL MADRID & BARCELONA | So haben sie es an die Spitze geschafft

Spieltags-
einnahmen
Übertragungs- einnahmen
Werbe-
einnahmen
Gesamte
Einnahmen


Real Madrid

€126.2m €199.2m €187.2m   €512.6m

Barcelona

€116.3m €179.8m €186.9m €483m

Real Madrid führen die Elite das achte Jahr in Folge an und sind das erste Team, dass die 500-Millionen-Grenze überschritten hat, dank einer äußerst erfolgreichen Saison 2011/12 auf und neben dem Platz. Ihre Einnahmen aus TV-Übetragungen haben sie mit lukrativen Testspielen unter anderem in Amerika, China und Kuwait gepusht, die Einnahmen am Spieltag sind gestiegen, genauso wie die Gelder aus Werbedeals, nachdem sie den Vertrag mit Ausrüster Adidas bis 2020 verlängert.

2013 wird neu über den Trikotsponsor verhandelt, dieser Vertrag könnte nach Deloitte die Madrilenen wieder an die Spitze bringen. „Zieht man den Wert der zuletzt ausgehandelten Verträge der europäischen ebenbürtigen Vereine heran“, erklärte die Gruppe „kann Real Madrid weiteres Einkommenswachstum durch einen neuen Del erwarten. Diese Faktoren in Kombination mit dem Plan, das Bernabeu zu vergrößern bedeuten, dass Real Madrid die Favoriten darauf sind, den Platz an der Spitze der Money League zu verteidigen - zum neunten Mal in Folge, was alle Rekorde bricht.“

Barcelona hat währenddessen einen kleinen Verlust bei den TV-Übertragungen im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen müssen, da sie nicht ins Champions-League-Finale gekommen sind, zuvor in 2010/11 gewannen sie. Das gesamte Einkommen ging allerdings hoch, weil Pep Guardiola in seiner letzten Saison beim Verein vier von sechs möglichen Titeln mitgenommen hat, inklusive des World Cups. Die Werbeeinnahmen sind in die Höhe geschossen, zum größten Teil durch den neuen Sponsorvetrag mit Katar.

Ein Teil des Deals besteht darin, dass Qatar Airways nun die Trikots der Blaugranaschmückt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins bekommt eine gewinnorientierte Organisation Platz auf dem berühmten rot-blauen Trikot zugestanden.

Deloitte erklärte: „Nach der Hälfte der Saison 2012/13 sieht es für Barcelona so aus, als könnten sie die Meisterschaft vom Erzrivalen Real Madrid zurückkämpfen. Weitere Erfolge auf dem Platz sind entscheidend für das Aufholen des Abstandes von 29,6 Millionen Euro zur Spitze der Money League. Die Diskussionen um die Renovierung ihres historischen Camp Nou gehen weiter. Zusammen mit dem Vorhaben Real Madrids, das Bernabeu auszubauen, wird die Dominanz der beiden großen Vereine ganz oben in der Money League wohl für einige Zeit andauern.“



Gesamte Einnahmen | Die Top 10
Klub
2011/12 Einkommen
Real Madrid €512.6m
Barcelona €483m
Manchester United €395.9m
Bayern Munich €368.4m
Chelsea €322.6m
Arsenal €290.3m
Manchester City €285.6m
AC Milan  €256.9m
Liverpool €233.2m
Juventus €195.4m

Real Madrids jährliches Einkommen liegt im Ganzen 100 Millionen Euro über dem von Manchester United, auf die sie in der Runde der letzten 16 der Champions League 2012/13 treffen werden. Barca bringt sogar einen Abstand von 225 Millionen Euro im Vergleich zum nächsten Gegner AC Milan zu Stande.

Aber solche Spannen scheinen verschwindend im Vergleich zu anderen Klubs im Deloitte-Ranking. Valencia, nun auf Platz 21 abgerutscht, kommen auf 111,1 Millionen Euro (unfassbare 401,5 Millionen Euro weniger als Real). Atletico auf Platz 23 hat 107,9 Millionen angehäuft - ein wenig mehr als die Hälfte der Einnahmen von Real allein bei den TV-Übertragungen.

In Spanien dürfen die Vereine ihre eigenen Verträge mit den TV-Sendern abschließen, was Madrid und Barcelona erlaubt, sich einen großen Teil des gesamten finanziellen Volumens abzugreifen. Andere große Vereine wie eben Valencia und Atletico kommen somit gerade einmal auf ein Äquivalent zu weitaus unerfolgreicheren Vereinen aus England, Deutschland oder Italien.

„Wenn man sich die Liste asieht, ist Spanien nicht so stark vertreten wie die anderen [großen] Ligen“, sagte Finanzexperte Jose Maria Gay de Liebana gegenüber Goal.com zur letzten Deloitte-Tabelle. „Valencia zum Beispiel generieren weniger TV-Gelder als ein kleinerer Verein aus England. In anderen Ligen werden die Vereine gleichmäßig vergütet. In England und Deutschland wird das Geld fair und nach logischen Maßstäben verteilt, wohingegen es Madrid und Barcelona erlaubt ist, das Monopol auf die spanischen Einnahmen zu halten“, erklärte er weiter. „Dadurch konnten sie ihre Konkurrenz in die Tasche stecken - und das gleiche passiert auf europäischem Level.“



„Es ist ein beeindruckender Erfolg für Real Madrid, in nur einem Jahr 500 Millionen Euro eingenommen zu haben. Real hat den Weg in Bezug auf das Wachstum der Einnahmen neben den Topklubs der Welt angeführt.

Dan Jones, Partner der Sports Business Group bei Deloitte

Es hat sich wenig verändert.

Während die Reichen reicher werden in Spanien, werden die Armen ärmer. Valencia und Atletico tauchen wenigstens noch knapp hinter der Deloitte-Top Twenty auf, aber es gibt keinen Platz für einen anderen spanischen Klub in den Top Dreißig der wohlhabensten Vereine in 2011/12. Das bedeutet, dass Fulham, Sunderland, Galatasaray und Corinthians mehr verdienen als Malaga, Athletic Bilbao und der Rest der Primera Division. Der Abstand wird zu einem gewaltigen Vakuum und mit den diesjährigen Zahlen vor Augen ist es ein Wunder, das Atletico Madrid überhaupt so gut mithalten kann.

So wird es wohl seine Zeit brauchen, bevor irgendjemand zur wirklichen Konkurrenz reifen kann, weil solange Real und Barca weiter ihre beeindruckenden Einnahmen explodieren lassen, tun sie es auf dem Rücken ihrer Rivalen aus der Liga: Die finanzielle Kraft der großen Jungs wirft einen beachtlichen Schatten auf den Rest der Primera Division, der Krise und Schulden hinterlässt. Das ist die zweite Seite dieser Geschichte. Während die Top Zwei immer stärker wird - zu Hause und im Ausland -, wird La Liga immer schwächer und schwächer.

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