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Der baskische Klub setzt ein deutliches Signal an seine Spieler: Der Starstürmer muss bleiben und die Ablöse, die dadurch verloren geht, spielt dabei keine Rolle.

Bilbao. Athletic Bilbaos Weigerung, Angreifer Fernando Llorente in diesem Januar zu verkaufen, wird die Basken bis zu sechs Millionen Euro an Ablöse, Bonuszahlungen und Gehalt kosten. Mitten in einer scharfen Wirtschaftskrise, die Spanien umklammert hat, ist das ein teures Ausrufezeichen.

Athletic teilte am 13. August (zehn Tage, nachdem die Berater des Spielers dem Verein reinen Wein eingeschenkt hatten) mit, dass Llorente keinen neuen Vertrag beim baskischen Traditionsklub unterschreiben werde. Präsident Josu Urrutia erklärte öffentlich: „Es ist ein institutionelles Versagen.“ Er hatte Recht. Und es wurde noch schlimmer.

Llorente sollte ein vorzeitiger Abschied aus Bilbao nur erlaubt werden, falls ein Klub die festgeschriebene Ablöse in Höhe von 36 Millionen Euro zahlte. Das stellte Urrutia klar. Natürlich zahlt kein halbwegs vernünftig denkender Klub diese Summe für einen Spieler, dessen Vertrag nur noch ein Jahr läuft. Juventus bot 21 Millionen Euro, Bilbao lehnte ab. Dann, in diesem Winter, meldeten sich die Italiener erneut. Diesmal offerierten sie vier Millionen Euro plus Bonuszahlungen. Erneut lehnte Athletic ab, und nun wird er ablösefrei gehen.

DREI ANDERE, DIE ABLÖSEFREI GEHEN KÖNNTEN
 RICARDO CARVALHO

Der portugiesische Routinier steht vor einem Abschied aus Madrid. Sein Vertrag bei Real läuft im Sommer aus und in Jose Mourinhos Plänen spielt Carvalho keine Rolle mehr.
VICTOR VALDES

Überraschend verkündete Barcelonas langjähriger Stammkeeper, dass er den Verein verlassen möchte, wenn sein Arbeitspapier nach der Saison 2013/14 endet.
 JOAN VERDU

Gemäß Medienberichten in Katalonien am Dienstag wird der Mittelfeldspieler nach dieser Spielzeit für lau von Espanyol Barcelona zu Atletico Madrid wechseln.
Llorente hätte bei einem Verbleib im „San Mames“ 4,5 Millionen Euro pro Jahr verdienen können. Er hätte dabei vom niedrigen Steuersatz des Baskenlands profitiert: Mit 23 Prozent ist er nirgendwo in Spanien geringer.

Der in Pamplona geborene Stürmer, der in La Rioja aufwuchs und seit seinem elften Lebensjahr für Bilbao spielt, wird bei Juventus sogar weniger verdienen. Das Gehalt ist ähnlich, doch der Steuersatz in Italien deutlich höher.

Aber Llorente ist seit dem Verkauf von Javi Martinez im vergangenen Sommer unglücklich und hat zudem Probleme mit Coach Marcelo Bielsa. Er hat mehrfach seinen Wunsch geäußert, in der Champions League zu spielen. Bei seinem aktuellen Klub (derzeit 14. in der Primera Division) wird das vermtulich nicht passieren. Um das Geld ging es ihm also nie.

Gleiches gilt allerdings auch für Athletic. Basken sind für ihren eigenwilligen Charakter bekannt und die sture Haltung des Klubs im Falls Llorente stellt das unter Beweis. Urrutia und Bielsa, der im Sommer nach einer pannenreichen Saison so gut wie sicher gehen wird, waren beide mit Llorentes Verhalten auf und abseits des Rasens nicht einverstanden.

Der Spieler war mit seinem Kopf nicht bei der Sache und seine Form ließ deutlich nach. Während er bei den Transferspekulationen immer vorne mit dabei war, gelang es ihm nicht, im Sturm dem Wandervogel Aritz Aduriz (mittlerweile zum dritten Mal bei Athletic) den Platz streitig zu machen. Am vergangenen Wochenende trainierte Llorente mit der Reservemannschaft, beim Remis gegen Betis spielte er keine Rolle.

Einen Großteil der Saison hat Llorente auf der Ersatzbank gebracht und nur zwei Treffer erzielt. Im Vorjahr waren es noch satte 29 Tore. Ihn trotzdem zu behalten hat viel mit Stolz und Trotz zu tun. Und es ist eine Botschaft an andere wechselwillige Spieler im Verein: Legt Euch nicht mit uns an.

Athletic war besorgt, dass bei einem Llorente-Abschied im Januar weitere Spieler mit Freigabewünschen oder höheren Gehaltsforderungen an den Klub herantreten könnten. „Los Leones“ zahlen extrem konkurrenzfähige Löhne und es ist einer der wenigen spanischen Vereine ohne Schulden. Die Abgänge von Javi Martinez und nun Llorente könnten für einen Domino-Effekt sorgen: Verteidiger Fernando Amorebieta zögert ein neues Vertragsangebot mit einem Jahressalär in Höhe von zwei Millionen Euro anzunehmen. Youngster Iker Munian steht auf Arsenals Wunschzettel und macht sich ebenfalls so seine Gedanken. Die Leistungen des Shootingstars sind derweil nur noch ein Schatten seiner dynamischen Auftritt in der Vorsaison.

Der Verein aus Bilbao will auf keinen Fall als Verkaufs- und Ausbildungsklub angesehen werden, besonders nicht nach dem Abgang von Javi Martinez nach München. Es war ein profitabler Deal und die 40 Millionen Euro, die der FCB zahlte, stehen Athletic nach wie vor zur Verfügung. Benat, der einst in Bilbao spielte und nun für Betis glänzt, ist eine Ersatz-Option. Seine Ausstiegsklausel liegt allerdings bei 20 Millionen Euro. Llorente dagegen ist unersetzlich auf einem Markt, der sich auf Spieler aus dem Baskenland und den umliegenden Gemeinden beschränkt.


„Der Klub hat sich dagegen entschieden, Llorente im Januar zu verkaufen. So ist die Situation. Er gibt uns bis zum Saisonende Qualität.“

- Marcelo Bielsa im Dezember über Fernando Llorente

Nachdem es nicht gelang, für Llorente die volle Ablöse einzustreichen, entschied sich Athletic also zu dem ungewöhnlichen Schritt, einen Spieler, der aktuell nicht zum Team gehört, weitere sechs Monate zu behalten.

Es bedeutet auch, dass Llorente weiterhin die volle Breitseite der eigenen Anhänger abbekommen wird. Sie nehmen ihm seine schwachen Leistungen und seinen Wechselwunsch ohnehin bereits übel und stehen überraschenderweise klar hinter Trainer Bielsa.

Der 27 Jahre alte Angreifer bleibt ein Spieler, der seinen Klasse bereits auf hohem Niveau nachgewiesen hat. Für Athletic wäre es dennoch klüger gewesen, nun die sechs Millionen Euro einzustreichen und den Verlust in Grenzen zu halten. Denn früher oder später ist der Stürmer ja ohnehin weg.

Doch der baskische Stolz bewirkt, dass Llorente bis zum Sommer bleibt und nun ist an beiden Parteien, diese Verbindung wieder an's Laufen zu kriegen. Das Geld mag weg sein und Titel wird es nach einigen heftigen Pleiten in dieser Spielzeit auch nicht geben. Aber wenigstens kann Atheltic auf den moralischen Sieg im Fall Llorente verweisen.

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