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Von Enis Koylu, übersetzt von Robert Bobbe
22.01.2013 09:00:00
Der Niederländer stimmte am Sonntag einem Wechsel zu Galatasaray zu. Es ist schwer zu glauben, dass er vor 30 Monaten noch auf dem Höhepunkt seines Schaffens war.
KOMMENTARMailand/Istanbul. Noch im Juli 2010 gab es nur wenige Menschen auf der Welt, die Wesley Sneijder nicht beneidet hätten. Seinem Klub Inter Mailand verhalf er zum Triple aus Meisterschaft, Champions League und Pokalsieg. Zudem führte er die Niederlande fast im Alleingang ins Finale der WM in Südafrika – die Hochzeit mit Schauspielerin Yolanthe Cabau war sein persönlicher Höhepunkt.
Dass „Oranje“ das Endspiel gegen Spanien schließlich verlor, war zweifellos eine riesen Enttäuschung für Sneijder, aber auch das konnte den Glanz von außergewöhnlichen zwölf Monaten des ehemaligen Spielers von Real Madrid nicht trüben.
Seine Entscheidung, das Santiago Bernabeu zu verlassen, hatte sich nachdrücklich als richtig erwiesen. Schon in seinem ersten Jahr bei den „Nerazzurri“ hatte er seinen Ruf eines ewigen Talents nach einer Reihe von unglaublichen Leistungen abgelegt. Einige „Interisti“ werden seine Heldentaten sicher nicht vergessen, die mit einem 4:0-Sieg über den AC Mailand begannen, in denen er die Hauptrolle spielte. Er fühlte sich von Beginn an wie zuhause.
Sneijder war die treibende Kraft im Team vom damaligen Trainer Jose Mourinho – und erzielte immer wieder wichtige Treffer, wie bei den Comeback-Siegen über Dynamo Kiew und AC Siena. Im Nachhinein waren das entscheidende Momente auf dem Weg zum Scudetto und den Champions-League-Triumph.
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WESLEY SNEIJDER | GESAMTSTATISTIK BEI INTER
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Als es gegen Europas Elite ging, hatte Sneijder nicht weniger auf sich aufmerksam gemacht. Im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Chelsea musste Inter einen knappen Ein-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigen. Am Ende war es der Niederländer, der sich der Herausforderung stellte und sein Team zum 1:0-Erfolg an der Stamford Bridge führte.
Im Halbfinale der „Königsklasse“ gegen Pep Guardiolas schier unbesiegbaren FC Barcelona hatte Sneijder ebenso großen Anteil am 3:1-Hinspielsieg im heimischen San Siro, der am Ende genügte, um ins Endspiel einzuziehen.
Passenderweise fand dies im Estadio Santiago Bernabeu statt – der heute 28-Jährige kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück, und war rechtzeitig nach einer Verletzung wieder fit. Es gelang ihm, die Dämonen zu vertreiben, die ihn in seiner alten Heimat verfolgten. Diego Milito erzielte beim 2:0-Triumph gegen den FC Bayern München zwar die entscheidenden Treffer. Darüber, wer der Star der gesamten Saison war, gab es jedoch keinen Zweifel.
Natürlich hatte Mourinho bei seinem zweijährigen Aufenthalt in Italien ebenso großen Anteil am Erfolg der Mannschaft. Anschließend nahm der Portugiese aber seinen Hut – und der Erfolg verschwand ebenfalls. Eine Reihe von Trainern versuchte in der Folge ihr Glück bei Inter. Jeder wollte sein eigenes System etablieren. Die Saison 2010/11 unter Rafa Benitez und Leonardo war keinesfalls ein persönlicher Misserfolg für Wesley Sneijder. Das Team wirkte jedoch verunsichert und musste kämpfen, um die Lücke, die „Mou“ hinterließ, zu füllen.
Sneijders gescheiterter Wechsel zu Manchester United im folgenden Sommer hat sich im Nachhinein betrachtet als katastrophal erwiesen. Gian Piero Gasperini übernahm im Juli 2011 das Traineramt und versuchte sein bevorzugtes 3-4-3-System zu implementieren. Der Holländer fand sich darin nie zurecht.
Mit einem wirkungslosen Star hatte das komplette Team seine Mühe, sodass der 54-Jährige kurzer Hand von Klubboss Massimo Moratti entlassen wurde – Claudio Ranieri ersetzte ihn. Die Leistung Inters besserte sich vorübergehend, flaute aber kurz darauf schon wieder ab, sodass auch Ranieri alsbald von seinen Aufgaben entbunden wurde.
Als die Mannschaft auf dem Spielfeld eine schwierige Zeit durchmachte, war die Nummer 10 nicht dabei – eine Vielzahl von Verletzungen bereiteten ihm Sorgen. Sein Stern, der zwei Jahre zuvor noch so hell erstrahlte, verpuffte Schritt für Schritt.

In der laufenden Spielzeit kam es schließlich zum großen Bruch zwischen Spieler und Verein. Um den Klub auf das Financial Fair Play vorzubereiten, versuchte Klubeigner Moratti verzweifelt, Sneijder zu Gehaltseinbußen zu überreden. Er weigerte sich und wurde fortan nicht mehr im Team berücksichtigt.
Im Sommer 2010 schien es noch unvorstellbar, dass sich so viele Teams die Chance entgehen lassen würden, einen solch talentierten Spieler, wie den Niederländer zu verpflichten – besonders zu einem solch geringen Preis. Doch genau so geschah es. Keiner der europäischen Topklubs war gewillt, seine astronomischen Gehaltsforderungen zu erfüllen, gerade nach den vielen Verletzungen in der Vergangenheit.
Schließlich zeigte Galatasaray Interesse an ihm, doch Sneijder übte sich in großer Zurückhaltung, das Angebot des türkischen Meisters zu akzeptieren. Er wolle auf ein Gebot eines besseren Vereins warten, hieß es. Dass er sich schließlich zum Wechsel an den Bosporus entschied, bedeutet im Wesentlichen, dass seine Karriere auf absolutem Top-Niveau vorbei ist.
Während viele große Spieler, darunter auch Roberto Carlos, den Weg in die Türkei wählten, um am Ende der Karriere einen letzten großen Vertrag zu unterschreiben, ist Sneijder erst 28 Jahre jung und hatte einfach keine andere Option in der Hinterhand.
Die „Löwen“ können ihm in dieser Saison zumindest Champions-League-Fußball bieten – ein großzügiges Gehalt und fanatische Fans obendrein. Jedoch spielt Sneijder von nun an in einer Liga geprägt von organisatorischen Schwierigkeiten und Skandalen – eine Liga mit Stars, die ihre besten Jahren meist hinter sich haben. Er wird sich nicht mehr auf absoluten Top-Niveau messen können.
2010 empfanden es viele noch als eine große Ungerechtigkeit, dass Wesley Sneijder nicht die Auszeichnung zum Ballon d’Or erhielt. Nun scheint es, als würde er wohl nie mehr die Gelegenheit bekommen dies richtigzustellen.
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