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Der ehemalige Barca-Coach übernimmt ab Juli den FC Bayern München, doch was können die Bayern-Fans unter dem neuen Übungsleiter für einen Spielstil erwarten?

TAKTISCHE ANALYSE
Von Jonathan Wilson

Viele Spekulationen gab es darüber, warum sich Pep Guardiola für den FC Bayern entschieden hat, statt auf weitaus lukrativere Angebote aus der Premier League zu warten. Vieles deutet darauf hin, dass es die Spielweise des FC Bayern ist, die den Ausschlag gab.

Es ist einfach zu glauben, dass die Spielweise maßgeblichen Einfluss hatte, wie auch die Statistiken belegen. Während Barcelona in den Statistiken für Ballbesitz und angekommene Pässe die größten fünf Ligen Europas anführte, folgte der FC Bayern auf Platz zwei. Bayern ist kein Barca-Double, aber die passenden Rohmaterialien für Guardiola sind vorhanden.

In dieser Saison neigte der FC Bayern zu einem 4-2-3-1 mit Mario Mandzukic als bewegliche Stoßspitze (nicht so mobil und talentiert wie Lionel Mesi), zwei aus Xherdan Shaqiri, Thomas Müller und Franck Ribery auf den Flügeln (Arjen Robben kehrt nach Verletzung noch zurück) und Toni Kroos als zentraler Kreativspieler.

BAYERNS BUSQUETS
Javi Martinez könnte die Rolle von Sergio Busquets in einem möglichen System mit einem defensiven Sechser einnehmen.
Mit Kroos' Flexibilität und seinem Willen, mit nach hinten zu arbeiten, hat das 4-2-3-1 oft mehr den Anschein eines 4-3-3. Die Vielseitigkeit von Guardiola in seiner letzten Saison macht es schwierig, vorherzusagen, was Guardiola in der kommenden Saison vor hat.

Es ist schlichtweg unmöglich, mit Sicherheit vorherzusagen, wie Bayern im kommenden Jahr auflaufen wird. Gewisse Parallelen zwischen Bayern und Barca sind aber unverkennbar.

Beide Außenverteidiger, Philipp Lahm und David Alaba (oder Rafinha), bevorzugen das Angriffsspiel und gleichen so den Barca-Außenverteididgern Dani Alves und Eric Abidal (oder Adriano) - auch, wenn es unvorstellbar ist, dass Lahm je einen Flügel gibt, wie Dani Alves dies unter Guardiola getan hat.

Die andere zentrale Figur könnte Javi Martinez sein. Guardiola war angetan vom Mittelfeldspieler und versuchte ihn bereits, zum FC Barcelona zu holen. Besonders beeindruckt hatten Pep sein Spielverständnis, das Passspiel sowie seine defensiven Qualitäten. Diese könnten ihn zum neuen Sergio Busquets in Guardiolas System werden lassen.

Busquets ist und bleibt wahrscheinlich der am wenigsten wergeschätzte Spieler Barcelonas, doch der Sechser räumt nicht nur ab, sondern gibt auch das Tempo für das Passspiel vor. Man kann sich gut vorstellen, dass Martinez in ähnlicher Art und Weise agieren kann.

Kroos würde dann eine Stelle vor Martinez agieren (falls Bayern eine ähnliche Mittelfeldform wie Barca pflegt), aber hier sind Zweifel angebracht, ob Bastian Schweinsteiger, seiner Energie und seiner Persönlichkeit zum Trotz, das Passspiel hat, in einer derartigen Guardiola-Dreierreihe mitzuwirken.

Martinez könnte aber auch, wie bei Athletic, als zentraler Defensivspieler agieren, wie es Javier Mascherano unter Guardiola tat (auch Busquets), was die Möglichkeit eröffnet, zu einer anderen Dreierreihe zu greifen.

Unter Marcelo Bielsa konnte Martinez das taktische Denken und die frühe Balleroberung verbessern, was bei Guardiola mit den entscheidenden Unterschied macht.

TIKI-TAKA IN MÜNCHEN?
Wird Pep versuchen, den revolutionären Kurzpassfußball des FC Barcelona auch beim FC Bayern zu kreiren?
In den frühen Neunzigern, als Marcelo Bielsa das 4-3-3/3-4-3 in Argentinien entwickelt hat, wurden Grundsätze in neueren System angepasst. Das Gleiche tat Louis van Gaal später mit Ajax. Van Gaal wechselte dann zum FC Barcelona, wo er großen Einfluss auf den Spieler Guardiola hatte. Es war, wie nicht anders zu erwarten, van Gaal der den Grundstein des ballbesitzorientierten Fußballs legte, als er 2009 bei Bayern Trainer wurde.

Deutscher Fußball - und Bayern im Speziellen - brauchte lange, bis man auf den Pressing-Zug aufsprang. Westdeutsche Vereine wie Bayern München oder Borussia Mönchengladbach hatten in den 70ern auch Erfolg, ohne so früh draufzuschieben und zu pressen.

Als Freiburg 1993 in die Bundesliga kam und Bayern in der folgenden Saison 5:1 besiegte, war es deren Pressing, mit dem die anderen Teams so sehr zu kämpfen hatten. Aktuelle Beispiele für diese Umdenken zeigten jüngst der FSV Mainz und Borussia Dortmund.

Es war van Gaal, der Bayern das frühe Pressing einimpfte. Waren die Bemühungen zu Beginn eher zaghaft, wurden diese unter Jupp Heynckes bereits härter, auch wenn man sich noch weit vom Level des FC Barcelona weg begfindet. Guardiola wird versuchen, diesen Aspekt in Bayerns Spiel weiter zu verbessern.

Barcas Spieler werden in einer Akademie darauf ausgebildet, viel zu stören und früh zu pressen. Gleichzeitig kann man sich nur schwer vorstellen, wie Robben und Ribery mit hoher Disziplin im Pressing funktionieren.

Man sieht also klare Unterschiede, die Guardiola dazu führen werden, Kompromisse zu machen. Barca war eine einmalige Umgebung, eine, bei der zwei Jahrzehnte Spieler auf eine ganz bestimmte Art und Weise ausgebildet worden.

Bayern ist nicht Barca, aber von der Spielweise vielleicht am nähesten an den Katalanen dran. Von allen Klubs.

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