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Lance Armstrong als Vorbild: Das Doping-Problem im Fußball muss offen angesprochen werden
KOMMENTAR - Im Interview mit Oprah gab Armstrong zu, verbotene Substanzen zur Leistungssteigerung genommen zu haben. Es gilt nun, dieses Problem auch im Fußball zu diskutieren.
Berlin. Lance Armstrong gab im Interview mit Oprah Winfrey zu, verbotene Substanzen zur Leistungssteigerung genommen zu haben. Ohne sie hätte er die Tour de France nicht siebenmal gewinnen können, erklärte er weiter. Nach dem Skandalen im Radsport führen die Athleten nun eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Doping. Der Missbrauch von Drogen wird angeprangert, verdammt und bestraft. Gleiches sollte im Fußball geschehen!Es gab bereits Chancen für die Verantwortlichen, das Problem Doping anzusprechen. Weshalb sollte der Gebrauch dieser Substanzen im Leistungssport Fußball weniger üblich sein als in anderen Sportarten; als in den Sportarten, deren Rekorde annulliert werden? Es ist an der Zeit, die Praktiken der letzten Jahrzehnte zu hinterfragen und sich der dunklen Vergangenheit zu stellen.
Viele italienische Spieler aus den 60ern und 70ern litten nach ihrer Karriere and Gesundheitsproblemen und starben früh. Die Spieler Algeriens, die an der Weltmeisterschaft 1982 teilgenommen haben, setzten Kinder in die Welt, die an Behinderungen litten. Es zeigt, dass der Missbrauch dieser Substanzen auch lange nach dem Ende der Karriere Spieler und ihre Familien heimsuchen kann.
2011 stellte die Organisation World Anti-Doping Agency (WADA) insgesamt 117 Fälle fest, in denen von bei der FIFA registrierten Spielern Doping genutzt wurde. Erst im August 2012 wurden zwei Akteure des mazedonischen Klubs FK Rabotnicki sanktioniert, nachdem sie nach der Europa-League-Partie gegen Lazio positiv getestet wurden.
| „In Parma wurden uns Substanzen intravenös verabreicht. Sie sagten, es handle sich um Vitamine. Vor dem Betreten des Spielfelds sprang ich dadurch aber locker bis zur Decke." - Matias Almeyda |
Das zeigt, dass die Doping-Kontrollen der FIFA und der UEFA wirken, allerdings sichern sie nur die Reinheit des Sports an jenem Spieltag - leistungssteigernde Substanzen werden aber vor allem abseits der Wettbewerbe, abseits der Kontrollen eingenommen.
Auch im Bereich Fußball gab es bereits ein Outing, das im Grunde für einen ähnlichen Skandal hätte sorgen sollen, wie es um Festina oder BALCO im Radsport der Fall war. Matias Almeyda, ehemaliger Nationalspieler Argentiniens, berichtete in einem über seine Zeit beim FC Parma in der Serie A. Die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport veröffentlichte eine Serie zu der Autobiographie.
„In Parma wurden uns Substanzen intravenös verabreicht. Sie sagten, es handle sich um Vitamine. Vor dem Betreten des Spielfelds sprang ich dadurch aber locker bis zur Decke", erklärte Almeyda.
Doping scheint allerdings im Fußball noch keine große Rolle zu spielen. Im Fußball geht es um Talent, Balance, Verständnis - es ist ein Spiel, bei dem Spielintelligenz genauso wichtig ist wie Fintess. Es wird behauptet, Profis bräuchten keine leistungssteigernden Substanzen. Drogen seien etwas für Schwächlinge, für jene Sportler, die aufholen müssten.
Doch diese Äußerungen sind naiv. Als wäre es in einer Saison, in der 60 bis 70 Partien bestritten werden, nicht von Vorteil, schneller zu regenerieren und leistungsstärker zu sein.
Arsene Wenger erklärte bereits 2004 seinen Verdacht, einige seiner aus Übersee verpflichteten Spieler seien bereits mit Doping in Berührung gekommen.

„Manche Klubs verabreichen ihren Spielern leistungssteigernde Substanzen, ohne dass sie etwas davon wissen. Sie behaupten, es handle sich um Vitamine“, erklärte Wenger weiter. Parallelen zur Biographie von Almeyda werden hier deutlich.
Sporthistoriker Erik Eggers hat Beweise dafür gefunden, dass Westdeutschland bei der Weltmeisterschaft 1954 im Finale unter dem Einfluss von Pervitin stand - einem Methamphetamin, das bereits im zweiten Weltkrieg genutzt worden sein soll. Westdeutschland gab eine übermenschliche Vorstellung ab. Im Anschluss an die historische Partie gegen Ungarn wurden benutzte Spritzen in der Umkleide der Nationalmannschaft gefunden.
Auch Jean-Jacques Eydelie, Mittelfeldspieler von Olympique Marseille, erklärt in seiner Autobiographie, dass der Mannschaft vor dem Champions-League-Finale gegen den AC Mailand unbekannte Substanzen verabreicht wurden. Die Franzosen gewannen den Titel - Sanktionen wurden nie verhangen. Sepp Blatter, Präsident der FIFA, hat bereits erklärt, nichts von nachträglich aberkannten Titeln wissen zu wollen.
Vor dem Achtelfinale zwischen Chelsea und Inter stand der Einsatz von Keeper Petr Cech auf der Kippe. Inters Cheftrainer Jose Mourinho richtete folgende Worte an die Presse: „Dr. Needles [Bryan English, Anm. d. Red.] wird für das Wunder sorgen.“ Er musste sich anschließend vor der UEFA rechtfertigen.
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„Es gab bereits Chancen für die Verantwortlichen, das Problem Doping anzusprechen. Weshalb sollte der Gebrauch dieser Substanzen im Leistungssport Fußball weniger üblich sein als in anderen Sportarten?" |
Dr. Müller-Wohlfahrt ist seit Mitte der 70er Mannschaftsarzt des FC Bayern München und kümmert sich auch um die Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Viele Hochleistungssportler schenken ihm ihr Vertrauen, darunter auch Sprinter Usain Bolt. Doch er ist auch der Mann, der dem Spanier Xavi laut Graham Hunter Wachstumshormone verabreicht haben soll. Dies erklärte Hunter in der irischen Radiosendung Off the Ball. Der Radiosender war im Anschluss um Berichtigung der Äußerungen bemüht und veröffentlichte eine Entschuldigung.
Jean-Pierre Paclet, ehemaliger Mannschaftsarzt des französischen Nationalteams, erklärte in seinem Buch L'Implosion, bei einigen Spieler des Weltmeisters von 1998 seien Anomalien in den Bluttests vorgekommen. „Wenn man beobachtet, bei welchen Klubs sie ihre Jugend verbracht haben, erregt das Verdacht.“

„Es ist bekannt, dass zu jener Zeit grenzwertige Praktikten zur Leistungssteigerung angewandt wurden, um es gelinde auszudrücken“, erzählte Paclet später der französischen Tageszeitung Le Parisien. „Das weiß jeder. Eine erhöhte Anzahl roter Blutzellen ist kein Beweis für die Einnahme von EPO.“
Didier Deschamps, damaliger Kapitän der „Les Bleus“, hatte 51,2 Prozent roter Blutzellen im Körper. Im Radsport hätte ihm das eine Verwarnung eingebracht.
Deschamps spielte damals bei Juventus. Riccardo Agricola, Mannschaftsarzt des italienischen Rekordmeisters, hat Spielern Medikamente verabreicht, die diese nicht nötig gehabt hätten. Das wurde vor Gericht festgestellt. Das Resultat war Leistungssteigerung. Die Italiener gewannen zwischen 1994 und 1998 drei Meisterschaften, die Champions League und die Klub-Weltmeisterschaft.
Selbst Zinedine Zidane hat zugegeben, während seiner Zeit bei Juventus Creatin zur Regenerierung der Muskeln genutzt zu haben. Um 70 Spiele in einer Saison bestreiten zu können, habe er außerdem intravenöse Vitamin-Mixturen verabreicht bekommen. Diese Beichte des Weltfußballers sollte allen die Augen öffnen. Doping ist auch im Fußball Alltag.
Lance Armstrong wurde nach eigenen Angaben „nie positiv getestet.“ Was das wert ist, wissen wir nun ganz genau. Auch der Fußball hat bislang alle Tests bestanden - allerdings nur, weil bislang der Wahrheit nicht in die Augen geschaut wurde.
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