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Hannover 96 startet die Rückrunde auf Schalke. Die Hoffnungen der „Roten“ vor der zweiten Saisonhälfte ruhen wieder auf Torjäger Mame Diouf.

Manchester/Hannover. Manchester United hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Stürmern getestet, die den Qualitätscheck beim englischen Rekordmeister schließlich nicht bestanden. Spieler mit großem Potenzial, die aber nicht gut genug waren, um die Angriffsreihe der „Red Devils“ anzuführen. Diese Kicker werden in der Nahrungskette des Profigeschäfts durchgereicht, um dann andernorts relativ unspektakuläre Karrieren hinzulegen. Ausnahmen bestätigen die Regel: Diego Forlan und Giuseppe Rossi blühten beim FC Villarreal auf, während Manucho, Dong Fangzhuo, Fraizer Campbell und David Bellion den Durchbruch nicht packten. Hannovers Torjäger Mame Diouf schickt sich an, in die erste Kategorie aufzurücken.

Fergies „kalkuliertes Risiko“

Die Verpflichtung Dioufs war eine Art kalkuliertes Risiko, wie es Sir Alex Ferguson in der jüngeren Vergangenheit bei seinen Stürmern regelmäßig einging. Bebe, Javier Hernandez, Federico Macheda und Angelo Henriquez zählen zu einer ähnlichen Kategorie, mit gemischtem Erfolg. Diouf kam im Januar 2007 nach Europa und unterschrieb bei Molde FK. Er half dem Klub auf anhieb, in die erste norwegische Liga zurückzukehren. Mehrere Klubs interessierten sich für den Angreifer, vornehmlich Vereine aus den Niederlanden und England.

Im Juni 2009 ging sein Wechsel zu Manchester United über die Bühne und die Ablöse betrug etwa 4,5 Millionen Euro. Er wurde zunächst an Molde augeliehen, während United auf seine Arbeitserlaubnis wartete. In jener Spielzeit gelangen Diouf 16 Tore in 29 Partien, darunter ein Viererpack beim 5:2-Erfolg über Brann Bergen. Molde beendete die Saison auf Platz zwei. Und als die Verpflichtung verkündet wurde, erklärte Manchesters Coach Sir Alex Ferguson, dass er Diouf zwei Jahre lange beobachtet hatte. Allerdings wollte er den Senegalesen zu jenem Zeitpunkt eigentlich noch nicht holen.



Das Werben der Konkurrenz zwang ihn schließlich zum früheren Handeln, verriet der Schotte damals: „Eigentlich wollten wir nach letzter Woche niemanden mehr verpflichten. Wir hatten das Gefühl, dass unser Kader komplett ist. Doch es gab diesen Punkt, an dem andere Vereine anfingen, Angebote abzugeben. Wir mussten uns entscheiden, ob wir handeln wollen. Wir entschlossen uns, ihn zu holen und er wird unsere letzte Neuverpflichtung sein.“

Der Traum vom „Theater der Träume“ geht in Erfüllung

Diouf traf im Januar 2010 in Manchester ein und er ergänzte eine exquisite Auswahl an Stürmern. United standen in vorderster Front noch Federico Macheda, Wayne Rooney, Dimitar Berbatov, Michael Owen und Danny Welbeck zur Verfügung. Diouf verkündete: „Für Manchester zu spielen ist mein Traum, seit ich ein kleiner Junge war. Ich hoffe, dass ich im Januar auf Anhieb einschlage und ich bin zuversichtlich, dass ich gut spielen werden.“ Wenig später debütierte er in der Liga bei Birmingham City und erzielte prompt beim 3:0-Sieg Uniteds seinen ersten Treffer. Es folgten drei weitere Einsätze bis zum Saisonende. Im August 2010 wechselte er auf Leihbasis zu den Blackburn Rovers und erneut gelang ihm ein toller Start.
96: NEUE SORGEN FÜR SCHWUNG

Bei seinem ersten Startelfeinsatz im Carling Cup gegen Norwich schnürte er einen Dreierpack und wenige Tage gegen Arsenal war er erneut erfolgreich. Mit sieben Pflichtspieltreffern und 29 Premier-League-Einsätzen im Gepäck kehrte er im folgenden Sommer zurück ins „Old Trafford“.

Diouf tat sich weiter schwer im Kampf um einen Platz in Fergusons Star-Ensemble, lediglich im Carling Cup durfte er ran. Wigan Athletic hatte im Winter großes Interesse an einer Ausleihe, doch Diouf entschied sich für einen Abschied von der Insel: Nach neun Spielen und einem Tor für ManUnited heuerte er bei Hannover 96 an.

Die Niedersachsen hatten ein Jahr zuvor ihre beste Bundesliga-Saison überhaupt auf dem vierten Platz abgeschlossen und sich für die Europa League qualifiziert.

Trainer Mirko Slomka war voller Vorfreude auf seinen neuen Torjäger: „Ich bin glücklich, dass wir mit Mame Diouf eine weitere Alternative für den Sturm haben. Wir müssen ihn schnell in Form bringen, damit er uns in Bundesliga und Europa League weiterhilft. Wir müssen uns darauf konzentrieren, ihn schnell zu integrieren.“

Von 0 auf 100 in Hannover

DIOUF BEI 96
Einsätze
Tore
Assists
34
21
6
Diouf debütierte als Einwechselspieler im Duell mit Hertha BSC und seinen ersten Treffer erzielte er bei seinem dritten Einsatz gegen den VfB Stuttgart. Es folgten beeindruckende zehn Tore in den nächsten elf Begegnungen. Mit seiner Kraft und seiner Dynamik avancierte er schnell zum Fixpunkt in Hannovers Angriffsspiel.

In der Europa League hatte er großen Anteil am Einzug in das Viertelfinale, wo gegen den späteren Titelträger Atletico Madrid Endstation war. 96 verlor beide Duelle mit den „Rojiblancos“ mit 1:2, Diouf erzielte jeweils einen Treffer. Am Saisonenende stand in der Bundesliga Platz sieben und damit die erneute Qualifikation für den Nachfolgewettbewerb des UEFA Cup.

In der laufenden Saison dauerte es bis zum Oktober, ehe der 25-Jährige erstmals zuschlug: Er traf kurz vor Schluss zum umjubelten 1:1 gegen Meister Borussia Dortmund. Der Knoten war geplatzt und in den nächsten sieben Begegnungen traf er siebenmal.

Hannover schaffte erneut den Sprung in die K.O.-Runde der Europa League und Diouf steht nun bei 18 Treffern in 22 Spielen von Anfang an für 96. Eine bärenstarke Quote. Er trifft dabei mit beiden Füßen und per Kopf und bei Abstaubern beweist er seinen Torriecher. Trainer Slomka schätzt an ihm zudem seinen nimmermüden Einsatz, Diouf arbeitet stets in vorderster Front für seine Mannschaft.

Kommunikationsschwierigkeiten mit Ferguson

Genau wir sein heutiger Mannschaftskamerad Ron-Robert Zieler ist Diouf in Hannover aufgeblüht, nachdem er in Manchester nicht wirklich eine Chance bekam. Er zeigt nun regelmäßig das „fantastische Potenzial“, das ihm Ole Gunnar Solskjaer einst als Coach der United-Reserve bescheinigte. Vielleicht lag es aber auch weniger an der sportlichen Seite, als an der Kommunikation, dass es für ihn in Carrington nicht passte. Denn Diouf beschrieb Sir Alex Ferguson zwar als einen „großartigen Coach“, ergänzte jedoch: „Ich hatte große Probleme, ihn zu verstehen. Sein schottischer Akzent ist so stark und manchmal hatte ich keine Ahnung, was er meinte.“

Mit Mirko Slomka klappt die Verständigung offensichtlich besser und Diouf will seine starke Torquote beim Rückrundenauftakt auf Schalke gewiss weiter aufpolieren. Bei 96 ist er längst angekommen und Uniteds Unwille war Hannovers großes Glück.

EURE MEINUNG: Wie viele Treffer traut Ihr Mame Diouf in der Rückrunde zu? Landet er nochmals bei einem absoluten Topklub?
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