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Beim FC Bayern findet der Trainer alles, was er benötigt, um seine erfolgreiche Karriere fortzusetzen.

KOMMENTAR |
Von Peter Staunton

Als David Bowie seines wilden, zerstörerischen Lebensstils überdrüssig wurde, entschied er sich dafür, nach Deutschland zu ziehen. Es war 1976, als sich die Westberliner wunderten, dass solch ein Rock-Gott an ihrer Seite leben wollte. Die Experten, die den Fußball beobachten, fühlen sich womöglich an diese Tage erinnert, wenn sie an Pep Guardiola denken. Am Ende seines freien Jahres wird er eine neue Aufgabe beim größten deutschen Klub, dem FC Bayern München, annehmen.

Bowie hat Berlin wieder besucht und er verliebte sich in die Stadt. Erst in der vergangenen Woche hat er seinen Comeback-Song „Where are we now?“ veröffentlicht. Deutschland hatte offenbar eine stärkende Wirkung auf ihn. Eine Woche, nachdem der Song zum ersten Mal gespielt wurde, hat sich Pep also aus New York verabschiedet. Er geht seine ersten Schritte zurück in die Welt, die ihn so erschöpft hatte.

Pep muss den FC Bayern zum Gewinner machen

FC Bayern und Pep Guardiola - auf den ersten Blick passt das. Guardiola hat bei seiner bisher einzigen Station, dem FC Barcelona, exzellente Arbeit geleistet. Er gewann mit den Katalanen 14 bedeutende Titel, darunter natürlich auch die Champions League. Bayern hingegen ist ein Klub, der in Deutschland weitgehend die Vormachtstellung hat, europäisch aber in den vergangenen zwölf Jahren nicht mehr triumphierte. Der Klub wird zweifelsohne einen Trainer begrüßen, der mit modernem Fußball internationale Titel gewonnen hat.

Es wird jetzt an Pep liegen, beim FC Bayern eine neue Mentalität zu schaffen. Die Spieler müssen zu Gewinnern werden und nicht zu Zweitplatzierten. Zu oft waren Spieler wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger trotz des riesigen Talents hinter den Großen zurück. Um das zu erreichen, was ihm in Barcelona gelungen ist, muss Guardiola einen Kader schaffen, der an den Erfolg glaubt. Auch bei Barca musste er das schaffen. Der Klub spielte nur die zweite Geige hinter Real Madrid, war damals seit 2006 erfolglos. Pep schaffte die neue Inspiration.



Für ihn wird es nun wichtig sein, dass er den FC Hollywood auf Vordermann bringt und den Doppel-Meister Borussia Dortmund etwas in die Schranken weist und zügelt. Kann Pep aus Arjen Robben auch in Druck-Situationen einen Gewinner machen? Was macht er aus Mario Gomez, nachdem er bei Barca Weltklasse-Stürmer hatte? Ist Manuel Neuer mit dem Ball am Fuß gut genug, um auch seinen neuen Trainer überzeugen zu können?

Als Pep Barcelona übernommen hatte, integrierte er sehr schnell Sergio Busquets und Pedro Rodriguez in der Mannschaft. Er hatte sie bereits in der zweiten Mannschaft trainiert und kannte die beiden. Auch beim FC Bayern wird er auf die Jugend setzen. Lahm, Schweinsteiger, Holger Badstuber, David Alaba, Toni Kroos und auch Thomas Müller sind nur einige Top-Spieler, die Bayern in der Vergangenheit hervorgebracht hat. Eine neue Klasse, auch dank Emre Can und Mitchell Weiser, könnte in der Zukunft entscheidend werden. Dadurch kann sich der Verein verbessern. Das kann den FC Bayern und Pep in den kommenden Jahren von der Konkurrenz absetzen.

Chelsea und Manchester City passten nicht

Es ist kein Geheimnis, dass auch große englische Vereine den Coach gerne gehabt hätten. Chelsea und Manchester City waren interessiert. Peps Berater hatte just bestätigt, dass es mit dem FCB bereits eine Einigung im Dezember gab. Aus Respekt vor Jupp Heynckes wurde das aber da noch nicht veröffentlicht. Eine Sache hat Guardiola von Roman Abramowitsch abgebracht: Er hätte bei Chelsea nicht die Möglichkeit gehabt, ohne Einmischung von oben zu arbeiten. Und wenn der Erfolg nicht sofort eingesetzt hätte, wäre ihm stets eine Entlassung angedroht worden. Sheikh Mansour kann Konstanz ebenfalls noch nicht garantieren. Diesen Zustand gibt es nur bei den wahren Giganten Europas.

Bayern ist ein Klub, der eine hohe regionale Anbindung hat. Es bestehen ganz offensichtliche Parallelen zum FC Barcelona. Außerdem hat Pep nicht dieses Gespenst auf seinen Schultern, das etwa auf Jose Mourinho lastet. Ob es ihm gefällt oder nicht, Pep wurde immer ausschließlich an den Ergebnissen auf dem Platz gemessen.

Das freche Trio steht dahinter

Mit einer klaren Rolle in der Hierarchie könnte sich Pep keine bessere Grundlage wünschen, um seine Karriere fortzusetzen. Aber er hat in Matthias Sammer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auch drei meinungsstarke Persönlichkeiten, die bei der täglichen Arbeit um ihn herum sind.

Außerdem wird sich der 41-Jährige erneut beweisen müssen. Es wird wie auch bei Barca in der Anfangszeit Kritik an seiner Person geben.

Aber auch bei Barca lief es irgendwann. Das lag auch an tollen Spielern wie Carles Puyol, Xavi Hernandez, Andres Iniesta und dem unbeschreiblichen Lionel Messi. Sie alle konnten Spiele im Alleingang gewinnen. Guardiola musste nur bereit stehen und managen. Beim FC Bayern wird er keinen Messi habe.



Bei Barcelona fehlte aber auch oftmals ein Plan B, wenn er erforderlich war. Deshalb gab es die negativen Erlebnisse gegen den FC Chelsea und später gegen Real Madrid. Der FC Bayern trifft oft auf taktisch ähnliche Gegner in Europa und der Bundesliga. Die anderen Mannschaften stehen tief und warten auf eine Lücke. Es ist zu einfach, davon auszugehen, dass Bayern mit dem besten Kader und dem besten Trainer alles gewinnt. Bei den Spielen gegen Mainz und Freiburg sah man, dass es nicht immer gut läuft. Pep benötigt eine Lösung, wenn die Mannschaft 70 Prozent Ballbesitz hat, die Anzeigetafel aber ein 0:0 anzeigt.

Guardiola ist zudem kein Meister auf dem Transfermarkt. Abgesehen von den Transfers von Dani Alves, Seydou Keita, Gerard Pique und David Villa waren die Aktivitäten von Guardiola oft katastrophal. Zlatan Ibrahimovic und Dymtro Chygrynskiy sind Beispiele. Aber bei Bayern wird er nicht nur kaufen. Das tat er auch in Barcelona nicht. Mario Mandzukic etwa wurde nach einer starken EM 2012 von Hoeneß verpflichtet. Pep wird Spieler wie Franck Ribery oder Javi Martinez in eine heimische Mannschaft integrieren müssen, die eine bestimmte Art und Spielweise haben.

Guardiolas neue Rolle

Pep übernahm Barcelona, als das Team an einem Tiefpunkt war, und es gab verdammt viel zu verbessern. Mit seinen taktischen Kniffen zeigte er sein Können. Durch seine Leidenschaft verbesserte er das sehr dominante Team.

Das ist genau das, was er auch beim FC Bayern machen muss, sobald er seinen Drei-Jahresvertrag dort antritt. Aber eines musste Guardiola noch nie machen: Spieler um ein System bauen, oder aber ein System um die Spieler herum. Er kennt es womöglich nicht, weitgehend als Außenseiter zu arbeiten, nachdem er mit Barcelona immer im Fokus stand.

Ob es bei Bowie noch funktioniert, werden wir erst im März sehen, wenn sein Album erscheint. Für Pep aber kommen nach seinen goldenen Jahren einige Veränderungen...

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