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Der als Favorit gehandelte Ralf Bednarek ist bei der Mitgliederversammlung des HSV nicht in den Aufsichtsrat gewählt worden. Ein bittere Niederlage für den Chef der Supporters.

Hamburg. Als die Ergebnisse der zweiten Wahlrunde an die Wand projiziert wurden, brach der Saal in kollektivem Jubel aus. Dass der Chef der mächtigen Supporters es nicht in den Aufsichtsrat schaffte, unterstrich die Haltung der Mitglieder zur Machtergreifung Bednareks. Der 38-jährige Anwalt kündigte vor der Mitgliederversammlung des Hamburger SV an, seinen Posten als Abteilungsleiter der fördernden Mitglieder zugunsten eines Mandats im Kontrollgremium zu räumen.

Keine Machtergreifung durch Fans

Eine „Machtergreifung der Fans“, wie medial im Vorfeld spekuliert, blieb zum Erstaunen aller Anwesenden damit aus. „Ich bin natürlich enttäuscht, wünsche den Gewählten für ihre Arbeit dennoch viel Erfolg“, zeigte sich Bednarek nach seinem Scheitern demütig. Weil sich die Kontrolleure Jörg Debatin, Ian Karan, Otto Rieckhoff, Alexander Otto und Horst Becker aus dem Kontrollgremium zurückziehen, wählten die knapp 1000 Mitglieder vier neue Räte. Durch die Auflösung des HSV-Ochsenzoll e.V., der bisher einen Delegierten für den Aufsichtsrat entsandte, verkleinert sich die Anzahl der Räte damit auf nur noch elf.

Mit Ali Eghbal und Kathrin Sattelmair ziehen derweil zwei Außenseiter in den Aufsichtsrat des Hamburger SV. Vor allem Eghbal sorgte mit einer besonders lebendigen Rede, bei der er sich seines Sakkos und seines Hemdes entledigte, für die größte Überraschung. Im roten HSV-Dress überzeugte der Unternehmensberater die anwesenden Mitglieder und zog mit über 500 Stimmen bereits im ersten Wahldurchgang in den Aufsichtsrat.

Neben Eghbal und Sattelmair haben es auch die Favoriten Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority, und Christian Strauß, geschäftsführender Direktor der Asklepios Klink in Wandsbek, in das Kontrollgremium geschafft. Budni-Chef Cord Wöhlke scheiterte hingegen wie Ralf Bednarek im zweiten Wahldurchgang. „Ich möchte helfen die Segel richtig zu setzen, denn Wind werden wir reichlich haben – das hat die Vergangenheit gezeigt“, sagte Jens Meier, der die meisten aller abgegebenen Stimmen erhielt.

Hauptthema Finanzen

Das große Thema der Mitgliederversammlung blieben die Finanzen des Vereins. Trotz einer Neuverschuldung in zweistelliger Millionenhöhe und Verlusten in den letzten beiden Geschäftsjahren waren den Vorständen kritische Nachfragen nahezu erspart geblieben. Carl-Edgar Jarchow begründete die Aufnahme mehrer Darlehen mit der Sicherstellung der Liquidität des Vereins für die nächsten Jahre. Die sportlichen Misserfolge nannte der Vorstandsvorsitzende dabei als Hauptgrund für fehlende Einnahmen.

Arnesen will weiter ausmisten

In der Wintertransferperiode ist Sportdirektor Frank Arnesen deshalb danach bestrebt, den Spielerkader zu verkleinern und den Gehaltsetat zu senken. Auch für das laufende Geschäftsjahr droht ein Verlust in Millionenhöhe, sofern sich der Verein nicht von einigen Spielern trennen kann. Trotz guter Leistungen in den bisherigen Testspielen des Hamburger SV steht der Schwede Marcus Berg weiterhin ganz oben auf der Streichliste der Rothosen. Dem 26-jährigen Stürmer sollen Angebote mehrer spanischer Vereine vorliegen. Bisher konnte die sportliche Leitung noch keinen Spieler verkaufen.

Das Scheitern Bednareks stößt innerhalb der breiten Mitgliedschaft auf Zustimmung. Dem 38-jährigen wird vorgeworfen, sich seines Einzuges in den Aufsichtsrat zu sicher gewesen zu sein. Ob Bednarek weiterhin als Abteilungsleiter der mit über 60 000 Mitgliedern größten Abteilung des Hamburger SV tätig bleibt, ist znächst unklar. Der Wahlausgang ist jedenfalls ein klares Zeichen der Mitgliedschaft, die dem Machtbestreben der Supporters eine Absage erteilt haben.

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