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Der Mittelfeldmann, bester Spieler der Bundesliga 2011, zog mit seinem Wechsel zurück zum BVB einen Schlussstrich unter 18 Höllenmonate, die seinen Marktwert rapide fallen ließen.

Dortmund. Als Nuri Sahin im Sommer 2011 von Borussia Dortmund zu Real Madrid wechselte, sahen viele in ihm den neuen Superstar des Santiago Bernabeu.

Der spanische Hauptstadtklub hatte nicht nur einen Spieler in Topform verpflichtet, sondern auch einen, der die besten Jahre noch vor sich hatte und der helfen sollte, zusammen mit den einstigen Bundesliga-Kollegen Mesut Özil und Sami Khedira die Vormachtstellung des FC Barcelona zu brechen.

MOURINHO NACH OSASUNA
„Sahin wird in den nächsten Jahren einer der besten Mittelfeldspieler Europas werden“, kommentierte Paul Breitner damals. „Er passt perfekt zum Verein.“

Natürlich sollte Sahin im darauffolgenden Mai die Meisterschaft mit Real einfahren, aber sein Beitrag blieb bescheiden. Nun, anderthalb Jahre später, ist er wieder genau dort angelangt, wo alles begann. Mit der Gewissheit, dass die vergangenen 18 Monate ein Schlag ins Wasser waren.

Das unglückliche Intermezzo des 24-Jährigen in Madrid könnte teils auch schlechtem Timing geschuldet gewesen sein. Er kam verletzt an und hatte nicht die Möglichkeit einer kompletten Vorbereitung, so wie seine Konkurrenten im Kampf um einen Platz im Mittelfeld.

Außer Form und fehl am Platz: Madrid war bereits in voller Fahrt, als Sahin sich erholt hatte. Jose Mourinhos Unwillen, ihn in die erste Elf zu holen, war vollauf verständlich: Er wollte es nicht riskieren, die Balance der Mannschaft zu gefährden und das Momentum zu verlieren.

Als er dann im letzten Spiel vor Weihnachten gegen Ponferradina seinen ersten Treffer erzielte, schien es, als ob 2013 sein Jahr werden könnte. Der Januar kam, der Spielbetrieb nahm wieder Fahrt auf, und noch immer konnte Sahin keinen Platz in der ersten Elf ergattern. Wenn er mal in weniger wichtigen Spielen randurfte, konnte er seine Leistung nicht zeigen.

Etwas stimmte nicht. Es war offensichtlich, dass der Spieler nicht glücklich war im Bernabeu, trotz aller Statements, dass er sich hier unbedingt einen Stammplatz erkämpfen wolle.


Es ist nicht so einfach, bei Real Madrid erfolgreich zu sein, besonders im ersten Jahr. Aber die nächste Saison wird meine Saison. Ich hoffe, dass ich hier viele Titel hole.“
- Nuri Sahin, Mai 2012

Am Saisonende spielte er in einer Serie von Freundschaftsspielen für die Türkei groß auf, schoss sogar gegen Georgien sein erstes Tor im Nationalteam seit sieben Jahren. Klar schien, dass er zu gut war, um in Madrid die Bank zu wärmen – er musste spielen.

Goal.com Spanien-Experte Paul Macdonald dazu: „Einer der profiliertesten Mittelfeldspieler Europas kam 2011 nie an in Madrid. Der Sahin, der bei Dortmunds Bundesliga-Triumph noch auf höchstem Niveau Passspiel, strategisches Verständnis und Torgefahr demonstriert hatte, war durch einen schlecht vorbereiteten Doppelgänger ersetzt worden, der Mourinho nie überzeugen konnte.“

„Seine Knieprobleme, die ihn in der Vorbereitungen um Wochen gegenüber den Kollegen zurückwarfen, erwiesen sich als denkbar schlechteste Voraussetzung. Mourinho ist und bleibt ein Bewunderer von Sami Khedira, und die Tatsache, dass Xabi Alonso wieder und wieder in die FIFPro XI gewählt wird, zeigt den Respekt, den er sich bei den Kollegen erworben hat und untermauert seinen Status als einen der einflussreichsten Mittelfeldspieler der Welt.“

„In dem von Mourinho bevorzugten 4-2-3-1-System stand Sahin vor der Herausforderung, in dieser frühen Phase seiner internationalen Karriere akzeptiert und integriert zu werden, erschwert durch die Neigung Mourinhos, in fast jedem Spiel die stärkste Mannschaft aufzubieten. Doch physisch wie wohl auch psychisch war er nach dem Fehlstart nie in der Lage, seine Ansprüche anzumelden und seinen Wert zu beweisen. Die Umstände hatten sich gegen ihn verschworen, so dass von Sahins Zeit in Madrid nichts als eine flüchtige Erinnerung bleiben wird.“

SAHINS ABSTURZ
Klub
BVB

Madrid

Liverpool
Jahr
2010-11

2011-12

2012-13
Spiele
38

10

12
Tore
8

1

3
Der Sommer brachte dann, wie zu erwarten war, einen Wechsel für Sahin. Interessenten gab es genug, Arsenal und Liverpool fochten am Ende den Kampf um ihn aus.

Der Klub von der Mersey holte ihn schließlich, und Sahin wollte in England einen Neuanfang machen – doch es sollte nicht sein. Trotz vielversprechendem Anfang fand er sich zu schnell weit entfernt vom ersten Team der „Reds“.

Es war vermutlich wieder der falsche Schritt. Nach seinen Erfahrungen in Spanien brauchte Sahin behutsame Begleitung und ein stabiles Umfeld; Liverpool, ein Klub, der in den vergangenen Jahren abgestürzt war, konnte das nicht bieten.

Anfield war nie der richtige Ort für ihn. Bild schrieb, dass er von Brendan Rodgers „betrogen“ worden sei hinsichtlich der Position, auf der er spielen sollte, während Steven Gerrard angeblich eifersüchtig auf ihn gewesen sein soll. Mittelmäßige Spieler wie Jonjo Shelvey wurden Sahin vorgezogen.

David Lynch von Goal.com UK fügt hinzu: „Sahins Doppelpack im Capital One Cup gegen West Brom im September sollte das Signal für die Rückkehr des Mittelfeldmanns zu alter Form sein – und ein Indikator dafür, was für einen Spieler Liverpool da an Land gezogen hatte. Am Ende führten Zweifel an seiner Fähigkeit, sich dem englischen Fußball anzupassen und eine Unsicherheit, auf welcher Position er spielen sollte, zu dem vorzeitigen und enttäuschenden Ende seiner Zeit hier.“

„Sein Talent war bei einigen wenigen Gelegenheiten deutlich zu sehen, doch der falsche Einsatz des 24-Jährigen gepaart mit Spekulationen, dass seine Verpflichtung das Werk vom Ex-Kommunikationschef des Vereins, Jen Chang, gewesen sei, erklärt diese Entwicklung.“

Er hatte letztlich keine andere Wahl, als Liverpool zu verlassen, sobald der Januar da war. Also ging er zurück nach Dortmund, zurück an den Ort, wo er hingehört.

Der BVB und seine „Echte Liebe“-Philosophie werden Nuri Sahin die Nestwärme geben, die er braucht, um seine Karriere wieder in Schuss zu bringen – und dafür sorgen, dass sie nicht zu Ende ist, bevor sie richtig begonnen hat.

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