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Spaniens Nationalverteidiger blickt auf eine großartige Karriere, muss aber an seiner Disziplin arbeiten, um als einer der wahren Großen dieses Spiels in Erinnerung zu bleiben.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward | Spanien-Experte

Es gibt nur wenige bessere Verteidiger als Sergio Ramos. Der Mann aus Sevilla hat sowohl bei Real Madrid als auch in der Seleccion auf zwei verschiedenen Positionen Welt-Niveau erreicht - und ist damit, im Alter von gerade mal 26, eine Seltenheit. Er gehört außerdem zu jener Handvoll Spielern, die bei Spaniens drei Titeltriumphen in den letzten fünf Jahren jedes Mal in der Startelf standen. Und ist außerdem auf bestem Weg, im Santiago Bernabeu zu einer Legende zu werden.

Stark und durchsetzungsstark in der Luft, technisch versiert am Boden, extrem schnell und mit einem guten Tackling gesegnet: Ramos wurde als Außenverteidiger bekannt und erlangte bei den Königlichen Weltklasse, nur um dann 18 Monate später zu zeigen, dass er als Innenverteidiger noch viel besser spielen kann.

Aber er hat ein Problem.

Auch wenn er noch jung ist, hat Ramos mehr rote Karten gesehen als jeder andere Spieler aus der 111-jährigen Geschichte seines Vereins. Der Platzverweis in der Copa del Rey gegen Celta Vigo am Mittwoch war sein 15.! Elf davon kamen durch Gelb-Rot zustande, viermal sah er direkt den roten Karton.

BÖSE BUBEN DES FUSSBALLS
 PEP GUARDIOLA

Keinen Zweikampf scheuend und oft am Lamentieren mit den Schiris: Pep Guardiola flog als Spieler zehn Mal vom Platz, acht Mal bei Barcelona.
 VINNIE JONES

Wurde als Spieler von Wimbledon und Wales zwölf Mal vom Platz gestellt, einmal sogar nach gerade mal zwölf Sekunden.
 ROY KEANE

Die Manchester-United-Legende musste 13 mal runter und beendete die Karriere von City's Alf-Inge Haaland.
 PAOLO MONTERO

Der Uruguayer hält mit 16 den Rekord in der Serie A während seiner Zeit bei Atalanta und Juventus.
 ZINEDINE ZIDANE

Zidane sammelte 14 Rote in seiner aktiven Zeit, 11 für Tätigkeiten, den legendären Kopfstoß aus dem WM-Finale 2006 mit eingeschlossen.
Und der letzte war besonders teuer, weil Ramos nach seinem Platzverweis auch noch Referee Miguel Angel Ayza Gamez mit Kraftausdrücken anging. Ein schlechtes Verhalten, das ihm eine Sperre von fünf Spielen einbrachte.

Über Twitter hat sich Ramos zwar entschuldigt, zeigte sich aber nach wie vor verärgert über seine Sperre und muss sich nun die Zeit nehmen, sein Verhalten zu reflektieren. Denn wegen der Verletzungen von Pepe und Raul Albiol wird das Personal knapp, was bedeutet, dass Jose Mourinho sich womöglich gezwungen sieht, im kommenden Spiel neben Youngster Raphael Varane den eigentlich aussortierten Ricardo Carvalho aufzustellen. Nicht das schlechteste Duo, aber wohl kaum das beste.

Vor allem aber gehört Ramos nicht zur Sorte raubeiniger Innenverteidiger, die Defizite mit schmutzigen Tricks ausbügeln müssen. Seine einzige echte Schwäche ist tatsächlich seine Disziplin. Kommen noch weitere heißblütige Spieler wie Pepe hinzu, wird Reals Verteidigung in engen Spielen zu einer tickenden Zeitbombe.

Das muss sich ändern.

Pepes Momente des Wahnsinns sind gut belegt, aber der portugiesische Nationalspieler hat es diese Saison geschafft, einige unappetitliche Aspekte seines Spiels abzulegen. Nun muss Ramos das gleiche tun.

Auch gegen Barca hat Ramos schon zweimal Rot gesehen, 2010 wegen einem Tritt gegen Messi und letztes Jahr für einen Ellenbogencheck gegen Sergio Busquets. Der Andalusier ist ein robuster Verteidiger, aber diese außergewöhnliche Sammlung von Karten zeigt, dass er noch die Balance finden muss zwischen dem, was hart, und dem, was fair ist.

Manche in Spanien haben Mourinho beschuldigt, gegenüber den Schiedsrichtern eine allzu feindliche Stellung zu beziehen und seine Spieler damit vom Anpfiff weg gegen die Unparteiischen aufzubringen. Aber Ramos ist ein großer Junge und seine Rot-Vergehen reichen zurück bis ins Jahr 2005. Nicht alles kann man seinem Boss in die Schuhe schieben.

Ramos Rote gegen Celta hat Madrid kalt erwischt und Mourinhos Mannen benötigten beim Stand von 3:2 zwei klasse Paraden von Iker Casillas, um im Spiel zu bleiben. Nächstes Mal könnten sie weniger Glück haben.

In 100 Spielen für Spanien ist Ramos hingegen nicht einmal vom Platz geflogen. Vielleicht ist er vorsichtiger und respektvoller, wenn er seine Nation vertritt - dann muss er genau diese Haltung auch auf Klub-Ebene erreichen und verhindern, sein Team im Stich zu lassen.

Auch er selbst kann davon profitieren. Ramos kann als großer Verteidiger dieses Spiels in die Geschichtsbücher eingehen, er hat alles, was man dazu braucht. Es wäre eine Schande, wenn Erinnerungen an mangelhafte Disziplin überwiegen würden.

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