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Baustelle Offensive: Horst Heldt und Jens Keller basteln am neuen Schalke

Nach zähen Wochen und Monaten sind auf Schalke Personalentscheidungen gefallen, die auf den zweiten Blick weit mehr ausdrücken, als man anzunehmen vermag.

Gelsenkirchen/Doha. Mit hängenden Köpfen schlich der FC Schalke 04 kurz vor der Winterpause aus dem DFB-Pokal. Gegen den 1. FSV Mainz 05 flogen die „Königsblauen“ daheim aus dem Wettbewerb. Im Dezember, wie bereits ein Jahr zuvor in Mönchengladbach. Ernüchterung und Tristesse machten sich breit, bei Spielern, Bossen und Anhängern. Denn es war der bisherige Tiefpunkt einer über Wochen andauernden Dynamik, die Horst Heldt nun abzustellen versucht. Mit einem neuen Trainer: Der Manager und Neu-Coach Jens Keller feilen am Schalke der Zukunft, besonderes Augenmerk liegt dabei auf der „Abteilung Attacke“.

Gegenwart und Zukunft

Der FC Schalke 04 legte zwar den besten Saisonstart seit über 40 Jahren hin, am Ende reichte es dennoch nur zu Tabellenplatz sieben der Bundesliga-Hinrunde. Zweifelsohne ist das nicht zufriedenstellend. Das leidige Thema der Vertragsverlängerungen beschäftigte nicht nur die Verantwortlichen und die Spieler, sondern auch die Fans. Das Spiel der „Knappen“ wurde zusätzlich zunehmend statischer, die weitere Punkteausbeute frappierend mager und der eigene Frust immer größer. Nun wurden Baustellen beseitigt, einige Vertragssituationen geklärt und die Weichen für die mittelfristige Zukunft werden gestellt. Dennoch, die Spielergebnisse müssen stimmen.

Sportvorstand Horst Heldt sorgt sich unterdessen kontinuierlich um sein Personal. Durch die feststehenden Abgänge von Spielmacher Lewis Holtby und Christoph Moritz, die nach jetzigem Stand im Sommer ablösefrei den Verein wechseln, wird der Schalker Manager versuchen diese Abwanderungen zu kompensieren. Doch der 43-Jährige hat auch Vertragsgespräche zu einem positiven Ende bringen können: Mit Marco Höger wurde bis 2016 verlängert. Starstürmer Klaas Jan Huntelaar unterschrieb ein neues Arbeitspapier, welches bis 2015 datiert ist. 

Zudem wird in den nächsten Monaten eine weitere Personalie die Verantwortlichen beschäftigen. Der Vertrag von Jermaine Jones läuft noch bis 2014. Der US-Nationalspieler gehört mit kolportierten vier Millionen Euro auf Schalke zu den Topverdienern. Der 31-Jährige sprach im Oktober 2012 bereits davon, dass er seine Europakarriere auf dem Berger Feld 2016 beenden möchte. Danach sieht es im Moment aber weniger aus. Wie Goal.com erfuhr, scheut man sich noch auf Schalke den Vertrag von Jermaine Jones aufgrund finanzieller Gegebenheiten vorzeitig zu verlängern. In den kommenden Gesprächen wird dieses abgeklopft und Vorstellungen werden ausgetauscht.

Ungeachtet dessen soll Benedikt Höwedes noch lange Zeit bei S04 verweilen, die Verhandlungen wurden aber vorerst auf Eis gelegt. Christoph Metzelder wird Schalke 04 nach auslaufendem Vertrag verlassen. Felder, die es noch abzuarbeiten gilt.

Wie wird zum Beispiel das Mittelfeld der Schalker in Zukunft aussehen? Welche Alternativen gibt es dort, und was liegt im Rahmen der Möglichkeiten?


Der wohl wichtigste Akteur im Mittelfeld ist, neben dem starken Jefferson Farfan, Neuzugang Roman Neustädter. An ihm orientiert sich das gesamte Schalker Spiel. Sowohl die Vorwärts- als auch die Rückwärtsbewegung vereinnahmt der technisch versierte deutsche Nationalspieler als Fixpunkt des Schalker Umschaltspiels.

Die Spielmacherposition von Lewis Holtby könnte in naher Zukunft auch ein anderer Protagonist bekleiden, denn noch ist unklar, ob die Nummer 10 auch die Rückrunde auf Schalke bestreiten wird. Es gibt einige Gerüchte, die sich um das Berger Feld breitmachen. Im Besonderen fällt medial immer wieder mal der Name Wesley Sneijder. Der mit vielen Titeln gespickte Spielmacher von Inter Mailand wird höchstwahrscheinlich noch in der laufenden Transferperiode den Verein wechseln. Mit 28 Jahren ist der feine Techniker im besten Fußballeralter. Jüngst wurde bekannt, dass die Mailänder scheinbar auch mit einem ablösefreien Abgang leben können, da sie ihn dringend von der Gehaltsliste bekommen wollen.

Jedoch müsste Sneijder, sollte er wirklich ein Engagement in der deutschen Bundesliga in Betracht ziehen, auf viel Geld verzichten. Was wiederum kaum zu erwarten sein dürfte. Horst Heldt gab in Doha eine Art Dementi ab und sagte angesprochen auf einen möglichen Sneijder-Transfer: „Nein, ich glaube nicht.“

Zuweilen wird der Champions-League-Sieger aus dem Jahre 2010 auch vom FC Anzhi Makhachkala umworben. Dort könnte es ein Wiedersehen mit Samuel Eto'o geben. Und wesentlich mehr Geld zu verdienen als auf Schalke.

Über weitere Namen wird ebenfalls spekuliert, mit dabei sind Ricardo Alvarez (Inter Mailand) und Kevin de Bruyne (FC Chelsea, ausgeliehen an Werder Bremen). Doch Schalke 04 hat auch andere Möglichkeiten, die in den Überlegungen von Horst Heldt eine Rolle spielen dürften.

Afellay und Draxler

Mit Ibrahim Afellay verstärkten sich die Königsblauen Ende August 2012. Der Niederländer kam auf Leihbasis vom FC Barcelona. Hier versucht man den Landsmann von Stürmer Klaas Jan Huntelaar an den Verein zu binden. Doch der 26-Jährige hat in der jüngeren Vergangenheit bekräftigt, dass er in erster Linie das Ziel hat, zu den Katalanen zurückzukehren, um sich dort im zweiten Anlauf durchzusetzen. Der Außenstürmer hat auf Schalke allerdings mit anhaltenden muskulären Problemen zu kämpfen. Zurzeit laboriert Afellay an einem Einriss am Muskelsehnenübergang im rechten Oberschenkel und fällt für zwei Monate aus. Der Revierklub bringt dies mit einer falschen oder fehlenden Erstversorgung des niederländischen Verbandes in Zusammenhang. Sollte der FC Barcelona nicht mehr mit Afellay planen, dann wird Schalke 04 große Chancen haben ihr Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Er ist ein potenzieller Kandidat für die Zehnerposition, sollte er auf lange Sicht gesund bleiben.

Aus dem eigenen Spielerfundus stünden auch noch Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi bereit. Beide Spieler hatten jeweils eine durchwachsende bis schlechte Hinrunde, wobei der Schweizer hier und da auf sich aufmerksam machte, was man vom Nigerianer Obasi nicht behaupten kann. Ob die beiden zu einer erfolgreichen Rückrunde beitragen können, bleibt abzuwarten. Für die Spielmacherposition sind beide ungeeignet.

Eine weitere Frage, die sich in diesem komplexen Thema stellen wird, ist: Trauen Heldt, Keller und Co dem Juwel Julian Draxler die zentrale Rolle schon zu? Zu Saisonbeginn entschied sich Ex-Coach Huub Stevens, Lewis Holtby das Vertrauen auszusprechen. Der junge Draxler wich daraufhin auf die linke Außenbahn aus. Wird er im kommenden Sommer weit genug sein, diese Verantwortung zu übernehmen oder bevorzugt man externen Zuwachs?

Ein Spieler, der nicht nur auf Schalke immer bekannter wird, ist Maximilian Meyer. Der hochbegabte 17-jährige Junioren-Nationalspieler durfte erstmalig mit den Profis ins Trainingslager nach Katar. In diesem Fall gibt es gewisse Parallelen zu dem eben angesprochenen Julian Draxler, welcher im Wintertrainingslager 2011 (damals noch unter Felix Magath) den Sprung in den Profikader schaffte. Meyer wird ein ähnlicher Weg zugetraut.

Fehlende Alternativen im Sturm?

Auch an der vordersten Front gibt es eine Schwerpunktlage. Mit Klaas Jan Huntelaar hat der FC Schalke 04 einen der besten Strafraumstürmer Europas. Gleichwertige Alternativen sind in Ciprian Marica und Teemu Pukki bis dato kaum zu erkennen. Im Falle des Rumänen gibt es derzeit keine Anzeichen, die auf eine Vertragsverlängerung hindeuten, somit würde das Arbeitsverhältnis im Sommer ein Ende finden. Teemu Pukki hat einen Vertrag bis 2014. Beide Stürmer könnten davon profitieren, dass Jens Keller mit zwei Spielsystemen plant.

Nicht außer Acht lassen darf man den an den SC Paderborn ausgeliehenen Stoßstürmer Philipp Hofmann. Der 19-Jährige stand ganze elf Mal in der Startformation und imponiert bei den Ostwestfalen mit guten Leistungen. Seine Rückkehr ins Ruhrgebiet steht bereits fest.

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All eyes on Keller

Mit Jens Keller versucht der FC Schalke den Negativtrend zu stoppen und sich für die schwere Rückrunde zu wappnen. Das Erreichen der Champions-League-Plätze hat oberste Priorität und soll Manager Horst Heldt den nötigen finanziellen Spielraum schaffen. In erster Linie feilt Keller an den taktischen Ausrichtungen. Schalke 04 soll schneller, variabler und taktisch versierter agieren. Der 42-Jährige hat eine klare Philosophie und will sie bestimmend den Spielern vermitteln.

SO GEHT ES WEITER
Schalkes anstehende Aufgaben
19.01. Hannover 96 (H)
26.01. FC Augsburg (A)
02.02. Greuther Fürth (H)
09.02. FC Bayern (A)
13.02. Galatasaray (A)
16.02. FSV Mainz 05 (A)

Auch das Abwehrverhalten soll verbessert werden, daran arbeitete man bereits in Katar. Der gebürtige Stuttgarter versucht die Spielweise und das taktische Verhalten akribisch weiterzuentwickeln. Am Ende stehen dann die nackten Ergebnisse und dessen Auswirkungen. Ob positiv oder negativ, diese werden die Gegenwart und Zukunft des FC Schalke mitentscheiden.

EURE MEINUNG: Wie wird sich der FC Schalke 04 in der Rückrunde aufstellen? Welche Veränderungen wird es wohl geben?

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