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Klub-Ikone Casillas fallen gelassen: Jose Mourinho besiegelt sein Schicksal bei Real Madrid

Schon die ganze Saison über führt der Portugiese Scharmützel mit seinen Feinden, um einen sicheren Weg aus dem Verein zu finden. Sein jüngster Schritt aber ging zu weit.

KOMMENTAR
Von Inaki Angulo und Sam Lee

Indem er Iker Casillas, die Klub-Ikone und den Kapitän fallen ließ, hat Jose Mourinho seinen Feinden in der Umkleidekabine des Vereins die Stirn geboten, keine Frage. Monate des internen Krieges, der Grabenkämpfe und der Verdeckung sprangen der Öffentlichkeit ins Auge, als der Portugiese ein Exempel an jenem Mann statuierte, den man getrost als Mr. Madrid bezeichnen könnte. Den Keeper auf die Bank zu beordern, war die jüngste und stärkste Maßnahme Mourinhos und wohl Teil einer wohl überdachten Strategie, seinen Abschied zu besiegeln.

Seit dem Saisonbeginn arbeitet der Trainer an einem Weg in die Freiheit, für den Fall, dass es in Madrid unangenehm wird. Und unangenehm ist es nun geworden. Nach einigen trostlosen Resultaten, welche die Königlichen mit 13 Punkten hinter Barcelona stehen lassen, haben sich die Fans schnell gegen Mourinho gewand. Als er sich vor dem entscheidenden Derby gegen Atletico Madrid der feindlichen Atmosphäre durch die Menge ausgesetzt sah, muss Mourinho realisiert haben, dass es kein Zurück gibt.

Seit er nach der Niederlage gegen Sevilla im September erklärte, er habe "kein Team", hat er seine Reputation zunehmend mit kontoversen Stellungnahmen in den Medien beschädigt - selbst für seine Verhältnisse in einem neuen Maßstab. Durch die kontinuierliche Kritik an den Spielern, der Cantera oder dem Verein selbst hat er mittlerweile so ziemlich jeden aus dem Umfeld des Santiago Bernabeus gegen sich aufgebracht.

Das hat dazu geführt, dass die Führungsetage schon seit einiger Zeit den Verdacht hegt, Mourinho wolle sich als Opfer darstellen und so einen ehrwürdigen Abschied inszenieren. Bei jedem Fan seiner früheren Vereine steht The Special One in hohem Ansehen, und er selbst hätte das natürlich auch gerne in der spanischen Hauptstadt. In der Klub-Hierarchie hat sich aber herum gesprochen, dass er den Verein auf jeden Fall verlassen und dabei mangelnde Unterstützung von Oben als Grund vorschieben will.


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Marca, die Madrid nahe stehende Zeitung, geht ihm nun an die Kehle. Einen unpopulären Trainer zu attackieren, fiel dem Blatt nie schwer. Mourinho, den die Klub-Fans im Januar 2010 nie wirklich wollten, wurde zum Top-Kandidaten, als er as Inter-Trainer das Champions League-Aus des FC Barcelona verschuldete. Damals war Manuel Pellegrini der Leidtragende einer respektlosen Presse-Kampagne, die ihn verdrängen sollte.

Nun steht Mourinho selbst in der Schusslinie. Auch die Spieler machen Mourinho das Leben schwer, der sie seinerseits seit seiner gesamten Zeit bei Real als unloyal betrachtet. Zuletzt war Mou besessen davon, herauszufinden, welcher Maulwurf interne Story nach außen getragen hat - etwas, was ihm bei keinem seiner vorherigen Vereine wiederfuhr. Nur: Es gibt einige Lecks.
Was alles falsch lief
Mourinho hat definitiv die Kontrolle verloren. Der Trainer hat in den letzten Wochen einige streitbare Entscheidungen getroffen - dass er Casillas gegen Malaga draußen ließ, hat das Faß zum Überlaufen gebracht. Auf der Pressekonferenz verkaufte er seinen Schritt als sportliche Maßnahme, weil antonio Adan gerade besser sei als Casillas. Das ist schswer zu glauben. Vielmehr sieht es wie eine Herausforderung an den Keeper, das Team und den Klub aus.

Es ist bekannt, dass Mourinho und Casillas nicht das beste Verhältnis pflegen, wobei der Coach gerne auf seine Autorität verweist. Nun hat der Portugiese den Bogen überspannt. Vielleicht zielt er bewusst darauf ab, Madrid zu verlassen. In dem Wissen, dass der Gewinn der Liga dank Barcas 16-Punkte-Vorsprung nur noch ein Traum ist.

Alberto Pinero | Real Madrid Korrespondent

Die Marca hat nun Umfragen gestartet, in denen sie die Leser schon nach Mourinhos Nachfolger fragt. Es ist dasselbe Spiel wie mit Pellegrini vor zwei Jahren. Diesen Samstag hat Mourinho seinen Feinden, wie schon letzte Woche, seinen Feinden klar die stirn geboten. Nach einer Pressekonferenz rief er den Journalisten Anton Meana in einen Hinterraum und putzte diesen runter - „Wir sind im Fußball die besten, im Journalismus aber, bist du sch...“. Zweck: Der Mann sollte seine Quelle Preis geben. Am nächsten Tag veröffentlichten Meanas Arbeitgeber die Geschichte in allen ihren Details.

Viele haben sich anschließend nach seiner Urteilsfähigkeit gefragt - er musste doch wissen, dass die Geschichte öffentlich wird. Wollte er einfach, dass die Leute wissen, er habe „drei faule Äpfel“ in seiner Umkleidekabine?

Nun aber hat er den Krieg wahr und wahrhaftig ausgerufen. Jedem ein klares Signal gesendet. Mourinho hält Casillas, den er als Liebling der Presse sieht, schon länger für untreu. Und er schätzte es überhaupt nicht, als sich die spanische Nummer eins weigerte, nach Spielen den Unparteiischen zu kritisieren, eine von Mourinhos liebsten Ablenkungstaktiken. Auch die Freundschaft zu vielen Barcelona-Spielern dürfte nicht gerade seine Wertschätzung genießen. Bis jetzt hat Mourinho das alles geschluckt. Aber nicht mehr länger.

Darüber kann kein Zweifel bestehen. Das Team ist gespalten und die Situation kann nur noch gerettet werden, wenn der Trainer aus der Gleichung verschwindet. Mourniho wird unbedingt auf einen Schuldigen zeigen wollen, wenn er Madrid verlässt. Glauben werden es ihm nicht mehr viele.

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