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Die Debatte um das neue Sicherheitskonzept beschäftigt seit Wochen die Klubs und die Fans. Goal.com präsentiert euch, wie es mit der Sicherheit in Europas Stadien aussieht.

Berlin. Seit Wochen herrscht in Deutschland eine Debatte um die Sicherheit und Stimmung in den Stadien. Heute sollen Vertreter der 1. und 2. Bundesliga in Frankfurt über ein neues Sicherheitskonzept abstimmen. Goal.com schaut vorab, wie strikt die Regeln für die Fans in anderen europäischen Ligen aussehen.

Ohne Stehplätze

In England gibt es seit der Hillsborough-Katastrophe, die sich vor 13 Jahren ereignete, für die Fans in den oberen vier Ligen sehr strikte Regeln. Stehplätze wurden in allen Stadien durch Sitzplätze ersetzt, wobei vor allem die Auswärtsfans in ihren Blöcken weiterhin die meiste Zeit das Spiel im Stehen verfolgen können. Eine erhöhte Präsenz der Stewards soll zusätzlich dabei helfen, die Fans schnell und problemlos zum gewünschten Ziel innerhalb des Stadions zu führen.

An Spieltagen ist lediglich bei den Risikospielen ein äußerst hoher Anteil von Polizisten in der Stadt und rund um das Stadion zu erkennen. Eine solche Ultra-Szene, wie sie beispielsweise in Deutschland vorzufinden ist, gibt es auf der Insel nicht: Die Klub-Anhänger sind überwiegend am Spiel ihrer Teams interessiert und demnach gibt es keine Probleme mit der Pyro-Technik, aber dafür ein großes Problem mit der Stimmung auf den Rängen, die von Jahr zu Jahr schlechter wird. Die Engländer sind dafür bekannt, dass sie wenige Minuten vor Spielbeginn ins Stadion eintreffen - die Kontrollen am Eingang sind in der Premier League äußerst schnell und unproblematisch.

Nur mit Ausweis

Der Calcio wurde in Italien in erster Linie während der Derby-Spiele in Rom, Mailand oder Genua in den Schatten gezogen, als Hooligans erst innerhalb des Stadions und später im Stadtzentrum für Auseinandersetzungen sorgten. Die Sicherheitskomission bestimmt, welche Spiele ein besonderes Risiko mit sich bringen und erlaubt dann nur den Fans mit einem Wohnsitz in bestimmten Gebieten, ein Ticket zu kaufen. Die personalisierten Karten sollen dafür sorgen, dass die Hooligans aus den Stadien verbannt werden. Die italienischen Fans gelten als sehr leidenschaftlich und impulsiv. Es gibt kein Derby della Capitale zwischen Lazio und der Roma, ohne dass dabei bengalische Feuer oder Rauchbomben gezündet werden. Im Extremfall haben die Polizeichefs die Möglichkeit, ohne Rücksprache mit dem Schiedsrichter eine Partie zu unter- oder gar abzubrechen.



Pyrotechnik als Tradition

Ein Jahr vor der Europameisterschaft 2012 kam es in Polen beim Pokalfinale zwischen Legia Warschau und Lech Posen zu massiven Ausschreitungen. Die Folge: Premierminister Donald Tusk entschied sich dafür, die Stadien in Posen und Warschau für einige Spiele zu schließen und die Ligaspiele ohne Zuschauer auszutragen. Zudem wurde ein neues Gesetz verabschiedet, welches die Sicherheit bei Massenveranstaltungen garantieren solle: Erhöhte Anzahl der Kameras, größere Polizeipräsenz, einige geschlossene Auswärtsblocks und ein Verbot gegen die in Polen als Tradition geltende Pyrotechnik. Ähnlich wie in Italien ist es in Polen nur dann möglich, ein Ticket oder eine Dauerkarte zu erwerben, wenn man seinen Personalausweis vorzeigt. Die Fans protestierten im Vorfeld der EM gegen die neuen Regeln und taten dies auch noch während der diesjährigen Hinrunde. Die Kluft zwischen den Klub-Ultras und den Klub-Vorsitzenden ist enorm groß. Man kann beobachten, wie die Ultras Spiele einfach boykottieren und die Begegnungen in einer friedhofsähnlichen Atmosphäre stattfinden.

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Wenige Auswärtsfans

Die Spanier wollen das Spiel ihrer Teams genießen und darüber diskutieren. Auf der Iberischen Halbinsel wird es nur bei den hitzigen Spielen, wie zum Beispiel beim El Clasico oder dem andalusischen Derby laut und bunt. Bei den meisten Primera-Division-Spielen ist es dagegen ruhig und meist finden die Duelle auch ohne Gästefans statt, die nur in vereinzelten Fällen ihr Team in der Ferne unterstützen. Das Land des aktuellen Welt- und Europameisters muss sich keine Gedanken um Auseinandersetzungen in den Stadien machen.

Anders sieht es indes in Frankreich aus, vor allem wenn es zum Duell zwischen Paris Saint-Germain und dem Traditionsklub Olympique Marseille kommt: Nach wiederholten Ausschreitungen wurde das Spiel zwischen den beiden Klub lange ohne Gäste-Fans ausgetragen. Zusätzlich entwickelte das Innenministerium gemeinsam mit den Klubs aus der Ligue Un eine Anti-Gewalt-Kampagne.

EURE MEINUNG:  Europa - in welchen Ländern würdet Ihr Euch in den Stadien unsicher fühlen?


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