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In Stuttgart und auf Schalke gärt es unter der Oberfläche. Grund genug für uns, vor dem direkten Duell der beiden Klubs die Fans Tacheles reden zu lassen!

Stuttgart/Gelsenkirchen. Am Samstag treffen in der Mercedes-Benz-Arena der VfB Stuttgart und der FC Schalke aufeinander. Zwei Mannschaften, die in der Tabelle derzeit durch drei Punkte getrennt werden und die sportlich eigentlich im Soll liegen. Dennoch, es rumort bei beiden Klubs, die Fans sind zum Jahreswechsel unruhig.

Bei den Schalkern sind es vor allem die letzten Woche, die bei vielen Fans die Alarmglocken schrillen lassen: Nur eines der letzten sechs Pflichtspiele gewannen die „Knappen“, in der Bundesliga blieben sie gar vier Partien in Serie ohne Sieg. Zwischen Huub Stevens und Teilen des Teams gärt es, wie Goal.com vor wenigen Wochen berichtete. Außerdem entlädt sich die Unzufriedenheit des Anhangs bisweilen wieder in Pfiffen gegen die eigenen Spieler.

Das VfB-Problem in der Hinrunde war die mangelnde Konstanz. Starke Auftritte wie gegen den HSV, Eintracht Frankfurt oder Meister Borussia Dortmund wechselten sich mit deftigen Pleiten in München, Freiburg oder Hoffenheim ab. Trainer Bruno Labbadia muss sich immer wieder rechtfertigen, unter anderem wird er kritisiert, weil er angeblich die aufstrebenden Nachwuchskräfte zu zögerlich integriert.

Wir haben uns in beiden Fanlagern zur aktuellen Situation umgehört.

STUTTGART
VS
Schalke


1. These: „Horst Heldt gehört zu den Top-Managern der Bundesliga!“

Philipp Maisel: „Er ist sicherlich einer der besseren, wenn man die Punkte öffentliches Auftreten, rhetorische Fähigkeiten, Cleverness und Schlagfertigkeit bewertet. Er repräsentiert seinen derzeitigen Arbeitgeber schon sehr ordentlich. Was seine eigentliche Kernkompetenz angeht - das Verpflichten von Spielern, das Auge für einen guten Transfer und die Trefferquote hierfür - da bin ich nicht so von ihm überzeugt. Er hat in Stuttgart fast konsequent danebengegriffen (Bastürk, Marica, Pogrebnyak), auf Schalke ist das zwar etwas besser geworden, dennoch glaube ich nicht, dass Heldt bei einem eher finanzschwachen Verein funktionieren würde. Da muss man mehr können als nur einen guten Eindruck zu hinterlassen.“ Martin Tilschner: „Ja, denn Horst Heldt hat mit ganz wenig Geld erneut gezeigt, dass man jede Menge erfolgreiche Mannschaften bauen kann. Afellay, Barnetta & Neustädter sind bestimmt keine Spieler, die keinen anderen Verein als Schalke gefunden hätten. Ich denke, da hat Heldt eine großartige Mannschaft zusammengebaut. Manche Vereine investieren Jahr für Jahr mehrere Millionen und haben nicht mal im Ansatz die Ergebnisse wie wir.“
Vincenzo Tino: „Die Berater von B. Lauth, A. da Silva, A. Farnerud, S. Radu, C. Marica, Y. Bastürk, Ewerthon, Gledson, R. Schäfer, Elson, J. Simak, P. Progrebnyak und S. Celozzi finden schon, dass Horst Heldt ein Top Manager ist.“ Gerrit Poulsen: „Horst Heldt gehört für mich zu den Top-Managern der Liga, da er unseren Kader erheblich verringert hat. Des Weiteren hat er auch in diesem Jahr beim Einkaufen von Spielern einen guten Griff mit Roman Neustädter getätigt.“
Daniel Somfleth: „Das muss er erstmal beweisen. Als ihm von seinem Arbeitgeber noch finanzielle Grenzen gesetzt waren, gehörte er jedenfalls nur zu den Managern. Aber vielleicht kann man ihm ja irgendwann Top- davor stellen.“ Uwe Klöckner: „Von einem Top-Manager ist zu erwarten, dass er lediglich Transfers tätigt, die die Mannschaft nach vorne bringen. Chinedu Obasi wurde für viel Geld gekauft, obwohl er noch eine Verletzung mit sich trägt. Ciprian Marica ist maximal zweitligareif und völlig unnötig. Teemu Pukki war eine Schnellschussverpflichtung ohne Plan, für den scheint der Trainer keine Verwendung zu haben.“

2. These: „Der Vertrag mit unserem Trainer darf nicht verlängert werden!“

Philipp Maisel: „Der Zug ist abgefahren, wenn man die zuletzt getätigten Aussagen der Verantwortlichen für bare Münze nehmen darf. Labbadia wird wohl im Wintertrainingslader in Belek verlängern. Er hat es zwei Jahre hier überlebt, das haben vor ihm nicht allzu viele geschafft. Und auch wenn ich persönlich (wie viele andere auch) nicht mit ihm warm werde, es gibt kaum gute Alternativen. Insofern werden wir einfach mal schauen, was die Zukunft bringt... “ Florian Paul: „Mit Stevens sollte nicht verlängert werden, da die Euphorie über sein Erscheinen aufgebraucht ist und kein klares System im Schalker Spiel erkennbar ist.“
Tino Vincenzo: „Was für diese These spricht: A) Er definiert den „Stuttgarter Weg“ anders als die Fans. Junge Spieler bekommen keine richtige Chance, selbst bei einer deutlichen Führung bringt er die „jungen Wilden“ nicht. Aber vielleicht verlängert Bobic gerade deswegen den Vertrag mit Labaddia. B) Wir spielen keinen schönen Fußball. Ich finde, das ist ein guter Grund für eine Trennung. Gegen diese These spricht: Punktetechnisch eine gute Hinrunde, das Weiterkommen in der EL und vielleicht sind wir nach dem 19.12 noch im DFB-Pokal. Normalerweise reicht das für eine Vertragsverlängerung.“ Kevin Bäumer: „Nicht verlängern! Huub in allen Ehren, aber man merkt doch, dass es ihm keinen Spaß mehr macht. Er passt nicht mehr in den heutigen Fußball. Junges innovatives Blut wird gebraucht. Die Mannschaft entwickelt sich nicht so wie erwartet und wir sind zu defensiv. Nachdem wir die ein oder andere Führung vertändelt haben, wurde zu defensiv eingestellt.“
Daniel Somfleth: „Mein Reden! Bruno Labbadia mag ein passabler Trainer sein – er passt jedoch nicht zum Verein, zur Mannschaft und zur kommunizierten Philosophie. Die „jungen Wilden“ sollten einen Trainer haben, der mit dem Nachwuchs arbeiten will und kann. Der trotz ausbleibender Transfers das vorhandene Potential nutzt. Hier sehe ich aber keinerlei Entwicklung und damit auch keine fußballerische Perspektive.“ Julia Matt: „Ob der Vertrag verlängert werden sollte, kann ich schwer sagen, da niemand genau sagen kann, wie es intern läuft...“

3. These: „Unser Trainer erreicht die Spieler nicht mehr!“

Philipp Maisel: „Doch, das tut er. Ohne exklusive Innenansicht zu haben, meine ich, erkennen zu können, dass das Verhältnis von Trainerteam zur Mannschaft und umgekehrt intakt ist. “ Thomas Brecht: „Ich finde, dass Huub abgebaut hat. Im Spiel greift er so gut wie nie ein. Und wenn er das mal macht, dann sieht man keine Veränderung. Er kann die Jungs nicht mehr richtig motivieren, das sieht man doch ganz deutlich.“
Vincenzo Tino: „Vielleicht sollte Bruno den Telefonanbieter wechseln. “ Peter Janßen: „Totaler Quatsch! Die Spieler sollen sich mal den Arsch aufreißen. Immer ist der Trainer schuld. Die werden hoch bezahlt, dann sollen sie auch das tun, was der Trainer sagt. Huub ist ein guter Trainer.“
Daniel Somfleth: „Am ehesten könnte diese These auf Teile der Amateure zutreffen, die seit einiger Zeit einen Profivertrag besitzen, aber von einem Einsatz in der Lizenzmannschaft nur träumen können. Wahrscheinlich erreicht der Trainer die Spieler schon. Die Frage ist nur, ob er dabei auch das Richtige sagt.“ Klaus-Dieter Volkmann: „Huub ist nicht mehr der von früher. Der Fußball hat sich geändert. Auch die Spielertypen haben sich geändert. Da muss man anders sein als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Damit kommt Huub einfach nicht mehr zurecht. Seine Taktik ist veraltet und es ist Zeit zu gehen.“

4. These: „Liegt unsere Mannschaft zurück oder fängt an zu wackeln, kann unser Trainer nicht entgegenwirken!“

Phillip Maisel: „War in der Vorrunde mehrfach zu sehen, ja. Zum Beispiel in München (1:6), gegen Hannover (2:4) und besonders eklatant in Freiburg. Obwohl nach dem 0:1 noch ungefähr 60 Minuten auf der Uhr waren, hat Labbadia einfach nur zugesehen, wie wir in der zweiten Halbzeit ins Verderben rennen. Impulse vom Trainer? Fehlanzeige. Insofern vermag ich diese Aussage nicht zu widerlegen.“ Jan Reimers: „Huub Stevens wechselt doch immer viel zu spät. Und wenn, dann bringen die Spieler auch nicht wirklich Besserung in das Spiel rein. Manchmal hab ich das Gefühl, das er gar nicht auf den Gegner achtet und sieht, was der macht. Unsere Jungs wirkten gegen Leverkusen als hätten die null Plan vom Fußballspielen.“
Vincenzo Tino: „Stimmt.“ Dirk Klinkmann: „Gibt es das überhaupt noch? Die Spieler hören doch heutzutage eh nicht mehr zu und meinen alle, dass sie Alleskönner sind. Da kannst du hinstellen, wen du willst. Die haben auf Durchzug geschaltet und kochen ihr eigenes Süppchen. Als Trainer kannst du da nicht viel machen.“
Daniel Somfleth: „Auch dieser These kann ich uneingeschränkt zustimmen. Taktische Veränderungen, situative Wechsel, Risikobereitschaft – meistens Fehlanzeige. Stattdessen die immer gleichen, unkreativen Reaktionen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Mannschaft seine Vorgaben in diesen Situationen einfach nicht umsetzt. Das wäre dann These 4, was wiederum für These 2 sprechen würde.“ Sascha Kron: „Das beste Beispiel ist doch die Zeitbombe aus der verbotenen Stadt. Der kann die Spieler wenigstens motivieren und stellt auch mal während eines Spiels um und gibt taktische Anweisungen. Stevens steht da nur und meckert.“

5. These: „Die Stimmung bei uns ist im Moment nicht so schlecht, wie sie gemacht wird!“

Phillip Maisel: „Stimmung? Welche Stimmung? Okay, Spaß beiseite. Wir haben eine ganz passable Vorrunde gespielt, sind wahrscheinlich nächstes Jahr noch in allen drei Wettbewerben ganz gut dabei. Die Anhängerschaft ist daher verhältnismäßig ruhig und mit der sportlichen Situation ganz zufrieden. daran ändern auch Gesänge wie "Stuttgart international kann man nur besoffen sehen" nichts. Generell könnte man über das Thema "Wie geht der VfB mit der EL um" abendfüllend diskutieren. Da werden seit Jahren Riesenböcke fabriziert, der geringe Zuschauerzuspruch ist daher nicht verwunderlich. Aber das will ich hier eigentlich ausklammern. Jetzt retten wir uns erst mal mit einem Sieg gegen Schalke, einem Remis in Mainz und dem Pokalsieg gegen Köln in die Winterpause. Wenn Labbadia dann noch den Mut aufbringt, mehr junge Spieler einzusetzen und die Truppe weiter Kontakt zur Spitzengruppe in der Liga hält, wird die Stimmung sich auf einem guten Level einpendeln. Und schließlich heißt es ja im Ländle nicht umsonst: „Ned gmotzt isch gnug globt“ (Übersetzung: Nicht gemeckert ist gelobt genug).“ Marius Lübker: „Doch! Momentan ist die Stimmung grauenvoll. Es ist kein direktes Pfeifen, aber bei jedem Fehlpass geht ein Raunen durchs Stadion. Das kann die Spieler nur verunsichern. Fakt ist: Die wahren Fans kriegen Stadionverbot und die Event-Fans bleiben drin!“
Vincenzo Tino: „Kann ich nicht beurteilen, dafür bin ich zu selten im Stadion und auch sonst zu weit weg vom Geschehen. Aber prinzipell gilt in Schwaben der Spruch: "Net gschumpfa isch gnug globt.“ Darwin Könnecke: „Durch das Theater mit den Vertragsverlängerungen von Klaas-Jan Huntelaar und Lewis Holtby ist die Stimmung schlecht. Hinzu kommt, dass Schalke in den letzten Spielen nicht gewinnen kann. Die Fans sind zu Recht unzufrieden!“
Daniel Somfleth: „Die Stimmung ist ambivalent. Einige freuen sich darüber, was unterm Strich rauskommt. Viele ärgern sich über teilweise miserablen Fußball (wenn auch
mit unterschiedlichen Begründungen). Anderen ist alles egal mittlerweile. Auch irgendwie ein Zeichen.“
Maik Weiske: „Zur Stimmung fällt mir auf, dass schon eine gewisse Art Nervosität in der Mannschaft steckt. Der Vertragspoker um Lewis Holtby und Klaas-Jan Huntelaar zieht sich schon zu lange hin. Das spiegelt sich in der Stimmung der Mannschaft, wie auch der Fans, wider. Ich hoffe, dass sich alles in der Winterpause klärt, und unsere Jungs eine gute Rückrunde hinlegen.“

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