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Als Stürmer war er Extraklasse und auch als Coach entwickelt er sich zum Topmann: Ole Gunnar Solskjaer empfiehlt sich als Trainer von Stuttgart-Gegner Molde FK für höhere Aufgaben.

Berlin. Es gibt Fußball-Spieler, die bleiben Fans rund um den Globus wegen einer einzigen Aktion ewig in Erinnerung: Bei Stefan Effenberg war es der Stinkefinger, bei Diego Maradona die „Hand Gottes“, Eric Cantona streckte einen Fan per Kung-Fu-Tritt nieder und Roberto Carlos versenkte auf unverschämte und vor allem unmögliche Art und Weise einen Freistoß im Kasten von Fabien Barthez. Ein Ex-Profi, der sich ebenfalls in die Erinnerungen der Fans eingebrannt hat, gastiert am Donnerstagabend in Stuttgart: Die Rede ist von Ole Gunnar Solskjaer. Der Mann, der die Bayern im Champions-League-Endspiel vor 13 Jahren wenige Sekunden vor dem Ende erlegte.

Solskjaer hat mittlerweile die Rollen gewechselt. Aus dem gefürchteten Stürmer, der lange Zeit als bester Joker der Welt galt, ist ein Trainer geworden. Ein erfolgreicher Coach, dem viele Fachleute eine große Zukunft voraussagen. Molde FK ist seine erste Trainerstation und Solskjaer machte seinen Klub auf Anhieb zum (Doppel-)Meister. Nun geht es in der Europa League gegen den VfB und wir haben Sonja Riegel, eine Expertin für den norwegischen Fußball, um ihre Meinung zum einstigen „Killer mit dem Babyface“ gebeten.

„Er ist natürlich ein Fußballheld in Norwegen. Er hat es in England bei ManUnited zur Legende geschafft, vor allem durch sein Tor im Champions-League-Finale gegen die Bayern 1999. Und die Premier League genießt in Norwegen hohes Ansehen. Jetzt hat sich Solskjaer natürlich noch mehr Respekt verschafft, weil er Molde – vorher noch ohne Meistertitel – gleich zweimal hintereinander an die Spitze gebracht hat. Vor einer Woche wurde er als Erster in die norwegische „Hall Of Fame“ aufgenommen. Zudem wurde er zum 'Trainer des Jahres' gewählt“, erzählt Riegel.
ÜBER DEN UMGANG MIT SEINEN SPIELERN


„Man will das Beste für seine Spieler, muss sie aber auch manchmal anschreien, wenn sie zu sehr aus der Reihe tanzen.“

- Ole Gunnar Solskjaer

Für Solskjaer war Molde eine Herzensangelegenheit. Bei diesem Klub schaffte er Mitte der 1990er Jahre den Durchbruch als Profi und als der Verein ihn rief, trat er dort 2010 seinen ersten Job als Cheftrainer an. Seine ersten Sporen auf der Trainerbank hatte er sich als Coach der United-Reserve verdient.

In Molde setzt er konsequent auf junge Spieler. „Es fällt besonders auf, dass die Mannschaft sehr spielstark ist. Den Norwegern wird ja noch immer ihr Kick-and-Rush aus den 90ern vorgeworfen, davon ist bei Molde aber nichts zu sehen. Der Ball wird spielerisch nach vorne getragen, anstatt einfach vorgedroschen“, sagt Sonja Riegel über die Philosophie des 40-Jährigen.

„Er hat viele junge norwegische Spieler im Team, von denen einige Nationalspieler geworden sind (Vegard Forren, Magnus Wolff Eikrem) oder auf dem Sprung sind, teilweise noch U21 spielen (Jo Inge Berget). Dennoch hat er meines Wissens nach eingeführt, dass die meiste Zeit untereinander Englisch geredet wird. Inzwischen scheint Molde tatsächlich eine interessante Adresse für junge norwegische Spieler geworden zu sein“, so Riegel weiter.

Jüngstes Beispiel: Molde hat Örjan Nyland von Hödd verpflichtet, einen 22-jährigen Torhüter, der im norwegischen Pokalfinale groß aufgetrumpft hat und als kommender Nationaltorhüter gehandelt wird. Angeblich hat er Angebote von Everton und Wigan ausgeschlagen und ist stattdessen nach Molde gegangen.

Seine Klasse als Trainer hat Solskjaer also mindestens schonmal angedeutet. Wirklich überraschend kommt das nicht, schließlich verbrachte der 39-Jährige einen Großteil seiner aktiven Laufbahn unter den Fittichen von Sir Alex Ferguson. Solskjaer verkündete bei seinem Amtsantritt, er wolle aus Molde ein „Mini-United“ machen. Riegel erzählt, dass er ähnliche Prinzipien habe wie „Red-Devils“-Legende Ferguson: „Nach außen wirkt er immer sehr sachlich, fiebert bei Spielen an der Seitenlinie aber auch ab und an sehr emotional mit. Laut Torwart-Trainer Richard Hartis hat er in der Kabine aber auch den 'Hairdryer' drauf.“

Er legt viel Wert auf Disziplin, seine Mannschaft gewann neben dem Titel 2012 auch die Fairplay-Wertung in der Tippligaen. Zudem erklärte er einst, man müsse seine Spieler wie seine Kinder behandeln: „Man will das Beste für sie, muss sie aber auch manchmal anschreien, wenn sie zu sehr aus der Reihe tanzen.“ Auf der anderen Seite hat Solskjaer auch Zuckerbrot im Repertoire: Unlängst wurde der Strafenkatalog seiner Mannschaft teilweise auf Twitter veröffentlich. Wer einen Monat lang ohne Strafe bleibt, muss 100 Kronen (knapp 15 Euro) Strafe zahlen...

Was also kommt nach Molde? Der Weg nach England scheint vorgezeichnet. Wer weiß, vielleicht wird er irgendwann auch wieder bei Manchester United in Amt und Würden sein. Sonja Riegel hält das nicht für ausgeschlossen: „Die Premier League ist bestimmt sein Ziel und in Norwegen geht man auch davon aus, dass er dort eines Tages als Trainer landen wird. United wäre sicher ein Traum, aber dennoch nicht unrealistisch – Alex Ferguson wird den Job ja auch nicht mehr ewig machen.“


„Ich bin nicht so naiv zu sagen, dass ich den Job machen kann, aber man sollte immer große Träume und hohe Ziele im Leben haben.“


- OGS vor vier Wochen über den United-Job

Und weiter: „Ole Gunnar Solskjaer ist in seiner jungen Trainerkarriere schon sehr erfolgreich gewesen und in Manchester wird er noch immer vergöttert. Also warum nicht? Zumal er das Nachwuchs-Team ja auch schon trainiert hat.“ Seine Chancen stünden nicht schlecht, sich als Trainer des englischen Rekordmeisters erneut mit mindestens einer Heldentat in die Gedächtnisse der Fußball-Fans einzubrennen.

Sonja Riegel ist 26 Jahre alt, arbeitet als freie Diplom-Online-Journalistin. Sie verliebte sich in den norwegischen Fußball, als Jan-Aage Fjörtoft zu ihrem Lieblingsklub Eintracht Frankfurt wechselte. Mehrfach hat sie sich Ligaspiele und Partien der Nationalmannschaft in Norwegen vor Ort angesehen. Molde FK nahm sie 2010 in Stuttgart und in diesem Jahr in Heerenveen genau unter die Lupe.

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EURE MEINUNG: Wie bewertet Ihr Solskjaers Arbeit als Trainer? Hat er das Zeug, irgendwann Sir Alex Ferguson zu beerben?

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