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Zuletzt ließ man gegen Levante für eine Stunde ein Team mit elf Spielern aus der eigenen Akademie auflaufen – ein Erfolg in der Champions League mit Eigengewächsen ist denkbar.

Von Ben Hayward | Spanischer Fußball-Experte

Barcelona. Sie lachten ihm ins Gesicht: Louis van Gaal wurde damals beim FC Barcelona zum Gespött, als er verkündete, er wolle ein Team nur mit Spielern aus der vereinseigenen Akademie „La Masia“. Doch ein Jahrzehnt später ist der Traum des Holländers Realität geworden.

In vielerlei Hinsicht glich Van Gaals Stil eher dem von Jose Mourinho (der zu dieser Zeit sein Assistent war) als dem Pep Guardiolas oder Tito Vilanovas Art zu trainieren: Der ehemalige Ajax-Boss gewann Sympathien durch seine pragmatischen Ansatz, besonders, da er im Sinne von Johan Cruyffs „Dream Team“ die Arbeit Bobby Robsons fortsetzte und einen jungen Ronaldo in atemberaubender Verfassung zur Verfügung hatte. Dazu stritt er häufig mit der Presse und sprach ein gebrochenes Spanisch, während Cruyff elegant auf Katalanisch parlierte.

Doch was die Fans am meisten aufregte war, dass er Niederländer holte und auf Katalanen verzichtete. Van Gaal verpflichtete acht niederländische Nationalspieler (Ruud Hesp, Michael Reiziger, Patrick Kluivert, Philip Cocu, Winston Bogarde, Boudewijn Zenden, Frank und Ronald De Boer), mit wechselndem Erfolg, während der neunte, Marc Overmars, kurz nach seinem Abschied 2000 ankam. In der Zwischenzeit war den Eigengewächsen wie Albert Celades, Ivan De La Pena, Oscar und Roger Garcia erlaubt worden, den Verein zu verlassen. Sogar der populäre Albert Ferrer verabschiedete sich zum FC Chelsea.

Van Gaal behielt immer die Meinung bei, dass Barca zu großen Teilen aus lokalen Fußballern bestehen müsse, doch seine Handlungen schienen seine Worte nicht zu reflektieren, und als er schließlich 1998 in Stürmer Dani Garcia von Mallorca einen Katalanen verpflichtete, war dies ein Spieler, der das Jugendsystem von Real Madrid durchlaufen hatte. Das half kaum.

Dani spielte außerdem keine große Rolle, doch hinter den Kulissen wuchs eine sehr talentierte Generation heran. Und trotz der Kritik hielt Van Gaal Wort und legte sein Veto ein, als es um den Verkauf von Carles Puyol nach Malaga ging, und verhalf dem Verteidiger, der nun Klubsymbol und Kapitän ist, zum Debüt. Der ehemalige Bayern-Boss ließ auch Victor Valdez, Xavi und Iniesta bei Barca debütieren, wo er 2002 eine zweite Amtszeit verbrachte, und seine „Cantera“ ist noch immer  stark unterwegs, mehr als ein Jahrzehnt später.

Obwohl dieses Team verständlicherweise mehr mit Guardiola und nun Tito Vilanova assoziiert wird, hat Xavi nach dem Sieg in Levante eine herzliche Nachricht an Van Gaal geschickt, nachdem Barca über eine Stunde elf „Canteranos“ auf dem Feld hatte – weil der einst belachte Traum des Niederländers wahr geworden war.

Ein Barcelona-Team made in La Masia

TORWART

Victor Valdes


RECHTSVERTEIDIGER
INNENVERTEIDIGER
INNENVERTEIDIGER LINKSVERTEIDIGER

Martin Montoya

Gerard Pique

Carles Puyol

Jordi Alba


ZENTRALES MITTELFELD ZENTRALES MITTELFELD ZENTRALES MITTELFELD

Xavi

Sergio Busquets

Cesc Fabregas


RECHTER ANGREIFER
ZENTRALER ANGREIFER
LINKER ANGREIFER

Pedro

Lionel Messi

Andres Iniesta


DIE NÄCHSTEN TALENTE AUS LA MASIA
 MARCA BARTRA

Obwohl derzeit verletzt hat Bartra bereits einge Einsätze in dieser Saison zu verzeichnen und gilt als der kommende Partner an der Seite Piques, wenn Puyol zurücktritt.
 GERARD DEULOFEU

Der spektakulärste Spieler derzeit bei Barcelona B, doch er muss seine Disziplin in den Griff bekommen, wenn er ins erste Glied aufrücken will. Gilt als der nächste Superstar.
 SERGI ROBERTO

Der nächste in einer langen Reihe von Talenten im zentralen Mittelfeld in Barcelona - er hat bereits zweifach in der ersten Mannschaft getroffen und erwartet weitere Einsätze.

Und vielleicht der beeindruckendste Aspekt bei Barcas hausgemachtem Team ist die Tatsache, dass es derzeit vermutlich die stärkste Aufstellung der Blaugrana ist: Alexis Sanchez ist verletzt und ohnehin nicht im Blickfeld nach einer bisher enttäuschenden Saison im Camp Nou, während Dani Alvez ebenfalls pausiert und ob seiner fragilen Form vielleicht hinten rechts ohnehin Martin Montoya vorgezogen werden würde.

Natürlich sind Javier Mascherano und Alex Song wichtige Spieler, aber keiner von beiden wäre in einer ersten Elf Barcas, wenn alle fit wären, und sie sehen ihre Einsatzzeit schwinden, nun, da Puyol und Pique zurück sind. Derjenige, der ein neues Element hinzuaddieren kann, ist David Villa. Der Asturier ist allerdings derzeit auch kein regelmäßiger Stammspieler.

Der Rest ist entweder gebürtig aus Barcelona oder zumindest dort ausgebildet.

Lionel Messi ist Argentinier, natürlich, während Iniesta aus La Mancha kommt, Pedro aus Teneriffa. Sie alle haben jedoch die Jugendakademie „La Masia“ durchlaufen, so wie Cristian Tello, Thiago Alcantara und Isaac Cuenca, die allesamt auf eine Chance auf höchstem Level warten, gemeinsam mit weiteren Barcelona B-Spielern.

Gegen Levante erzielte Barcelona alle vier Tore mit dem La-Masia-Team auf dem Platz und handelte dabei eins der schwierigsten Auswärtsspiele der Saison mit Stil ab. Es gibt keinen Grund, warum sie etwas Ähnliches nicht auch in der Champions League versuchen könnten.

Im Finale gegen ManUnited 2008/09 begann Barca mit sieben „Canteranos“, genau wie im Spiel 2010/11 gegen Sir Alex' Team, wo es ebenso sieben „La Masia“-Absolventen in der Startelf waren.

Doch die Verpflichtung von Jordi Alba im Sommer und die Ankunft von Cesc Fabregas letztes Jahr sah die Katalanen zwei weitere ihrer „handgestrickten Helden“ zurückholen, während die Entwicklung von Thiago, Tello und Co. dem Verein eine solidere Basis verschafft hat.

Alves, Alexis, Mascherano, Song und Villa werden ihre Spielanteile haben und bekommen in der restlichen Saison 2012/13, doch keiner der fünf ist in diesem Team unersetzlich. Und mit elf Eigengewächsen aus „La Masia“ die Champions League zu gewinnen – das wäre doch etwas Besonderes.

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