thumbnail Hallo,

Der deutsche Fußball ist endlich aufgewacht - mit dem FC Bayern München, Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 sind gleich drei Klubs auf europäischer Bühne gut vertreten.

München. Große Effizienz, mentale Stärke, um auch aus aussichtsloser Situation noch gewinnen zu können, eine perfekte Organisation, blonde und blau-äugige Verteidiger - so in etwa sieht das traditionelle Bild eines Fußballers aus Deutschland aus.

Vor knapp einem Jahrzehnt, als Rudi Völler noch Teamchef der deutschen Nationalmannschaft war, wurde die Mannschaft mit all den oben genannten Kriterien ausgestattet. Das Team spielte einen einfachen, aber effizienten Fußball. Bei der Weltmeisterschaft 2002 kämpfte sich die DFB-Elf so bis ins Finale, ehe man vom späteren Weltmeister Brasilien besiegt wurde.

Zu dieser Zeit ruhten die Hoffnungen häufiger einzig und allein auf dem Glück. Noch zehn Jahre zuvor hatte die deutsche Elf eine starke Zeit mit dem EM-Titel 1996, doch schnell blieben die Erfolge aus, ehe man sich auf eine neue Philosophie stürzte. Es brauchte Zeit, diese umzusetzen.

Der Startschuss fiel im Jahr 2000, nachdem die deutsche Elf einen blamablen Auftritt bei der Europameisterschaft hinlegte. In einer Gruppe mit England, Rumänien und Portugal durfte man sich nur über einen einzigen Punktgewinn freuen. Ohne Inspiration und ohne große Talente taumelte die DFB-Elf in eine schwierige Phase. Als Reaktion auf das EM-Turnier 2000 revolutionierte der DFB das System der Nachwuchsförderung.

DER UMSATZ DER VIER TOPLIGEN IN 2011 - OHNE TRANSFERS
Premier League
Bundesliga
La Liga
Serie A
2,515 Mios €
1,746 Mios €
1,718 Mios €
1,553 Mios €
  Quelle: Deloitte
Im Dezember 2000 gründete der DFB die DFL, um sich um das Management der ersten und zweiten Bundesliga zu kümmern. Kurz darauf wurden für die Vereine strenge Lizenz-Richtlinien auf den Plan gerufen. Eine bestimmte Anzahl an Trainingsplätzen musste beispielsweise gewährleistet sein, um die Lizenz zu erhalten - nur ein Beispiel für zahlreiche Richtlinien. Auch die Nachwuchsförderung blieb von den Neuerungen nicht unberührt. Mit der sogenannten „50+1“-Regel sicherte man sich zudem gegen eine Übernahme, wie beispielsweise in England beim FC Chelsea mit Roman Abramovich, ab.

In den folgenden Jahren hatte der deutsche Fußball dann mit mehreren Problemen zu kämpfen. Die „50+1“-Regel hinderte die deutschen Klubs beispielsweise in der Champions League den Wettbewerb mit den großen, reichen Klubs aufzunehmen. Andere Vereine hatten keine finanziellen Probleme und konnten sich mit den großen Stars verstärken, während die deutschen Klubs immer öfter auf junge Nachwuchsspieler setzen mussten. Trainer vertrauten mehr und mehr auf junge Spieler, eine Entwicklung, die für den deutschen Fußball enorm wichtig war.

Jetzt, 13 Jahre nach Einführung der „50+1“-Regelung und den DFL-Lizenzierungen, können die deutschen Vereine endlich auch auf europäischer Ebene ihre Muskeln spielen lassen.

In der laufenden Champions-League-Saison haben sich Borussia Dortmund und der FC Schalke 04, neben dem FC Bayern München, zu guten europäischen Klubs entwickelt. In der Gruppe B kann Schalke noch Platz eins erreichen, während der BVB bereits einen Spieltag vor Ende der Gruppenphase die Pole-Positon der Gruppe D sicher hat - vor Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam.

Der Erfolg der Bundesligisten in der bisherigen Champions-League-Saison hat damit zu tun, wie sich die Liga in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Der FC Bayern hat in den letzten drei Jahren nicht ohne Grund zwei Endspiele in der „Königsklasse“ erreicht. Schalkes Halbfinal-Einzug im Jahr 2010 zeigte, dass nicht nur der FC Bayern allein für große Dinge sorgen kann. Ein Blick nach vorne zeigt, dass vor allem der FC Bayern und Borussia Dortmund auch in Zukunft auf junge Talente zählen können, die für den maximalen Erfolg kämpfen.

DIE LIGA DER ZUKUNFT
Die Bundesliga in Zahlen
1,94 Mrd €
Gesamtumsatz 2010/11
70,86 Mio €
Investitionen in die Jugendarbeit 2010/11

215 Mio €
Steigerung der jährlichen TV-Einnahmen 2013/14
130,4 Mio €
Gewinn der Klubs addiert nach Steuern
42.101
Zuschauerschnitt pro Spiel
  Quelle: Bundesliga
Mit dem Einfluss des Financial Fair Play ab der Saison 2013/14, wird der größte Vorteil der Bundesliga – die Geschäftsstruktur – ihren Wert bald verdeutlichen. Bereits jetzt haben Europas Topteams, wie der AC Mailand und Manchester United, ihre Ausgaben aus Angst vor Sanktionen durch die UEFA gesenkt. Viele weitere werden folgen, aber deutsche Klubs haben durch das Financial Fair Play wenig zu befürchten. Der Umsatz der höchsten Spielklasse des Landes ist der zweithöchste überhaupt, wird nur durch die Premier League übertroffen, und mit dem Erfolg der deutschen Liga weiter steigen. Die Bundesliga hat bereits einen neuen Deal mit Sky abgeschlossen, der ab der Saison 2013/14 Mehreinnahmen um 52 Prozent auf 628 Millionen Euro verspricht.

Die Gewinne in der Bundesliga sind so hoch wie in jeder anderen Topliga in Europa, und die Schulden betragen nur einen Bruchteil derer in England, Italien und speziell in Spanien. Ein Vergleich von Verbindlichkeit und Umsatz zeigt, wie nah Spaniens Fußball vor dem finanziellen Kollaps steht: Der Schuldenstand der Primera Division beträgt 246 Prozent des Umsatzes. Selbst Barcelona schuldet der spanischen Regierung 48 Millionen Euro an unbezahlten Steuern – der gleichen spanische Regierung, die ironischerweise hunderte von Millionen in Form eines Rettungspaketes aus Deutschland erhielt.

Die Serie A befindet sich seit Kurzem in einer finanziellen und sportlichen Talfahrt, und das wird sich nicht ändern, bevor sich die italienische Wirtschaft erholt. Nur die Premier League kann mit der finanziellen Macht der Bundesliga mithalten – aber hohe Schulden, die Unklarheit bei Manchester City, Chelseas Befolgung des Financial Fair Play und die insgesamt stärkere deutsche Wirtschaft deuten an, dass die Bundesliga die englische Spielklasse ins Sachen Vermögen und Umsatz bald überholen könnte.

Zu Beginn der Jahrtausendwende lag der deutsche Fußball in einem selbst verursachten Koma. Seitdem tat sich eine Vielzahl von Talenten hervor und die Klubs verzeichnen stetig steigenden finanziellen und international sportlichen Erfolg. Unterstützt durch die stärkste Wirtschaft Europas und das organische, sportliche und finanzielle Modell, steht dem deutschen Fußball keine goldene Generation, sondern nachhaltiger und kontinuierlicher Erfolg bevor.

EURE MEINUNG: Wie bewertet Ihr die Situation in den Topligen Europas?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig