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Real Madrid: Wird Mourinhos Zukunft in der Champions League entschieden?

Der Portugiese verspielt zunehmend seinen Kredit bei den „Königlichen“. Entscheidet der Erfolg in Europa wieder einmal über seinen Verbleib bei einem Verein?

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Madrid. Die Messer sind geschärft – und mit jeder Woche, die vergeht, verliert Jose Mourinho mehr und mehr Freunde bei Real Madrid, und laut jüngsten Gerüchten zieht es den Portugiesen dieses Mal nicht aus eigenen Stücken fort – im Gegenteil: Es sieht viel mehr nach einer Trennung des Klubs vom Trainer aus. Die Mayas sagten für dieses Jahr das Ende der Welt voraus – und die Madrider Medien geben „Mou“ auch nicht viel länger.

Wie jüngste Berichte der Marca zeigen, wird der Portugiese Real im Sommer verlassen, egal was in den kommenden Monaten in der Primera Division geschieht. Aber, wie schon bei seinen drei vorherigen Stationen, ist es die Champions League, die wahrscheinlich über Mourinhos Zukunft in Madrid entscheidet.

In Porto beendete der in Setubal geborene seine Tätigkeit nach dem Triumph in der Champions League. Beim FC Chelsea war es sein Versagen in Europas „Königsklasse“, das Eigentümer Roman Abramowitsch verärgerte. Schließlich kühlte die Beziehung ab und beide Seiten gingen getrennte Wege. Bei Inter Mailand wiederum beendete Mourinho sein Engagement, nachdem er den Italienern nach 45 Jahren wieder zu europäischem Ruhm verhalf.

MOURINHOS STATIONEN IN DER VERGANGENHEIT
 FC PORTO (2002-04)

Mourinho verbrachte nur zwei ganze Spielzeiten bei den Portugiesen bis er in die Premier League wechselte, nachdem er entgegen aller Erwartungen in der Saison 2003/04 die Champions League holte.

 FC CHELSEA (2004-07)

An der Stamford Bridge setzte sich der Erfolg fort, nur der Champions-League-Gewinn blieb aus. Ein Streit mit Abramowitsch bedeutete im September 2007 schließlich das Ende.

 INTER MAILAND (2008-10)

Der Portugiese klagte ständig über die Behandlung der Presse in Italien ihm gegenüber und wechselte nach dem CL-Sieg 2009/10 zu Real Madrid.

Dieser zweite Erfolg in der Champions League überzeugte Florentino Perez, dass Mourinho der richtige Mann sei, um sein ehrgeiziges Projekt, Barcelona vom Thron zu stoßen, zu verwirklichen – und den zehnten Titel im größten europäischen Wettbewerb in die spanische Hauptstadt zu holen.

Doch Erfolg hat seinen Preis. Viele Fans sind unbeeindruckt von der Marke Mourinho und dessen pragmatischen Spiel. Inzwischen hat sich der Portugiese auch die spanischen Medien zum Feind gemacht und den eigenen Klub enttäuscht. Grund dafür war die Kritik an Alberto Toril, Trainer der zweiten Mannschaft, und die bemängelte Unterstützung von Seiten des Vereins. Ebenso hat der Ruf der Madrilenen während der letzten drei Jahre gelitten, als sie in Spanien ihren Ruf als vornehmener Vorzeige-Klub einbüßten. Mourinho hat in über zwei Spielzeiten die Meisterschaft, die Copa del Rey und die spanische Supercopa gewonnen, aber die Geduld scheint dennoch allmählich am Ende. Und es fehlt weiterhin der zehnte Titel in der „Königsklasse“.

Präsident Perez ist bereits dem Druck der Presse ausgesetzt und die Fangemeinde des Klubs leistet im Vorfeld der Wahlen im Sommer schon jetzt Widerstand. Florentino mag derzeit zwar noch konkurrenzlos erscheinen, aber der Bau-Magnat ist bestrebt, auch zukünftig auf die Unterstützung der Fans und der Medien zu bauen, sollte es in eine weitere Amtszeit gehen. Das könnte bedeuten, Mourinho abzugeben, bevor der Gang an die Wahlurnen ansteht.

Die Meisterschaft in diesem Jahr scheint bereits verloren. Nach 14 Spieltagen liegt der Hauptstadt-Klub bereits elf Punkte hinter Spitzenreiter FC Barcelona. Ein solcher Rückstand wurde bislang noch nie in der Geschichte der Primera Division wettgemacht. Man ist weit vom Triumph der letzten Saison entfernt, als Madrid beeindruckende einhundert Punkte holte und zudem 121 Treffer erzielte.

Die Champions League gewinnt also zusätzlich an Bedeutung, sowohl für Real als auch für Mourinho. Trainer mit einer ähnlich schlechten Punkteausbeute, wie der Portugiese, haben in der Vergangenheit bereits vorzeitig ihre Taschen packen müssen bevor die Saison endete. Perez aber weiß, dass der ehemalige Chelsea- und Inter-Trainer gerade jetzt den Erfolg im europäischen Wettbewerb bringen könnte, wenngleich die Mannschaft in der Gruppe D wenig überzeugend in die Runde der letzten 16 einzog. Im Heimspiel gegen Manchester City standen die „Königlichen“ am Rande einer Niederlage, gegen Borussia Dortmund ging der direkte Vergleich sogar verloren (1:2, 2:2).

Also würde ein Wechsel im Sommer für beide Parteien gelegen kommen. Der Gewinn der Champions League könnte Mourinhos letzter Triumph im Santiago Bernabeu werden – wie es schon in Porto und bei Inter der Fall war. Alternativ könnte man die Wogen in den kommenden Monaten auch wieder glätten und der Portugiese, der seinen Vertrag im Sommer erst bis 2016 verlängerte, bleibt dem Klub erhalten. Dafür ist aber wohl wirklich der Gewinn des zehnten Titels in Europas Eliteklasse von Nöten.

Während man in Madrid also überlegt, ob es mit dem umstrittenen Trainer weitergeht oder Veränderung her muss, entscheidet die Champions League über Wohl oder Übel für einen viel geschmähten Mourinho.

EURE MEINUNG: Kann ein Triumph in der Champions League Mourinhos Trainerjob in Madrid retten?

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