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Nur drei Tage nach der 1:2-Schlappe gegen Bayer Leverkusen kassierte das Team von Markus Babbel auch in Nürnberg eine Pleite. Mit 2:4 unterlag der Aufsteiger von 2008 den Franken.

Nürnberg. Spätestens seit dem gestrigen 2:4 beim 1. FC Nürnberg schrillen die Alarmglocken bei der TSG Hoffenheim so laut wie möglich. Vier Gegentore gegen die bis dato zweitharmloseste Offensive der Bundesliga - die TSG macht's möglich, steht nun auf dem Relegationsrang und ist auf der Suche nach Führungsfiguren.

Enttäuschend

Mit gesenktem Kopf und bedröppelter Miene trat Markus Babbel vor die Presse. Er machte nicht wirklich den Eindruck, als ob ihm der Kampf noch Spaß machen würde. Seine Worte bestätigten dies. Immer und immer wieder suchte Babbel Worte rund um die Enttäuschung. Wörtlich sagte er: „Natürlich sehr, sehr enttäuschend. Auch, wenn man sich die Gegentore ansieht: sehr enttäuschend. Da fragt man sich natürlich auch, was geht da in den Köpfen vor? Nach der Pause sind wir mit Elan und Kampfgeist angetreten, haben das Spiel langsam in den Griff bekommen – doch dann passiert so ein Fehler. Das hat mich dann auch einfach gestört. Es war klar, wir haben noch genügend Zeit. Es ist einfach enttäuschend. Man spricht das die ganze Woche an, sieht es im Training. Immer wieder passieren Fehler in entscheidenden Phasen, die uns so nicht unterlaufen dürften. Deshalb bin ich heute sehr enttäuscht.“

„Es geht nicht um Markus Babbel“

Nachfragen kamen augenblicklich. Dieter Hecking, am gestrigen Tag erfolgreicher Bundesliga-Trainer, blieb in diesem Moment völlig uninteressant. Kameras richteten sich auf, Fragen an Markus Babbel. Dieser versuchte, Geduld zu bewahren, konnte seine negativen Emotionen nicht zurückhalten. „Ich habe mich jetzt lange schützend vor die Spieler gestellt, aber irgendwann ist auch mal ein Punkt erreicht, wo ich erwarten kann, dass die einfachsten Dinge 100%ig umgesetzt werden. Während der Woche macht man sich viele Gedanken, wie man so einen Gegner schlagen kann. Da hat die Mannschaft heute gemeint: machen wir’s erstmal  so, wie wir meinen und dann so, wie der Trainer vorgegeben hat.“ Die Trainerdiskussionen sei dabei gar nicht das Entscheidende. „Es geht nicht um mich, es geht nicht um Markus Babbel, es geht um die TSG Hoffenheim.“ Aktuell gehört das für Babbel aber noch unweigerlich zusammen. „Ich bin Trainer der TSG Hoffenheim. Und ich werde alles tun, dass wir aus dieser schwierigen Lage wieder herauskommen.“

Alle in einem Boot

Zwei Standards, ein Abwehrfehler, einmal Geleitschutz für Kiyotake - die Gegentore der TSG wirkten wahrlich vermeidbar. Dies sagte auch Manager Andreas Müller im Gespräch mit Goal.com: „Da muss ich mich auch mal fragen, ob es sein kann, dass man in der Bundesliga so naiv Gegentore kassiert.“ Müller ging sogar noch weiter einer Grundsatzfrage nach. „Wir wissen alle, dass diese Mannschaft Potenzial hat. Aber Potenzial und Qualität sind zwei paar Stiefel. Man muss nun Dinge beherzigen, die zum Profifußball gehören. Den Gegner körperlich besiegen wollen, wie der 1. FC Nürnberg das heute gemacht hat. Uns gelingt das nicht.“

Nichtsdestotrotz fordert der Manager weiterhin, zusammenzustehen. „Wir sind doch alle in einem Boot. Es geht nicht um einzelne Personen. Wir sind in einer prekären Situation und hoffen, dass wir da wieder herauskommen – gemeinsam als TSG Hoffenheim“, sagte Müller. Und fügte, der Panik entgegenwirkend, an: „Wir waren schon mehrmals in der Situation, in der wir aktuell sind. Am Anfang der Saison mit null Punkten und 4:15 Toren – da kamen wir auch wieder raus. Die Situation ist nicht neu.“ Was ist zu tun? Die Ruhe bewahren? „Wenn ich das in dieser Situation empfehle, heißt es wieder, der Müller schläft ein“, ergänzte der Neu-Hoffenheimer mit sarkastischem Unterton.



Führungsspieler? Charakter?

Dass sich die TSG in einer Krise befindet, ist niemandem verborgen geblieben. Zwei Schlagworte, um die es sich immer wieder dreht, wenn es um die Bewältigung einer solchen geht, sind: Charakter und Führungsspieler. Auf Nachfrage von Goal.com antwortete Müller stockend. „Das ist ja immer so eine Thematik. Es geht um das Gesamte. Was bringt mir ein Führungsspieler, wenn wir nach fünf Minuten das erste Gegentor bei einem Freistoß kriegen?“ Ob die Mannschaft Charakter habe, wurde Müller zudem gefragt. Energisch im Sinn konterte er: „Die Mannschaft hat einen sehr guten Charakter, nur ist sie derzeit völlig blockiert.“ Selbstbewusstsein und Glaube an das eigene Team hören sich anders an.

Vorläufige Jobgarantie für Babbel

Am Sonntag trifft die TSG Hoffenheim auf Werder Bremen. Mit Markus Babbel als Trainer? „Ja“, sagte Müller. „Markus Babbel hat als Spieler nie aufgegeben und wird es auch jetzt nicht tun. Er sitzt am Sonntag auf der Bank.“ Auch am Sonntag wird wieder alles auf dem Prüfstein stehen. Neuzugänge, Charakter des Teams, die Mannschaft und natürlich auch der Trainer. Denn einen dauerhaften Freifahrtschein wollte und konnte Andreas Müller ihm trotz seiner offensichtlichen Schuldlosigkeit nicht ausstellen.

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