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Aaron Hunt & Gonzalo Castro: Die „ewigen Talente“ sind aktuell so stark wie nie

Sie debütierten einst als Teenager in der Bundesliga und galten als Hochbegabte. Doch der große Sprung blieb ihnen bislang versagt. Derzeit aber sind sie in der Form ihres Lebens.

Bremen. Am Mittwoch spielt Werder Bremen in der Bundesliga gegen Bayer 04 Leverkusen. Dann kommt es auch zum Aufeinandertreffen zweier Hochbegabter, denen einst eine große Karriere prophezeit wurde: Aaron Hunt und Gonzalo Castro. Doch beide machten bisher zu wenig aus ihren überragenden Anlagen. Aktuell blühen die als „ewige Talente“ verschrienen Mittzwanziger auf wie nie. Der Nationalmannschaftszug scheint dennoch abgefahren.

„Ewiges Talent" und „Problemprofi"

Der offensive Mittelfeldmann Aaron Hunt feierte mit gerade mal 18 Jahren am 18. September 2004 sein Debüt in Werders Bundesligateam, ein siebenminütiger Kurzeinsatz gegen Hannover 96. Rasch konnte man das enorme Potential, über das der Jungspund verfügte, erkennen: Eine feine Technik und ein gutes Auge – auch heute noch Stärken des Bremer Eigengewächses. In seiner ersten Saison spielte er zehnmal und wurde im Februar 2005 jüngster Torschütze in der Bundesliga-Geschichte der Grün-Weißen.

So überragend Hunts Anlagen aber auch waren, es gelang dem Sohn einer Engländerin und eines Deutschen nicht diese über einen längeren Zeitraum abzurufen. Auf außergewöhnlich gute Spiele folgten dann wieder sehr schwache. Der 26-Jährige hatte – wie es vielen Talenten geht – ein Problem mit der Konstanz. Hinzu kamen private Eskapaden, und Hunt wurde neben dem Etikett „ewiges Talent“ auch bald noch der Stempel „Problemprofi“ aufgedrückt.

AARON HUNT | Werder, Mittelfeldspieler, 26

SAISONSTATISTIKEN (BUNDESLIGA)
Einsätze 13
Tore 6
Assists 3
KARRIERESTATISTIKEN (BUNDESLIGA)
Einsätze 169
Tore 29
Assists 34

Leistungsexplosion in der laufenden Saison

Mittlerweile scheint der gebürtige Goslarer aber begriffen zu haben, worauf es ankommt. Hunts bisheriger Saisonverlauf ist verheißungsvoll: In der Bundesliga schoss der frühere U-21-Nationalspieler in 13 Spielen sechs Tore und legte drei weitere auf. Es gelingt ihm nun endlich seine starken technischen Fertigkeiten und seine gute Übersicht mit einer bei ihm in der Form noch nie dagewesenen Torgefahr zu kombinieren. Und das Wichtigste: Er schafft das alles konstant.

Sein Trainer Thomas Schaaf, eine Art Ziehvater von Hunt, äußerte sich kürzlich zur Leistungssteigerung seines Schützlings: „Wir sind froh, dass wir ihn endlich dazu gebracht haben. Es ist ihm zuzutrauen, dass er das langfristig halten kann."

Eine Rückkehr in den Kreis der Nationalmannschaft, dorthin also, wo Hunt seinem Länderspieldebüt vom November 2009 gegen die Elfenbeinküste noch einen weiteren Einsatz im August 2010 gegen Dänemark folgen ließ, dürfte dennoch schwierig werden. Die Konkurrenz auf seiner favorisierten Position im zentralen offensiven Mittelfeld heißt Mesut Özil, Toni Kroos und Mario Götze.

Bundesliga mit 17, DFB-Elf mit 19, aber der große Wurf blieb aus

Auch die Karriere von Gonzalo Castro begann vielversprechend. Bereits als 17-jähriger Teenie debütierte er am 23. Januar 2005 bei Leverkusens Gastspiel in Hannover mit einem 12-minütigen Einsatz in der Bundesliga. Fortan entwickelte sich der Deutsch-Spanier zu einer festen Größe der Werkself, in der er, überwiegend als Rechtsverteidiger eingesetzt, eigentlich immer zum Stammpersonal zählte. Aber trotz aller erkennbaren Anlagen gelang Castro nie der ganz große Wurf.

Er absolvierte sein erstes Länderspiel zwar schon mit 19 Jahren im März 2007 gegen Dänemark und noch vier weitere im selben Jahr, danach herrschte allerdings Funkstille zwischen ihm und dem Bundestrainer. Dies ist umso ärgerlicher für Castro, wenn man  bedenkt, dass der U-21-Europameister von 2009 als Außenverteidiger eine Problemposition im deutschen Fußball bekleidete. Irgendwie schaffte er es trotz allem Potential nicht, Jogi Löw nachhaltig von sich zu überzeugen.

GONZALO CASTRO | Bayer, Mittelfeldspieler, 25

SAISONSTATISTIKEN (BUNDESLIGA)
Einsätze 13
Tore 3
Assists 4
KARRIERESTATISTIKEN (BUNDESLIGA)
Einsätze 216
Tore 15
Assists 35

Mit nun 25 Jahren hat Castro bereits 216 Bundesligaspiele auf dem Buckel. Sein besonderes Plus ist die Vielseitigkeit: Der gebürtige Wuppertaler kann auf beiden Seiten außen verteidigen, im zentralen Mittelfeld die Fäden ziehen oder als Flügelspieler fungieren. Letzteres macht er in der laufenden Saison – mal weiter vorne, fast schon als Außenstürmer, mal weiter hinten - und blüht dabei regelrecht auf.

„Wenn er im Abschluss noch konsequenter ist, gibt es nur wenige Bessere“

Das Leverkusener Eigengewächs traf in 13 Spielen drei Mal und assistierte zu vier Treffern. Zudem netzte er in vier Europa-League-Partien zwei Mal ein. Dennoch grübelt er nicht allzu sehr über ein Comeback im DFB-Dress nach, wie er unlängst betonte, als sein Name bei Löws Nominierungen für das Holland-Spiel mal wieder fehlte: „Ich hatte auch in der vergangenen Saison eine starke Phase, da gab es keinen Kontakt. Ich mache mich da nicht mehr verrückt. Im Moment ist der Verein viel wichtiger als die Nationalmannschaft.“

Dass er die Qualitäten dafür hat, davon ist sein Trainer Sascha Lewandowski überzeugt. „Wenn er noch eine Schippe draufpackt, traue ich ihm alles zu. Wenn er im Abschluss noch einen Tick konsequenter ist, gibt es nur wenige Bessere“, lobte der Bayer-Chefcoach den Führungsspieler. Im DFB-Team wartet allerdings auf seiner aktuellen Position auf dem Flügel mit Marco Reus & Co. eine schier übermächtige Konkurrenz. Dagegen gibt es auf seinem früheren Einsatzgebiet als Außenverteidiger kaum Alternativen zu Philipp Lahm.

Fazit: So gut wie nie, aber das DFB-Comeback wird extrem schwierig

Fazit: Beide Spieler sind gut wie nie und absolute Schlüsselspieler in ihren Vereinen. In Anbetracht der Vielzahl an Konkurrenten, die nicht nur jünger sind, sondern sich auch bei Löw mit starken Leistungen  längerfristig etabliert zu haben scheinen, wird eine Rückkehr für beide sehr schwer. Gegen Castro spricht zudem sein Positionswechsel. Schwer vorstellbar, dass Löw ihn nun, wo er in der Offensive zum Einsatz kommt, als Außenverteidiger nominieren wird. Für ihn spricht, dass der Bundestrainer eine Schwäche für vielseitig einsetzbare Spieler hat. Ob er dann allerdings mehr als ein Notnagel ist, bleibt abzuwarten. Aber man sollte im Fußball ja bekanntermaßen niemals nie sagen.

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