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Das Team von Vilanova begann gegen Levante mit zehn Spielern aus der eigenen Jugend, nach Montoyas Einwechslung für Alves waren es elf – historisch.

Valencia. Das Timing war geradezu poetisch. Während sich die Katalanen bei den Wahlen in ihrer Region am Sonntag an den Urnen versammelten, ließ ihr Fußball-Flaggschiff elf Eigengewächse auflaufen, zum ersten Mal auf dem höchsten Level, und vergrößerte den Abstand zu Real Madrid auf elf Punkte. Wieder einmal hatte sich der FC Barcelona mit einer Mannschaft, die komplett aus der Jugendakademie „La Masia“ stammte, als Symbol katalanischer Unabhängigkeit präsentiert.

Als Martin Montoya gegen Levante den verletzten Alves nach 15 Minuten ersetzte, standen für Barca nur noch Spieler auf dem Feld, die aus der berühmten Akademie stammten. Insgesamt waren acht Katalanen für die Gäste auf dem Rasen, obwohl zwei der drei weiteren Spieler in Gelborange den anderen die Show stahlen.

BARCELONAS "HANDGESTRICKTE" HELDEN
Victor Valdes Katalonien
Martin Montoya (für Alves) Katalonien
Gerard Pique Katalonien
Carles Puyol Katalonien
Jordi Alba Katalonien
Xavi Katalonien
Sergio Busquets Katalonien
Cesc Fabregas Katalonien
Pedro Teneriffa
Lionel Messi Argentinien
Andres Iniesta Kastilien
Das waren Andres Iniesta und Lionel Messi. Ersterer war eine einzige Augenweide, traf selbst und legte die anderen drei Treffer in unnachahmlicher Manier auf, davon erzielte Messi zwei. Messi, nun bei 82 Toren und in Reichweite von Gerd Müllers Rekord von 85 Toren in einem Kalenderjahr, wurde diesmal von seinem sanftmütigen Teamkollegen übertroffen, der wie Leo ein Top-Anwärter auf den Ballon d'Or am Ende des Jahres ist. Auch Fabregas, der das vierte Tor machte, hatte bereits drei Treffer in einem Spiel aufgelegt, doch Iniesta war in diesem Spiel noch einmal auf einem anderen Level.

Und so setzten Barcas elf „Canteranos“ ein Zeichen an dem Tag, als ihre Leute zur Abstimmung schritten, viele davon Anhänger der Unabhängigkeitsbestrebung. Und Vilanovas Team ist nun elf Punkte vor Real Madrid – nach nur 14 Spieltagen. Am Sonntag stellten sie zudem den Startrekord in La Liga ein: den von Radomir Antics Real Madrid aus der Saison 1991/92.

Doch es mag als Warnung genug sein für die Überflieger, dass Real in dem Jahr  nicht den Titel holte: Am letzten Tag schnappte Johan Cruyffs „Dream Team“ ihnen die Trophäe weg.

Cruyff war ursprünglich für die Errichtung La Masias verantwortlich, als er Barcelonas Präsident Josep Lluis Nunez bei seinem Abschied als Spieler erklärte, dass Barca eine Akademie brauche, um mit Madrid mithalten zu können. Das war 1978 – und 34 Jahre später erklären die Katalanen ihre Unabhängigkeit, zumindest auf dem Platz, als sie für eine Stunde ein komplettes Team von Eigengewächsen auf dem Platz haben, zwischen der 15. und 75. Minute, als Adriano Jordi Alba ersetzte. Thiago kam danach und komplettierte ein Aufgebot von 12 La Masia-Spielern innerhalb der 14 eingesetzten Spieler. Zu dem Zeitpunkt hatte die Akademie bereits Geschichte gemacht.

Es ist ein scharfer Kontrast zu Madrid, Mourinho und der viel kritisierten „Cantera“-Politik des Hauptstadtklubs, trotz Alvaro Moratas Siegtor zuletzt, ebenfalls bei Levante.

Madrid steht nun in Barcelonas Schatten, und es ist Atletico, das den Katalanen auf den Fersen ist und nur drei Punkte weniger aufweist als der Tabellenführer. Titos Team wird sich darauf nicht ausruhen, doch sie scheinen in einer sehr starken Position, was den Titel angeht, dabei ist erst November. Im elften Monat liegt Barca elf Punkte vor dem schärfsten Rivalen, und, in einer beispiellosen Statistik der modernen Fußballära, mit elf Canteranos auf einmal auf dem Feld. Geht das so weiter, wird man sich an die gegenwärtige Spielzeit einst erinnern und vom „Titel made in La Masia“ sprechen.

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