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Der nächste junge Wilde: Stuttgarts Raphael Holzhauser auf der Überholspur

Der nächste junge Wilde: Stuttgarts Raphael Holzhauser auf der Überholspur

Bongarts

Starke Nachwuchskräfte haben beim VfB Stuttgart Tradition: Der nächste, der den Sprung zu den Profis geschafft hat, ist Shootingstar Raphael Holzhauser.

Stuttgart. So übermäßig jung und wild wirkt Raphael Holzhauser gar nicht, was nicht nur an der beachtlichen Statue liegt: Wenn der 1,93-Hühne nach einem Spiel in der Mixed Zone mit Journalisten spricht, tut er das mitunter so leise und bedächtig, dass ihn dabei nur die am nächsten stehenden Berichterstatter verstehen. Auch die Spielweise des Österreichers zeugt nicht unbedingt von Sturm und Drang. Eher überraschend ruhig und überlegt ordnet der Mann aus der Wiener Neustadt das VfB-Mittelfeld. Dabei ist Holzhauser ist zur Zeit der Spieler, der bei den Schwaben die Tradition der „Jungen Wilden“ wiederbelebt.

Kevin Kuranyi, Mario Gomez, Sami Khedira oder Serdar Tasci: Die Namen, welche die Stuttgarter Jugendförderung hervorgebracht hat, sind klangvoll. Die schwäbische Nachwuchsarbeit genießt deutschland- und europaweit schon lange einen hervorragenden Ruf - und Holzhauser ist der jüngste Spross aus der eigenen Kaderschmiede, der den Sprung in die erste Elf geschafft hat. Seit dem 6. Spieltag, dem 2:0 in Nürnberg, gehört der Mittelfeldspieler zur Startelf. Am Donnerstag könnte er in Bukarest zudem zu seinem dritten Europa League-Einsatz für die Stuttgarter kommen.

Raphael Holzhauser | VfB Stuttgart, DM, 19 Jahre
STATISTIKEN 2012/2013
Einsätze Bundesliga 7
Tore / Assists 0 / 2
Gelbe/Rote Karten 2 / 0
UND SONST SO...
Starker Fuß Links
Wird der nächste... Sami Khedira

Es mag eine Ironie der Fussballgeschichte sein, dass Trainer Bruno Labbadia sich in seiner „Wutrede“ Anfang Oktober auch gegen den Vorwurf rechtfertigen musste, zu wenig auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Denn nur kurz zuvor am selben Tag hatte Blondschopf Holzhauser beim 2:2 gegen Leverkusen, seinem zweiten Startelfeinsatz, eine glänzende Leistung abgeliefert: Durch ein kluges Zuspiel auf Traore war er am Elfmeter zum 1:0 beteiligt. Später tunnelte er sehenswert Carvajal und zog dann Castro in Richtung Grundlinie davon, ehe er Vedad Ibisevic mustergültig zum zwischenzeitlichen 2:1 auflegte. Eine Woche später folgte der nächste starke Auftritt: Beim 1:0 in Hamburg überzeugte vor allem das VfB-Mittelfeld und in ihm Holzhauser.

Mit dessen Integration hat sich auch das VfB-Mittelfeld verändert. Trainer Labbadia verband mit seiner Hereinnahme eine Systemumstellung, vom 4-2-3-1 auf ein 4-3-3, mit Wiliam Kvist direkt vor der Abwehr und den flexiblen Holzhauser und Gentner davor. „Eigentlich ein Achter“, hatte Manager Bobic den Österreicher, der vergangene Saison bereits zweimal kurz Bundesligaluft schnuppern durfte, vor der Saison im kicker beschrieben, als einen Verbindungsspieler zwischen dem defensiven Mittelfeld und Angriff, der die Stürmer in Szene setzen und mit Zuspielen füttern soll. Eine Rolle, die Holzhauser bisher erfolgreich interpretiert. Als „technisch stark“, beschrieb ihn VfB-Knipser Ibisevic gegenüber Goal.com und brachte die für ihn relevante Stärke auf den Punkt: „Er kann den Ball gut nach vorne spielen.“  

Neben klug durchdachten Pässen und Standards tritt der Österreicher aber auch gern auf die Euphoriebremse, wenn es um seine Person geht. Das mag auch daran liegen, dass der Youngster seinen Platz in der ersten Elf durchaus nicht als Selbstverständlichkeit sieht. „Ich habe inzwischen kapiert, dass ich noch mehr an mir arbeiten muss, um nach oben zu kommen“, gestand Holzhauser nach seinem ersten Bundesliga-Einsatz im Oktober der Stuttgarter Zeitung, die von einem klärenden Gespräch zwischen der Nummer 26 und Bruno Labbadia berichtete.



Der VfB-Coach soll seinem gelegentlich zur Selbstzufriedenheit neigendem Nachwuchsspieler bei der Gelegenheit ins Gewissen geredet und geraten haben, die Zügel immer wieder von Neuem anzuziehen, anstatt sie schleifen zu lassen. Mit Erfolg, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben! Der Österreicher hat sich im Stuttgarter Mittelfeld festgespielt und gestandene Routiniers wie Tamas Hajnal oder Zdravko Kuzmanovic auf die Bank verdrängt. Seit seiner Herreinnahme tendiert die VfB-Formkurve nach oben, unter anderem gab es den Sieg gegen das Überraschungsteam aus Frankfurt oder das achtbare Remis in Dortmund. Und wo der österreichische U-21-Nationalspieler herkommt, könnten bald weitere folgen - auch weil die finanzielle Lage keine großen Sprünge erlaubt.

Große Hoffnungen ruhen beispielsweise auf Rani Khedira, dem jüngeren Bruder des heutigen Real-Stars. Und mit Antonio Rüdiger und Landsmann Kevin Stöger haben diese Saison neben Holzhauser zwei weitere hoffnungsvolle Talente  den Sprung von der Jugend in die erste Mannschaft geschafft, die bisher aber nur im DFB-Pokal zum Einsatz kamen. Aber bei Stuttgarts dünner Personaldecke in dieser Saison muss das nicht so bleiben.

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