thumbnail Hallo,

Kein Stürmer, keiner, der sich aufgedrängt hat. Der Torlos-Test in Amsterdam zwischen Deutschland und den Niederlanden lieferte weder Löw noch van Gaal nützliche Erkenntnisse.

Amsterdam. Dass Deutschland vor genau einem Jahr die „Elftal“ mit 3:0 bei einem Freundschaftsspiel in Hamburg vorführte, hallt in der niederländischen Nachbetrachtung immer noch als „Wendepunkt“ nach. Beim ernst genommenen Härtetest, dem Länderspielabschluss des Jahres 2011, zeigten sich erstmals Risse innerhalb der Reihen des amtierenden Vizeweltmeisters Niederlande, während die DFB-Elf mit sprudelndem Offensivfußball zum absoluten Turnierfavoriten für die EM 2012 ernannt wurde. Einem Druck, dem die Nationalelf in Polen und der Ukraine jedoch nicht bis zum Ende standhielt. Spanien war, ist und bleibt das Maß aller Dinge.

Deutliches Signal an Poldi: Löw testet die „falsche Neun“

Deshalb wird Joachim Löw nicht müde, in Gesprächen „La Furia Roja“ als Maßstab für die Fußball-Weltspitze zu nehmen und Vergleiche über die Entwicklung seiner Mannschaft mit der von Vicente Del Bosque aufzustellen. So nutzte der Bundestrainer den Rahmen des gestrigen Testspiels, um gezielt ein iberisches Mittel anzuwenden: Kein Klose, kein Gomez, dafür stürmte bei Deutschland – auch aus der Not geboren - die „falsche Neun“. Zunächst durfte sich 1,76-Meter-Mann Mario Götze gegen das bullige Premier-League-Duo Vlaar und Heitinga versuchen, ehe Löw die Position im Spiel durchrotieren ließ und auch Thomas Müller oft im Sturmzentrum zu finden war. „Möglichst flexibel“ sollte der BVB-Regisseur die Stürmerrolle interpretieren. Götze selbst sah in seiner Rolle „keinen großen Unterschied“ zu seinem sonstigen Part im Mittelfeld. Er hatte sich jedoch versprochen, „öfter zum Torabschluss kommen zu können“, sagte er nach Abpfiff der Presse.

Die Nichtberücksichtigung Lukas Podolskis für die Startelf, selbst bei einer achtköpfigen Absagerliste, ist ein deutliches Signal des Bundestrainers, wo der Arsenal-Akteur aktuell in seiner Planung rangiert. Natürlich ist der Erkenntnisfaktor bei einem Einsatz für einen Profi mit mehr als 100 Länderspielen gering, aber auch die Tatsache, dass der ehemalige Kölner nach seiner Einwechslung auf die Position im Sturmzentrum geschickt wurde, die ihm laut Löw eigentlich nicht liegt, lässt tief blicken, dass „Poldi“ 2013 zunächst nicht die erste Geige spielen wird.

Holtby: „Wir sind auch noch da, wenn wir gebraucht werden“

Grund für die gestrige Jokerrolle des Neu-Londoners war der überraschende Startelfplatz des erst im letzten Moment nominierten Schalkers Lewis Holtby, der auf der „Zehn“ begann, aber überwiegend unsichtbar blieb. „Ich habe mich sehr gefreut, das Vertrauen des Bundestrainers für das Spiel zu bekommen und dann auch noch 87 Minuten auf dem Platz stehen zu dürfen. Es war eine Ehre, ich spiele gern für mein Land und wollte alles geben. Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir auch noch da sind, wenn wir gebraucht werden. So wie jetzt bei so vielen Absagen.“

Einzelkritik Niederlande - Deutschland

So „wohl“ Holtby sich auch in seiner Rolle gefühlt hat, so viel positive Atteste es aus der Mannschaft für den „Riesenspieler“ Götze auch gab, lieferte das 0:0 vielleicht die Erkenntnis, dass das DFB-Mittelfeld doch besser zur Geltung kommt, wenn es vorne eine dominante Anspielstation wie den „mitspielenden Miro“ (so Hummels) gibt, der Löws Anforderungen an einen Angreifer am besten ausfüllt.

Höwedes: „Die Öffentlichkeit war besorgt, ob das hinten gut geht“

Weitreichende Erkenntnisse lieferte die trost- und torlose Partie in Amsterdam nicht, zumal Löw sein Wechselkontingent erst sehr spät anzapfte. „Die Öffentlichkeit war nach dem 4:4 gegen Schweden besorgt, ob das hinten gut geht“, rechtfertigt Benedikt Höwedes die risikoarme Vorstellung der Nationalelf, obwohl Löw im Vorfeld betonte, weiterhin offensiv ausgerichtet sein zu wollen. Auch für die junge und von van Gaal umgekrempelte „Elftal“ war das nicht-aussagekräftige 0:0 nicht die gewünschte Standortbestimmung, auch wenn die Zielsetzung, das Stabilisieren der wackelig auftretenden Defensive, geglückt ist. In der bewegten Länderspielhistorie zwischen Deutschland und den Niederlanden dürfte dieser langweilige Mittwochabend schnell in Vergessenheit geraten.

EURE MEINUNG: Welche Erkenntnisse lieferte der Torlos-Test zwischen Deutschland und Oranje?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig