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Louis van Gaal gegen das DFB-Team – oder: die Legende gegen Löw

Es ist erst 20 Monate her, dass der Niederländer beim deutschen Rekordmeister entlassen wurde. Und er unterstreicht immer noch den großen Einfluss, den er gehabt hat.

Amsterdam. Das Länderspiel am Mittwoch in Amsterdam zwischen der Niederlande und Deutschland ist auch ein Wiedersehen mit Louis van Gaal. Nach seinem Aus als Trainer bei Bayern München im März 2011 und einer anschließenden Ruhephase hat der Coach wieder eine neue Beschäftigung gefunden und soll die „Oranjes“ zur WM 2014 nach Brasilien führen. Aufgrund seiner Vergangenheit in der Bundesliga ist das Duell mit dem DFB-Team von Jogi Löw für van Gaal ein besonderes Match – und das stellte er auch schon im Vorfeld mit deutlichen Worten klar.

Beeindruckende Bilanz

An Selbstbewusstsein hat es Louis van Gaal noch nie gemangelt. „Einen besseren Trainer als mich zu finden, ist schwierig“, sagte er in der ARD und brachte damit sein Selbstverständnis auf den Punkt. Die Statistiken weisen ihn zwar nicht als Besten aller Zeiten aus, doch wenn man nach den Titeln geht, kann der Niederländer durchaus viel vorweisen: Vier Mal holländischer Meister, zwei Mal spanischer Meister, ein Mal deutscher Meister und ein Mal Champions-League-Sieger mit Ajax Amsterdam – all das hat Louis van Gaal bislang erreicht.

„Nicht viel gewonnen“

Auf der anderen Seite steht am Mittwoch Joachim Löw, der im direkten Vergleich der Erfolge schlechter wegkommt: Ein Mal Pokalsieger mit Stuttgart, ein Mal österreichischer Meister mit dem FC Tirol Innsbruck – und ansonsten viele zweite und dritte Plätze mit der deutschen Nationalmannschaft. „Er hat noch nicht viel gewonnen“, stellte van Gaal auf einer Pressekonferenz zu Löw fest und legte nach: „Ich denke, dass ein Trainer viel gewinnen muss, um ein legendärer Trainer zu sein.“ Und es ist klar, wer im Selbstverständnis des Niederländers die Legende ist.

Zwei Thesen

Eine Legende muss ihre Spuren hinterlassen haben, auch in Deutschland. Das betont van Gaal gerne und immer wieder. Dabei nennt er zwei Punkte: „Die deutsche Mannschaft spielt wie Bayern unter meiner Leitung“, sagt er und: „Die Spieler spielen auf den Positionen, die ich für sie eingeführt habe“, meint er mit Blick auf die Bayern-Spieler. Dabei ist die erste These im Vergleich zur zweiten nicht zu halten.

Vorher schon experimentiert

Van Gaal begann 2009 bei den Bayern und stellte in seinem zweiten Jahr das 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 um, das die deutsche Nationalmannschaft inzwischen als Standard-System übernommen hat. Mit nur einer Spitze, damals Mario Gomez, und starken Außen wie Arjen Robben und Franck Ribery ließ van Gaal spielen, doch das DFB-Team hatte die ersten Experimente mit dem Ein-Stürmer-System und dem variablen Mittelfeld zu diesem Zeitpunkt schon längst hinter sich.

Bei der EM 2008 im Einsatz

Schon bei der EM 2008 spielte Deutschland unter Jogi Löw ein 4-2-3-1 – wenn auch erst, nachdem Mario Gomez als zweiter Stürmer nach seinem schlimmen Fehlschuss gegen Österreich in der Öffentlichkeit nicht mehr haltbar war. Im Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel durfte Miro Klose als einziger Stürmer ran, hinter ihm bildeten Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski die offensive Dreierreihe. Zwei Jahre vor van Gaal spielte Deutschland also schon das System, als es darauf ankam: Die These des Niederländers ist damit widerlegt.

Van Gaal als Entdecker und Förderer

Anders sieht es aus, wenn van Gaal behauptet, dass er die Spieler auf die neuen Positionen gestellt hat, auf denen sie jetzt immer noch spielen. Der Niederländer brachte Holger Badstuber und Thomas Müller in die erste Mannschaft der Bayern, beide standen schon 2010 bei der WM für Deutschland auf dem Platz. Für Badstuber war die Beharrlichkeit van Gaals entscheidend, der unbedingt einen Linksfuß als Innenverteidiger aufstellen wollte und damit Lucio zu Inter Mailand vertrieb.

Van Gaal kann auch für sich behaupten, dass er David Alaba bei den Bayern zum Linksverteidiger gemacht und Bastian Schweinsteiger auf die Position im defensiven Mittelfeld zurückgezogen hat. Beide spielen aktuell immer noch dort. Van Gaal darf also feststellen, ein Auge dafür zu haben, auf welchen Positionen Spieler ihre Stärken am besten einsetzen können und welche Spieler ein großes Potenzial besitzen – eine Qualität, die einen guten Trainer auszeichnet. Ob man damit gleich eine Legende ist, sollen am besten aber andere beurteilen.

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