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Pfiffe zur Halbzeit und nach Spielende: Das gab es in Köln zuletzt kurz vor dem Abstieg. Der Kredit des Umbruchs ist in Köln bei den Anhängern mittlerweile aufgebraucht.

Köln. Über 70 Minuten in Überzahl – und das im Heimspiel gegen den Tabellenletzten. Klar, dass die Fans des 1. FC Köln nach dem mauen 0:0 gegen Duisburg bedient waren. Ein gellendes Pfeifkonzert nach Abpfiff war die Quittung für eine schwache Leistung ihrer Mannschaft. Eindeutig: Der Welpenschutz für die Kölner Mannschaft ist vorbei, die Stimmung droht zu kippen. Der FC entwickelt sich bedenklich, die Spieler haben eine mangelnde Selbsteinschätzung. Es sieht nach einem langen und harten Winter am Geißbockheim aus. Ein Stimmungsbericht aus Köln.

Sascha Bigalke ist ratlos

Zwei Schüsse direkt auf das Tor – mehr schafften die Kölner nicht in 90 Minuten gegen den MSV Duisburg. Und das, obwohl man 70 Minuten in Überzahl agierte. Ein Armutszeugnis. Entsprechend bedient waren nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler nach der Partie in der Mixed-Zone: „Wir müssen hier zu Hause, in Überzahl gegen den Tabellenletzten natürlich gewinnen“, sagte zum Beispiel Mittelfeldspieler Sascha Bigalke, der von Beginn an auf der Zehnerposition ran durfte.

Es war nicht das erste Mal, dass der FC an seiner mangelnden Qualität nach Vorne scheiterte. Das war schon im letzten Auswärtsspiel in Aalen der Fall, das war das Problem zu Beginn der Saison gegen Braunschweig, Sandhausen, Aue, Cottbus und St. Pauli. Doch worin liegt sie begründet, die mangelnde Durchschlagskraft im Offensivspiel, die fehlende Kreativität im Herausspielen von Torchancen? Die FC-Spieler waren ratlos: „Diese Frage kann ich auch nicht beantworten“, gab Sascha Bigalke zu. „Wir haben alles versucht, sind viel gelaufen. Aber der finale Pass fehlt. Chancen hatten wir nur nach Standards. Das ist schon ärgerlich.“ „Alles versucht“ - das klingt erschreckend ähnlich wie „stets bemüht“. Und was das bedeutet, weiß jeder, der schon einmal ein Arbeitszeugnis gelesen hat. Es scheint, als müsse man sich in Köln von dem Gedanken verabschieden, der FC habe mehr Qualität, als der aktuelle Tabellenplatz aussagt. Auch wenn das die FC-Spieler anders wahrnehmen.



Jammernde FC-Stars

Beispiele? Adam Matuschyk und Adil Chihi finden, der 1. FC Köln ist viel besser als er sich aktuell darstellt: „Genügend Potenzial ist in dieser Mannschaft schon vorhanden. Man merkt im Moment halt, dass das Team verunsichert ist“, sagte Adam Matuschyk, der gegen Duisburg wieder in die erste Elf rutschte. „Eigentlich haben wir gut kombiniert bis auf den finalen Pass. Hätten wir den besser gespielt, hätten wir auch verdient gewonnen“, so der von Fans des FC kürzlich noch zum „Spieler des Monats“ gewählte Adil Chihi. Eine Meinung, die der Außenbahnspieler ziemlich exklusiv hatte. Aber man muss hier die Spieler wohl auch in Schutz nehmen: Kaum einer wird sich vor die Diktiergeräte stellen und sagen: „Unsere Mannschaft spielt schlechten Fußball, uns fehlt es einfach an der Qualität.“ Da wird viel lieber mit Mühe und Not versucht zu erklären, weshalb es gerade mal nicht so läuft: „Wir haben gegen starke Gegner, die sich nicht nur hinten rein stellen, besser ausgesehen als gegen solche Teams wie Duisburg“, sagte Adam Matuschyk. Adil Chihi sagte: „Die wollen hier nur zu Null spielen, das ist für Duisburg wie ein Sieg. Jede Mannschaft, die hier her kommt, stellt sich nur hinten rein. Wir hatten heute auch einfach Pech dabei mit zwei Aluminiumtreffern.“ Eine Analyse der eigenen Schwächen sieht anders aus.

Es wird nicht leichter

Vor allem, wenn man die aktuelle Tabellensituation einmal genauer betrachtet, wird die prekäre Lage des FC und die fehlende Qualität im Kader deutlich: Gegen alle Teams, die hinter dem FC stehen, haben die Kölner schon gespielt, größtenteils zu Hause. Gepunktet wurde selten. Es warten nun noch die schweren Partien gegen Hertha, 1860, Bochum und Ingolstadt, ehe die Rückrunde startet. Und hier muss der FC dann gegen die Abstiegskandidaten auswärts ran. Kann man da nicht bestehen, sieht es düster aus für die Domstädter.

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