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Aufbaugegner zur rechten Zeit: Gegen überforderte Sandhausener konnte die Hertha Selbstvertrauen tanken. Kapitän Niemeyer sah danach eine Prognose des Trainers auf gutem Weg.

Sandhausen. Der kleine Presseraum des SV Sandhausen 1916 war mit den zahlreichen angereisten Hauptstadt-Journalisten ähnlich überfordert wie zuvor die Mannschaft der Gastgeber. 6:1 hatte Hertha BSC seinen Ausflug in die Kurpfalz soeben beendet, Peter Niemeyer schlug gegenüber der Presse dennoch leise Töne an und mahnte nach dem Kantersieg gegen den Tabellenvorletzten vor Euphorie. „So ein Ausrufezeichen zu setzen, ist ganz wichtig“, gestand der Hertha-Kapitän zwar ein, schob aber sogleich hinterher: „Wir dürfen nicht zufrieden sein.“

Herthas Kapitän war bemüht, die Euphorie etwas zu drosseln, was daran liegen mag, dass Sandhausen sich als ein nur allzu dankbarer Aufbaugegner für die nach zuletzt zwei Remis unzufriedene Hertha präsentiert hatte. Außer Andrew Wootens zweitem Treffer binnen weniger Monate – im Frühjahr hatte der 20-Jährige noch im Diensten des FCK Hertha in Richtung zweite Liga geschossen – hatten die Hausherren nur wenig entgegen zu setzen. Von kommenden Gegnern wird mehr Gegenwehr zu erwarten sein. Womöglich deswegen nutzte Niemeyer die Gunst der Stunde, um ein Loblied auf die „geschlossene, homogene Mannschaft“ anzustimmen, die sich am Ende in einen Torrausch gespielt hatte.

Wenig Glanz, drei Standards ebnen den Weg

Dabei hatte die erste Halbzeit eher nach einem Arbeitssieg ausgesehen. Hertha präsentierte sich in der Anfangsphase ratlos gegen die tief stehenden Kurpfälzer. Das Flügelspiel lahmte, Ramos rieb sich in der Mitte auf, Lustenbergers Querpässe vor dem eigenen Strafraum häuften sich. Erst ein Freistoß Ronnys aus dem Mittelfeld brachte Gefahr, auch Herthas Führung fiel nach einer Ecke: Ndjeng trat, Lustenberger verlängerte, Ramos stieg in der Mitte am höchsten und überwand den SVS-Keeper (28.), das vierte Saisontor des Kolumbianers.

Kurz darauf folgte der nächste hohe Freistoß Ronnys aus dem Mittelfeld. Weil Sandhausen auf Abseits spielte, fand der Ball vom Hinterkopf des vereinsamten Niemeyers aus den Weg in die Maschen (35.). Ronny und Ramos waren nun vollends in Spiellaune, Kombinationen oder Doppelpässe gab es vorwiegend von den beiden Südamerikanern zu sehen.  Für das 3:0 war dennoch ein weiterer Standard vonnöten. Nachdem Keeper Langer Nico Schulz im Strafraum gelegt hatte, zeigte der Schiedsrichter dem Schlusmann Rot und auf den Punkt. Ronny trat an und ließ dem soeben eingewechselten SVS Ersatztorhüter Kühne keine Chance. Das fünfte Saisontor des Brasilianers. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Messe im Hardtwaldstadion gelesen.



„Hertha ist bei Standards total stark, dass wussten wir“, resümierte Sandhausens Kapitän Frank Lönig nach dem Spiel geknickt und treffend. Der SVS-Stürmer verteilte an diesem Abend das größte Lob an die Berliner und adelte die Offensive, die er „nach vorne brutal stark“ gesehen hatte. Dementsprechend hatte der Mannschaftsführer einen „verdienten Sieg“ gesehen, der „vielleicht ein bisschen zu hoch“ ausgefallen war. Sandhausens sichtlich angefressener Präsident Jürgen Machmeier lobte Herthas Offensive aus der zweiten Halbzeit gar als „das Beste, was ich bisher in dieser Saison gesehen habe.“

Ronny und Ramos in Spiellaune, auch Allagui und Ben Sahar dürfen

Viel war auch von der technischen Stärke des überlegenen Gegners die Rede, womit vorwiegend die beiden südamerikanischen Rs, Ronny und Ramos, gemeint waren, die sich mit fortlaufender Dauer der Saison zu den Siegesgaranten der Hauptstädter entwickeln und ihr Team auch in Sandhausen auf die Siegerstraße schossen. „Sie können gerne so weiter machen“, grinste Peter Niemeyer gegenüber den Journalisten, als die Rede auf Herthas Südamerika-Conection kam. Viel lieber lobte Niemeyer aber den „roten Faden“, den er in der Arbeit von Jos Luhukay sah. Denn mit dem Sieg erscheinen auch die beiden vorangegangenen Remis in einem neuen Licht, dem der Unbesiegtheit.

Luhukay hatte erst vor Kurzem von einem „goldenen Herbst“ der Unschlagbarkeit gesprochen, Niemeyer untermauerte nun die These des Niederländers: „Dem Trainer kann man das glauben, man merkt, dass das keine Floskeln sind. Aussagen, die er trifft, haben Hand und Fuß.“ Es war ein Abend, der sich aufgrund des schwachen Kontrahenten zudem hervorragend zu der von Niemeyer angesprochenen Teambildung eignete. Luhukay hat dies womöglich geahnt, als er auch noch Allagui und Ben Sahar Einsatzzeit schenkte.

Beide Neuzugänge, zuletzt eher unzufriedene Bankdrücker, trugen sich noch in die Torschützenliste ein. Nach einer Kombination über rechts verwandelte Allagui in Vollstreckermanier (82.) zum 4:1. Nach Marcel Ndjengs 5:1 per Rechtsschuss schob Sahar in den Schlusssekunden zum 6:1 ein. Beide zeigten sich nach dem Spiel naturgemäß zufrieden: „Ein schöner Abend, für einen Stürmer sind Tore natürlich wichtig“, befand Allagui, als er nach seinem dritten Saisontor zum Bus ging. „Ein schöner Treffer, ich habe daraufhin gearbeitet“, freute sich auch Ben Sahar über sein Tor.

Als nächster Gegner kommt St. Pauli ins Olympiastadion. Luhukays These steht dann erneut auf dem Prüfstand, allerdings muss den Herthanern davor kaum Bange sein!

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