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Goal.com veröffentlicht exklusiv Auszüge aus Richard Fitzpatricks Buch „El Clasico: Barcelona v Real Madrid, Football's Greatest Rivalry“. Heute geht es um Mourinho und Guardiola.

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Je näher das Hinspiel im Halbfinale der Champions League 2011 in Madrid rückte, desto heftiger wurden die Sticheleien und kleinen Provokationen. Das dritte Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen innerhalb von elf Tagen hat bei vielen Beteiligten Spuren hinterlassen.

Real-Trainer Jose Mourinho mokierte sich über eine Äußerung seines Gegenübers vom FC Barcelona, Pep Guardiola. Dieser hatte den Linienrichter im Finale um den spanischen Pokal kritisiert, der eine vermeintliche Abseitsstellung von Barca- Stürmer Pedro erkannt haben wollte. Den Katalanen blieb dadurch ein Treffer versagt und Real gewann den Titel. Guardiola „lobte“ den Schiedsrichterassistenten hinterher für sein „gutes Augenlicht“.

Auf der Pressekonferenz am Vorabend des Halbfinalspiels in der Königsklasse gab Mourinho der versammelten Medienschar Folgendes zu Protokoll: „Bisher gab es zwei Typen von Trainern. Eine, wenn auch recht kleine Gruppe, von Trainern, die sich zu den Schiedsrichterleistungen nicht äußern. Daneben gab es eine größere Gruppe, zu der auch ich gehöre, die die Referees kritisieren, wenn diese schwere Fehler machen. Menschen wie ich können ihren Ärger nicht hinter dem Berg halten. Aber wir honorieren es auch, wenn die Schiedsrichter eine gute Leistung gebracht haben. Doch nun gibt es eine neue, dritte Gruppe, zu der aber bisher nur Pep Guardiola gehört. Diese Gruppe kritisiert Schiedsrichter, wenn sie richtige Entscheidungen treffen.“

Nun war Mourinho in seinem Element, redete mehrere Minuten, ließ die ein oder andere Verunglimpfung fallen, unter anderem den „Skandal von der Stamford Bridge“, als Barcelona im Champions League- Halbfinale zwei Jahre zuvor von einigen Schiedsrichterentscheidungen profitiert haben soll.

Er beendete seine Ausführungen, indem er dem Schiedsrichter für das Spiel auf seine Art viel Glück wünschte: „Ich möchte nicht, dass der Schiedsrichter meiner Mannschaft hilft. Ich wünsche mir, dass beide Teams zufrieden mit seiner Arbeit sind. Für Pep ist es wahrscheinlich unmöglich, glücklich zu sein. Er kann nur wohl glücklich sein, wenn der Referee Fehler macht.“


Seriös und gefasst/ doch Pep kann auch anders

Guardiola hatte sich in der Vergangenheit immer sehr zurückhaltend und fair über die Königlichen geäußert. Er pflegte gute Kontakte zu Raul oder Fernando Hierro, die er ja noch als Aktiver kannte. Doch die Serie von Clasicos forderte ihren Tribut, aus dem sonst so besonnenen Katalanen brach es heraus.

Zusätzlich befeuert wurde der Ärger Guardiolas durch eine Äußerung von Real- Präsident Florentino Perez: „Guardiola ist der Lopez Caro von Barca.“ Eine Reminiszenz an den ehemaligen Trainer der Reservemannschaft von Real, der kurzzeitig auch die erste Elf der Königlichen trainierte.

Nun, nach neun Monaten voller Provokationen und Seitenhieben, nach der Niederlage in der Copa del Rey, war für Guardiola das Maß voll. Für ihn waren die Sticheleien ein Angriff auf die Ehre von Barca. Und er fühlte, dass seine Mannschaft nun Unterstützung brauchte. Man war ermüdet und deprimiert, und Zweifel an die eigene Stärke kamen auf. Sollte es Mourinho tatsächlich wieder schaffen, die Saison von Barcelona zu verderben, so wie er es im Jahr zuvor mit Inter Mailand geschafft hat?

Sollte es Mourinho tatsächlich wieder schaffen, die Saison von Barcelona zu verderben, so wie er es im Jahr zuvor mit Inter Mailand geschafft hat?


„Da sich Herr Mourinho erlaubt hat, mich Pep zu nennen, nenne ich ihn von heute an Jose“, eröffnete Guardiola seine Rede und man spürte, wie es in ihm gärte und brodelte. „Morgen um 20.45 Uhr werden wir uns auf dem Platz treffen. Mourinho hat bereits den Kampf außerhab des Spielfeldes gewonnen, für die ganze Saison und für die Zukunft. Wenn er eine persönliche Champions League will, dann überlasse ich ihm gerne diese Trophäe, die kann er dann nach Hause nehmen und zu seinen anderen stellen“, so der Barca- Coach kochend.

„Dies ist ein Spiel, Fußball ist ein Sport. Manchmal gewinnen wir, manchmal verlieren wir. Wir könnten hier eine Liste von Beschwerden erstellen, die sich bis ins Unendliche fortführen ließe. Wir können uns an Stamford Bridge und 1000 andere Dinger erinnern aber für mich arbeiten nicht so viele Leute- ich habe keine Sekretäre und Manager, die jedes Haar in der Suppe suchen“, Guardiola tat gar nicht mehr so, als wolle er die Haltung bewahren.

Es musste heraus, der ganze Frust der letzten Wochen und Monate, die ganze Zeit hatte Guardiola geschwiegen und alle Wut heruntergeschluckt. Nun aber war es vorbei: „Morgen spielen wir Fußball. Hier, in diesem Raum, ist er der verdammte Chef, der verdammte König, dieser Oberchecker. Er ist der klügste Mann der Welt. Ich möchte und kann mich nicht einen Moment mit ihm messen. Aber ich gebe zu bedenken, dass wir vier Jahre in Barcelona zusammengearbeitet haben- er kennt mich und ich kenne ihn.“

"Hier, in diesem Raum, ist er der verdammte Chef, der verdammte König, dieser Oberchecker. Er ist der klügste Mann der Welt

- Guardiola über Mourinho in der berühmten Pressekonferenz

Guardiola, sonst ein ziemlich cooler Typ, war rasend vor Wut. Fragen ausländischer Reporter, die er sonst traumwandlerisch sicher beantwortet hatte, konnte er kaum folgen. Stattdessen verlor er sich knapp 45 Minuten in einer Abfolge historischer und kultureller Begebenheiten Kataloniens.

Am Ende stellte er klar, dass seine Äußerung bezüglich des Linienrichters lediglich ein Verweis darauf war, dass in diesen Spielen Kleinigkeiten entscheidend seien. Und angesprochen, ob sein Ausbruch auch eine Art „Motivationsspritze“ für seine Spieler sein sollte, antwortete Guardiola: „Glauben Sie wirklich, meine Spieler würden mehr laufen, weil ich versucht habe, Mourinho ein wenig Rampenlicht zu stehlen? Es handelt sich um ein Halbfinale!“

Als Guardiola anschließend ins Teamhotel zurückkehrte, begrüßten ihn seine Spieler mit stehenden Ovationen.

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