Volltreffer Volland? Der 1860-Neuzugang hat sich zum 1899-Topscorer gemausert

Für kleines Geld gekommen, aber schon groß aufgespielt: Ex-Löwe Kevin Volland ist die Überraschung in Hoffenheims Elf und momentan der Top-Scorer der Kraichgauer.
Sinsheim. Als Sven Schipplock in der Nachspielzeit zuschlug und mit dem 3:2 den Sieg der TSG Hoffenheim über den FC Schalke 04 sicherte, stand Kevin Volland schon nicht mehr auf dem Platz. Doch selbst am Siegtreffer hatte der Mann des Abends irgendwie Anteil, war Sekunden zuvor für den Joker-Schützen vom Rasen gegangen und vom Anhang mit gebührendem Applaus verabschiedet worden. In den 90 Minuten zuvor hatte der 20-Jährige die Kraichgauer mit einem Tor und einem Assist auf die Siegerstraße gebracht - und mausert sich für die Kraichgauer mehr und mehr zum Transfer-Volltreffer. Dabei hatten vor Saisonbeginn nur wenige den Neuzugang aus der zweiten Liga auf der Rechnung. 

Erster Bundesliga-Treffer und fünfter Assist

Mit dem 1:0 nach einem schönen Sprint und Vorlage von Fabian Johnson ist Volland nun aber vollends angekommen im Fussball-Oberhaus. „Ein sehr schönes Gefühl“, freute sich der gebürtige Bayer später über sein erstes Bundesligator, mehr noch aber darüber, dass die TSG den Dreier diesmal zu Hause behalten hatte. Greuther Fürth hatte vor zwei Wochen in der Nachspielzeit noch zum 3:3 ausgeglichen. Führungen über die Zeit zu bringen, damit hatte die TSG schon vergangene Saison Probleme. Diesmal waren es die Kraichgauer, die spät zuschlugen und die überlegenen Schalker auskonterten. „Endlich haben wir auch mal das Glück, am Schluss das Ding zu machen. Das waren drei wichtige Punkte“, befand Volland.

1899-Manager Andreas Müller sprach erleichtert von einem „Sieg der Leidenschaft“ und stimmte ein Loblied auf den Matchwinner an: „Der Junge macht Spaß. Er hat Qualität in der Offensive, auf der anderen Seite macht er auch die Arbeit, die für die Mannschaft notwendig ist.“ Der Heimsieg gegen den Tabellenzweiten aus Schalke war an diesem Abend Balsam für die geschundene 1899er Seele. Tim Wiese, in den letzten Wochen der Prügelknabe der Medien, hatte wie Volland betonte, „die drei Punkte festgehalten.“ Trainer Markus Babbel galt nach der 0:3-Niederlage in Mainz wieder mal als angezählt. „Wenn wir 90 Minuten nicht konzentriert spielen und die Abstände nicht halten, liegt das an uns Spielern“, sagte Volland zur jüngsten Trainerkritik und dem verbesserten, weil kompakteren Auftreten seines Teams gegen Schalke.

Von 1860 zu 1899

Babbel selbst dürfte von der Explosion Vollands weniger überrascht sein. Der TSG-Coach hatte dem Neuzugang, der bereits im Januar 2011 perspektivisch für relativ kleines Geld von 1860 gekommen, aber bis letzten Sommer noch an die Münchner ausgeliehen war, schon vor Saisonbeginn Bundesligatauglichkeit attestiert. Volland kam bisher in jedem Spiel zum Zug und dankte es zurück. Sieben mal stand der 20-Jährige in der Startelf, dreimal wurde er eingewechselt. Die Bilanz nach dem zehnten Spiel: fünf Assists und ein Tor. Mehr Vorlagen haben in der Liga nur Hannovers Huszti, die Bayern Thomas Müller und Franck Ribery oder Frankfurts Bastian Oczipka auf ihrem Konto.



Vollands Trümpfe neben einer guten Technik: Viel Laufarbeit und eine hohe Geschwindigkeit. „Das konnte ich bei 1860 auch schon“, schmunzelte Volland nach dem Spiel gegenüber den Journalisten, „das ist der Grundstein“. Ein Vorteil, den er auch in der 66. Minute ausspielte, als er einen Schritt schneller war als Joel Matip, der den Hoffenheimer im eigenen Strafraum nur per Foul stoppen konnte. Roberto Firmino trat an und verwandelte zum zwischenzeitlichen 2:2. Volland ist nun Hoffenheims Top-Scorer und - auch das zeichnete sich Schalke gegen ein weiteres Mal ab - harmoniert in der Offensive mit Firmino und Joselu.

„Technisch überragende Spieler mit einem guten Auge. Davon kann man nur profitieren. Man kann sie gut einsetzen und wird von ihnen eingesetzt“, beschrieb Volland das Zusammenspiel mit den beiden Südländern auf Nachfrage von Goal.com. Gegen Fürth hatte Volland beide Treffer Joselus aufgelegt, beide Male mit einem gut getimten Steilpass in die Spitze. Ein Rezept, das man von dem Trio in Zukunft öfters sehen könnte. „Die Laufwege passen und man merkt ja, dass es jedes Spiel ein bisschen besser wird“, zeigte sich Volland zuversichtlich. Auch sprachlich „klappt es schon ganz gut. Unser Physio kann ja Spanisch und Roberto versteht eigentlich alles“, verriet er abschließend.

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