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Vier zu vier - „Das Land braucht keine ewigen Ja-Sager und Kopfnicker“

Vier zu vier - „Das Land braucht keine ewigen Ja-Sager und Kopfnicker“

In unserer neuen Serie „Vier zu vier“ geben je vier Redakteure ihre persönlichen Stellungnahmen zu vier ausgewählten Themen. Heute: Die WM-Qualifikation am Wochenende.

Berlin. Die Bundesliga legt eine Pause ein, die Nationalmannschaften hingegen nehmen volle Fahrt auf. Diesen Zug nutzt auch Goal.com, um euch den Start einer neuen Reihe zu präsentieren. Bei „Vier zu vier“ sollen in Zukunft vier ausgewählte Redakteure des Portals zu Wort kommen und ihre Meinung zu verschiedenen Themen äußern. Wir starten mit der WM-Qualifikation, bei der wir diese Woche die DFB-Abwehrmöglichkeiten, die Kritik an Jogi Löw und seinem Team, das Duell Russland gegen Portugal und den Weg Argentiniens Richtung Weltmeisterschaft unter die Lupe nehmen.

  1. Die deutsche Nationalmannschaft muss beim WM-Qualifikationsspiel in Dublin auf den gelbgesperrten Kapitän Philipp Lahm verzichten. Wen sollte Bundestrainer Joachim Löw stattdessen auf rechts aufbieten?
A. Jerome Boateng
B. Benedikt Höwedes
C. Eine andere Lösung
  • Claas Philipp: A. Der FCB-Abwehrmann hat diese Rolle bereits des Öfteren ausgefüllt und Löw weiß, was er an ihm hat. Für Irland die richtige Option.
  • Arthur Makiela: Tendenz A. Löw sieht ihn so oder so lieber als Rechtsverteidiger als im Zentrum. Nur er selbst und die Bayern beharren darauf, dass er Innenverteidiger ist. Löw hat ihn öfters auf dieser Position aufgestellt. ABER was dagegenspricht: Hummels fällt aus, damit ist ein Platz in der Mitte zu besetzen. Je nachdem, wer in der Zentrale zum Einsatz kommt, wird sich entscheiden, ob Boateng auf Rechts spielt.
  • Christian Ehrhardt: A. Und das ohne Frage. Boateng kann es auf der rechten Seite und er kennt die anderen Jungs. Keine Experimente in der Startphase der Quali und schon gar nicht in Dublin. Das muss passen.
  • Martin Ernst: A. Diesmal Boateng, gegen die beiden schwierigsten Gruppengegner keine Experimente und Boateng weiß als Innenverteidiger die Mitte dicht zu machen und den Akzent auf die Defensive zu legen. Langfristig fehlt ihm aber der Zug nach vorne - Spanien macht es mit Jordi Alba vor, wie wichtig ein spielstarker AV sein kann und Del Bosque hat das auch unterstrichen. Also warum nicht mal langsam Spieler wie Jantschke oder Jung perspektivmäßig testen - als Nummer 2 hinter Lahm.


  2. Obwohl die DFB-Elf aus den ersten beiden Spielen sechs Punkte geholt hat, erntete sie medial heftige Kritik für ihre Leistungen und die Spielweise. Waren die vielen negativen Stimmen überzogen und maßlos oder traf die Kritik genau den Kern?
  • Martin Ernst: Die Kritik ist berechtigt. Löw hat bei allem Nivea-Kuschel-Kurs einige sportliche und Personalentscheidungen gefällt (Von Kießling bis Weidenfeller), für die er sich irgendwann mal am Erfolg messen lassen muss. Gefühlt ist die Nationalelf auch schon wieder ewig auf einem „Weg“.
  • Christian Ehrhardt: Die Kritik ist berechtigt, denn es darf nicht mehr der Anspruch einer deutschen Nationalelf sein, zu sagen, „Der Weg ist das Ziel“. Ziel muss endlich mal wieder ein Titel sein. Und je eher man endlich anfängt so Fußball zu spielen, dass man den Gegner, egal welchen Gegner, beherrscht und massiv dominiert, desto besser läuft es auch bei der WM. In Brasilien kann das Ziel nur „Finale“ heißen und um das zu erreichen, muss man möglichst früh die Messlatte hoch legen. Wie sagte der kölsche Tünn Toni Schumacher: Zeige mir einen zufriedenen Zweiten und ich zeige dir den ewigen Verlierer. Recht hatte er in seinem Buch, der Tünn! Good guys finish last.
  • Claas Philipp: Das DFB-Team hat die Messlatte durch die vielen guten Auftritte in den letzten Jahren ziemlich hoch gehängt und wenn es dann mal nicht so gut wie gewohnt läuft, ist Kritik die logische Folge. Das DFB-Team sollte sich davon nicht beeindrucken lassen und das Positive - die sechs geholten Punkte - mitnehmen. Nach einem guten Spiel in Irland kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen.
  • Arthur Makiela: Ich finde die Kritik gerechtfertigt. Denn die Probleme der EM sind augenscheinlich nicht in Angriff genommen worden. Hoeneß´ Kritik an Löw an, er sei ein Gute-Laune-Bär und das Projekt mit der flachen Hierarchie sei zum Scheitern verurteilt, ist nicht unberechtigt. Die Mannschaft hat keine richtigen Leader, die vorne wegmarschieren und der Truppe auch mal Pfeffer unterm Arsch machen. Es fehlen Typen wie Kahn, Effenberg, Sammer, die auf dem Platz ein Zeichen setzen können, sei es ein härteres Einsteigen oder ein Kaninchenfangschlag. Echte Typen braucht das Land und keine ewigen Ja-Sager und Kopfnicker. Man benötigt Spieler, die polarisieren und für Reibungen sorgen. Und nicht durch schöne Frisuren oder hübsche Freundinnen glänzen.

  3. In Moskau kommt es am Freitag zum Spitzenspiel zwischen Russland und Portugal. Beide haben sich zu Schwergewichten im europäischen Fußball entwickelt, doch nur einer kann als Gruppensieger direkt nach Brasilien fahren. Wen seht ihr im Kampf um Platz 1 favorisiert?
A. Russland
B. Portugal

  • Arthur Makiela: B! Beide haben enormes Potential! Portugal aber hat die besseren Individualisten, Russland kommt eher über das Kollektiv. Aber beide Teams eint auch ein Problem. Ihre Superstars! Haben die einen schlechten Tag, hat das gesamte Team einen schlechten Tag. Cristiano Ronaldo und Arshavin sind die Dreh- und Angelpunkte in den beiden Systemen.
    Ein weiterer Knackpunkt könnte der Spielort sein. Man kann sich schöneres Vorstellen als im Oktober bei etwa 6° in Moskau auf Kunstrasen zu spielen. Deutschland kann davon ein Liedchen singen. Doch die Männer von der Westküste besitzen mehr internationale Klasse und sollten, auch dank CR7, Erster in der Gruppe werden. Alles andere wäre mehr als nur eine Enttäuschung.                                                              
  • Martin Ernst: Portugal. Die Russen haben weniger individuelle Qualität und schon öfter gezeigt, dass sie in engen oder Entscheidungsspielen nicht immer die notwendige mentale Stärke abrufen können. Maximum einen Punkt gibt es gegen Portugal.
  • Claas Philipp: Portugal. Cristiano Ronaldo ist in Top-Form und auch ansonsten halte ich die Portugiesen für das stärker besetzte Team. Die EM-Quali lief zwar nicht optimal, diesmal aber wird man sich über den ersten Platz qualifizieren.
  • Christian Ehrhardt: B, ohne jeden Zweifel Portugal. Bei den Portugiesen wird sich am Ende die individuelle Klasse durchsetzen. Sie haben die Leute, um auch enge Spiele siegreich zu bestreiten und so werden sie am Ende die Nase vorne haben. Russland spielt zwar auch gut, aber ihnen fehlen die Topspieler, die Portugal ins Rennen schmeißen kann.

  4. Wahr oder falsch: Mit einem Sieg im Spitzenspiel gegen Uruguay befreit sich Tabellenführer Argentinien bereits von allen Qualifikationssorgen.
  • Christian Ehrhardt: Wahr! Argentinien hat Hunger, viel Hunger. Und sie wollen endlich mal weit kommen. Darum werden sie eher weniger anbrennen lassen und mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit an die Sache rangehen. Und sie haben, siehe das Beispiel Portugal, die individuelle Klasse, gerade gegen gleichartige Gegner, wie beispielsweise Uruguay, nicht nur zu bestehen, sondern tatsächlich zu glänzen.
  • Arthur Makiela: Wahr! Zwar ist es noch verfrüht, von einer vorzeitigen Qualifikation zu sprechen. Erst 7 von 18 Spieltagen absolviert und die Quali ist ausgeglichener den je. Argentinien (1.) und Venezuela (6.) trennen gerade einmal 3 Punkte. Jeder ist noch in der Verlosung drin. Doch die größste Sorge der Gauchos ist so oder so schon längst von Tisch, nämlich Brasilien, die als Gastgeber direkt qualifiziert sind. Daher sollte es eigentlich ein Druchmarsch werden.
  • Martin Ernst: An sich wahr, aber in Südamerika rücken die kleinen Nationen zur Spitze auf, abhängig von der Tagesform und den Umständen kann jeder jeden schlagen. Die Quali geht noch eine Weile und zu sicher dürfen sich die Gauchos in keinem Moment sein.
  • Claas Philipp: Wahr. Sollte Argentinien gegen Uruguay einen Dreier einfahren, hat man einen weiteren Konkurrenten auf Distanz gehalten. Messi & Co. werden sich die Quali nicht mehr nehmen lassen. Die Tatsache, dass Brasilien ohnehin schon qualifiziert ist und so als Konkurrent ausfällt, erleichtert die Sache für den zweimaligen Weltmeister, der heiß auf Titel ist.


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