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Bereits vor der ersten Pflichtspiel-Niederlage der laufenden Saison wurde es an der Isar ein wenig ungemütlich. Die Verantwortlichen versuchen das Offensichtliche zu kaschieren.

München. Beim FC Bayern München geht es nach der 1:3 Niederlage gegen Bate Borisov drunter und drüber. Die Uneinigkeit zwischen Matthias Sammer und Jupp Heynckes kommt dabei immer mehr zum Vorschein. Entbrennt ein Kompetenzstreit zwischen dem Sportchef und dem Cheftrainer des Rekordmeisters? Die Öffentlichkeit ist nach den jüngsten Auftritten alarmiert, doch die Führungsriege ist anscheinend keineswegs beunruhigt.

„Motzki“

Zur laufenden Saison wurde Matthias Sammer als Sportchef verpflichtet. Schon bei seinem Amtsantritt machte er klar, dass nun ein anderer Wind wehe, der FC Bayern mit ihm zurück auf die Erfolgsspur finden solle. Als „Motzki“ bekannt, war er ohnehin ein Gegenstück zum entlassenen Christian Nerlinger, der die Strippen eher im Hintergrund zog und mahnende Auftritte in der Öffentlichkeit vermied.

Sicherheitsabstand

Bereits nach den ersten Spielen wurde spekuliert, dass es zwischen Heynckes und Sammer nicht ganz rund lief. Die Kameras waren in jedem Spiel auf Sammer gerichtet, ihm galt die mediale Aufmerksamkeit. Und in den ersten Partien war zumindest auf dem Platz von Differenzen nichts zu spüren. Das Einzige, was man bemerken konnte: Sammer hielt es nicht immer auf seinem Sitzplatz, der bis heute im Übrigen nicht neben Jupp Heynckes vorgesehen ist. Eine Vorsichtsmaßnahme? Zumindest kam es bisher nicht zu einem Kompetenzstreit, was die Aufgaben angeht, scheint der Bereich klar festgelegt zu sein.

Erster Ruck

Doch entgegen allem Anschein machte Sammer dann doch den Mund kritisch auf: Nach dem 2:0-Sieg gegen Werder Bremen war er mit der Leistung der Bayern-Elf nicht zufrieden. Er nannte die zeitweise Vorstellung „richtiger Käse“, „zu lätschern“, „zu wenig gallig“ und merkte kritisch an, dass einige Spieler „so viel Leerlauf“ und „ihr Potenzial nicht abgerufen“ hätten und man aufwachen müsse. Nach sechs Spieltagen und 18 Punkten in der Fußball-Bundesliga eine ungewohnte Ansage. Zumal auch Heynckes, wahrscheinlich nicht ganz freiwillig, sich seinem Sportchef anschloss und über die Spieler klagte, die seine Geduld ein wenig überstrapaziert hätten. Solche Aussagen war man vom Cheftrainer ganz und gar nicht gewohnt, der sonst immer sehr zurückhaltend und verallgemeinernd sprach.


                         Abkehr von Gut und Böse:
Heynckes nach der Niederlage gegen Bate

Wie auch immer, Gott sei Dank hatte endlich jemand den Spielern die Augen geöffnet, nach dieser Ansprache war man sicherlich aufgewacht, der kommende Gegner sollte also wieder so dominiert werden, wie alle anderen Mannschaften an den fünf Spieltagen zuvor.

Zweiter Ruck

Denkste: Gegen Bate Borisov lieferten die Bayern die schlechteste Vorstellung der Saison ab. Nach dem 1:3 herrschte Ratlosigkeit, die Siegesserie war gebrochen. Und das nach so einer Ansprache? Rückblickend sagte Rummenigge im Stadionheft sogar: „Mir hat gefallen, wie kritisch Matthias Sammer in Bremen reagiert hat. Nach einem Sieg Kritik zu üben, ist genau der richtige Weg. Dann sind die Spieler viel aufnahmebereiter, als wenn sie eine Niederlage zu verarbeiten haben.“ Problem nur, dass die Niederlage ganz im Gegensatz zu dem vermeintlichen „richtigen Weg“ steht, der keine Wirkung zeigte.

Heynckes kritisierte als Einziger vor dem Spiel gegen Bate Borisov die Ansprache des Sportchefs als „Populismus, den wir nicht brauchen können“. Aber hätte man das nicht einfach intern besprechen können? Und genau das schlug auch Uli Hoeneß vor, der zwar zunächst sagte, Sammers Kritik sei „weder in der Form noch in der Sache ungerechtfertigt“, die Meinungsverschiedenheiten solle man aber „intern austragen“.

Seite an Seite

Dann wurde es auf einmal ruhig in München. Jetzt, wo die Bayern in der laufenden Saison erstmals geschlagen waren und der Präsident ein kleines aber feines Machtwort sprach, zogen sich die Verantwortlichen zu einem „Friedensgipfel“ zurück. Karl-Heinz Rummenigge sprach danach von „guter Zusammenarbeit“ und davon, dass „kein Blatt Papier“ zwischen seinen Cheftrainer und den Sportchef passe. Man darf auf den kommenden Spieltag gespannt sein, an dem Heynckes und Sammer nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden wohl neuerdings nebeneinander sitzen werden. Denn bisher trennte die beiden weitaus mehr als ein Blatt Papier.

Heynckes und Sammer – für immer unvollendet?

Die Differenzen zwischen Heynckes und Sammer sind nicht mehr zu kaschieren. Die kürzlichen Auftritte in der Öffentlichkeit zeugen von großem Konfliktpotenzial, das sich schon allein aufgrund der verschiedenen Charaktere nicht so einfach eindämmen lässt. Mit Hoeneß und Rummenigge stehen fast alle Verantwortlichen des FC Bayern geschlossen hinter Matthias Sammer. Nur Heynckes nicht. Fragt sich also, wer wie lange noch wo steht.

EURE MEINUNG: Finden Heynckes und Sammer ein Mittel, miteinander auszukommen, oder ist beim FC Bayern nur Platz für einen von beiden?
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