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Am Mittwoch ging es für mich nach Posen, um über den Abschied von Rudnevs zu berichten. Die sonst so lautstarke Arena erinnerte an jenem Abend an ein Stadion aus der Oberliga.

Posen. Am vergangenen Mittwoch stand - wie jede zweite Woche - alles im Schatten der Champions League. Ich machte mich jedoch auf den Weg nach Posen, um über den offiziellen Abschied von Stürmer Artjoms Rudnevs zu berichten. Ja, auch wenn sich alles vor und nach dem Spiel um Rudnevs drehte, wurde trotzdem zwischendurch Fußball gespielt. Der Hamburger SV verlor nach schwachen 90 Spielminuten mit 1:2 gegen Lech Poznan.

Probleme mit der Straßenbahn? -  Fehlanzeige!


Ich bin ein Mitglied des Traditionsklubs aus Posen und versuche, so oft wie die Zeit es mir erlaubt nach Großpolen zu fahren um Kolejorz zu unterstützen. Vor den Ligaspielen ist meistens viel los in den Straßenbahnen, die als einziges öffentliches Verkehrsmittel die Fans vor den Spielen zum Stadion bringen. Diesmal war es jedoch ganz anders: Man konnte problemlos in der Straßenbahn einen Spaziergang machen und sogar einen Sitzplatz ergattern - so viel Platz direkt vor einem Spiel gab es hier noch nie!

Als ich am Stadion angekommen war, erkannte ich viele verschieden aufgebaute Zelte mit Überraschungen und Musik für die Familien. Es war nicht der übliche Spieltag, an denen die Lech-Fans Stunden vor Spielbeginn durch die Stadt marschierten und mit Fangesängen auf sich aufmerksam machten. Nein, diesmal war der familiäre Aspekt im Vordergrund. Der Verein bemühte sich zum 90. Geburtstag einen Bundesliga-Klub in das Stadion Miejski einzuladen. Zusammenhängend mit dem Transfer von Rudnevs wurde dies im Vertrag vereinbart.

Keiner weiß wohin

Nachdem ich meine Akkreditierung abgeholt hatte, ging es kurz nach einer Verschnaufpause in das Stadioninnere - und auf die lange Suche nach der Pressetribüne. Die Ordner schienen genauso gut informiert zu sein wie ich - also gar nicht. Auf den Wänden hingen noch wegweisende Schilder von der Europameisterschaft, die jedoch scheinbar nicht mehr gültig waren, da sich beispielsweise die Mixed Zone auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions befand, als das Zeichen es angab.

Die Pressetribüne befindet sich in Posen auf der dritten Etage - im Fahrstuhl gibt es aber nur die Möglichkeit die erste, zweite und vierte Etage zu erreichen. Somit ging es für mich im Treppenhaus weiter. Es waren noch knapp 40 Minuten bis zum Spielbeginn und es war leer, einfach leer auf den Rängen. Unfassbar, weil das Stadion in Polen - und seit dem Europa-League-Abenteuer vor zwei Jahren auch in Europa - für eine ganz besondere Stimmung bekannt ist. Nun gut, diesmal war es anders. Im lautstarken Kociol befand sich nur eine kleine Gruppe, die ab und zu mal versuchte, mit Sprechhören die übrigen Tribünen aus dem Schlaf zu erwecken. Und die Hymne wurde nicht, wie gewohnt von 25.000 Fans gesungen, sondern von einem Orchester vorgespielt. Die HSV-Fans gab es ja auch noch: Knapp 80 Hamburger waren mitgekommen, die während des Spiels zwei-, vielleicht auch dreimal mit Gesängen gegen den DFB die Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment auf sich lenken konnten.

Rudnevs, Rudnevs und nochmals Rudnevs

Der lettische Stürmer genießt in Posen einen ganz besonderen Status. Er spielte in Großpolen zwar nur zwei Jahre, konnte aber mit insgesamt 45 Treffern glänzen. Unvergesslich: Der Dreierpack beim 3:3-Remis in Turin gegen den italienischen Rekordmeister Juventus. Nach dem obligatorischen Abschied mit Blumen und Trikot ging es für den Stürmer 45 Minuten lang gegen seinen ehemaligen Klub. Er hatte dabei zwei exzellente Torchancen - in beiden Fällen blieb Lech-Keeper Krzysztof Kotorowski der Sieger. Direkt nach der Pause wurde Rudnevs von Coach Fink ausgewechselt. Der Spieler ging zu der Reservebank von Lech und verabschiedete sich dort von seinen ehemaligen Kollegen. Anschließend drehte Rudnevs eine Ehrenrunde und gab dabei fleißig Autogramme - das ganze dauerte knapp 40 Minuten! Nach dem Spielende wollten alle Journalisten natürlich zu Rudnevs, der zwar kein Tor erzielte, aber der Held des Tages war. Er ließ sich erneut sehr viel Zeit, beantwortete viele Fragen und verabschiedete sich dann von den Lech-Mitarbeitern.

Der Stürmer wird seinen Weg in der Bundesliga gehen. Er hat auf jeden Fall das Zeug mit zahlreichen Toren dem HSV zu helfen. Auch wenn er in der Bundesliga spielt und später vielleicht in einer stärkeren Liga - Lech Poznan bleibt ein Teil seines Herzen. Das ist auch gut so.

EURE MEINUNG:  Wie viele Tore wird Rudnevs für den HSV in dieser Saison erzielen können?

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