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Manchester City gegen Borussia Dortmund: Zwei grundverschiedene Erfolgs-Philosophien
Es wird nicht einfach nur ein Champions-Liga-Gruppenmatch, wenn City den BVB empfängt. Es prallen auch zwei erfolgreiche, voneinander losgelöste Weltanschauungen aufeinander.
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von Anil P. Polat
Manchester. Wenn am Mittwoch, dem 3.Oktober, an einem Datum, das aus deutscher Sicht einen besonderen geschichtlichen Hintergrund hat, Manchester City und Borussia Dortmund aufeinandertreffen, begegnen sich am zweiten Spieltag der Champions-League-Gruppe D zugleich zwei Mannschaften, die in jüngster Zeit ihre eigenen Erfolgsgeschichten geschrieben haben - und am Tag der Deutschen Einheit wollen beide Teams durch einen weiteren Triumph eben dieser Geschichte ein weiteres historischen Kapitel hinzufügen.
Unterschiedliche Entwicklungspolitik
Es ist das Duell der Gegensätze. Wenn die Citizens den BVB im heimischen Etihad Stadium empfangen, geht es um weit mehr als nur drei Punkte in der Gruppenphase. Vielmehr findet ein Kampf zwischen zwei völlig verschiedenen Entwicklungsstrategien und Philosophien statt. Auf der einen Seite der „neureiche“ Klub aus Manchester, der haufenweise Starspieler verpflichtet und so Titel „gekauft hat.“ Auf der anderen Seite die „jungen Wilden“ aus Dortmund, die unter der schützenden Hand und Fürsorge der Verantwortlichen, insbesondere des Trainers, stetig aufgebaut wurden, bis sie reif waren, „Titel zu gewinnen.“

Großes Geld und Brechstange gegen harte Arbeit und grenzenlose Geduld
Manchester City wurde quasi über Nacht zu einer dominierenden und ernstzunehmenden Macht im europäischen Fußball. Zu einer solchen Institution wurde City im September 2009, als Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan durch seine Firma ADUG alle Anteile an Manchester City erwarb und begann, Unmengen von Geld in die Mannschaft zu investieren. So wurden nach und nach absolute Weltklasse-Fußballer geholt, deren Verpflichtungen in der Tat einer Fließbandarbeit für Citys Manager ähnelte. Alles begann mit Carlos Tevez, der ausgerechnet vom Stadt- und Erzrivalen Manchester United geholt wurde. Dem Argentinier folgten illustre Namen wie Samir Nasri, David Silva, Yaya Toure, Sergio Agüero, Mario Balotelli oder Edin Dzeko, der ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Für all diese Stars zahlten und zahlen die Citizens unter der Schirmherrschaft des vereinseigenen Scheichs horrende Ablösesummen und Gehälter.
Erfolg gibt recht?
Für alle, die behaupteten, Erfolge und Titel könne man mit Geld nicht so einfach kaufen, kam die Belehrung schneller als viele gucken konnten. Nach einer kleinen Anlauf- und Gewöhnungsphase hat das Starensemble von ManCity bereits eine beachtliche kleine Trophäen-Sammlung angelegt: So holte man 2011 zunächst den prestigeträchtigen und für England bedeutungsvollen FA-Cup. Diesem Titel folgte dieses Jahr die Sahnehaube, nämlich die Meisterschaft in der Premier League, die am letzten Tag errungen wurde. Doppelt versüßt wurde dieser Erfolg durch die Tatsache, dass man den Titel am letzten Spieltag im Fernduell gegen United gewann und dem Lokalrivalen, ähnlich wie bei Tevez, eine lange Nase drehte. Abgerundet wurde die Titelanhäufung (vorläufig) mit dem Gewinn des Charity Shields im laufenden Jahr.
All das macht City aktuell zur erfolgreichsten englischen Mannschaft, und nun hat man ein Auge auf den nächsten, noch größeren Titel geworfen: die Champions-League-Trophäe. Auf diesem Weg muss zuerst einmal eine andere Mannschaft in besagtem Wettbewerb überwunden werden, die ihre ganz eigene, völlig andere Erfolgstory schreibt - die Rede ist von Citys nächstem Gruppengegner Borussia Dortmund.

Team mit Vernunft und wirtschaftlichem Feingefühl aufgebaut
Wie City ist auch Borussia Dortmund amtierender Meister der einheimischen Liga. Aber der Weg zu diesem Erfolg hätte dabei kaum unterschiedlicher sein können im Vergleich zum englischen Gegenstück. Dortmund hat nicht die finanziellen Mittel, um derart aufzurüsten, wie City es tat. Wenn jemand unter Vertrag genommen wurde, dann für verhältnismäßig kleine Beträge. Dabei handelte es sich ausschließlich um talentierte Perspektivspieler, die sich erst noch entwickeln sollten, siehe Shinji Kagawa oder Robert Lewandowski. Wenn ein teurer Spieler geholt wird, wie im Fall Reus, dann wurde im Vorfeld das nötige Kapital erwirtschaftet, wie durch Kagawa, der für umgerechnet 300.000 Euro ins Ruhrgebiet kam und bekanntlich für eine sehr große Ablösesumme und damit einhergehend mit einem extrem hohen wirtschaftlichen Gewinn den Verein verließ.
Fokus auf Förderung von Talenten
Ansonsten setzte das erfolgreiche Triumvirat um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Manager Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp auf die Förderung junger, primär eigener Talente wie Nuri Sahin, der ebenfalls für einen lukrativen Betrag zu Real Madrid wechselte, Mario Götze, Moritz Leitner oder Kevin Großkreutz. Zusätzlich wurden punktgenaue Transfers weiterer Youngster mit Potenzial getätigt. Dabei verloren die Verantwortlichen nie die Relation zwischen Aufwand und Ertrag aus den Augen. Mit engelsgleicher Geduld wurde der Verein Stück für Stück saniert und man bot den Nachwuchsstars unter der Obhut von BVB-Coach Jürgen Klopp das passende Umfeld, um in Ruhe zu reifen und als Mannschaft homogen zu wachsen.

Die Zeit zeigt, wer das langfristig erfolgreichere Modell geschaffen hat
Dass sich solch eine auf Vertrauen, harter Arbeit und Geduld beruhende Klubpolitik auch bezahlt machen kann, zeigen die jüngsten Erfolge von Borussia Dortmund. So konnte man 2011 die deutsche Meisterschaft feiern und den Bundesliga-Titel dieses Jahr erfolgreich verteidigen und sich den DFB-Pokalsieg sichern. Diese außergewöhnliche Erfolgsgeschichte ist im Vergleich zu der von City unter ganz anderen Vorzeichen geboren worden, und wir dürfen gespannt sein, welcher Weg sich langfristig als der erfolgreichere herausstellt, insbesondere wenn das Financial Fairplay voll greift. Bis es soweit ist, stehen sich am Mittwochabend die zwei erfolgreichsten Vereine ihrer jeweiligen Länder auf dem Feld gegenüber, um zunächst einmal herauszufinden, wer aktuell auf dem Rasen das bessere Team ist. Die Zeit jedoch wird zeigen, welche der beiden absolut gegensätzlichen Philosophien die nachhaltigere ist.
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