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Am Dienstag trifft der FC Bayern auf BATE Borisov und Aliaksandr Hleb. Das einstige Riesentalent stand 2008 selbst auf der Wunschliste des Rekordmeisters, ging dann aber zu Barca.

Baryssau. „Wenn Bayern und Barcelona in der nächsten Saison im Halbfinale der Champions League aufeinandertreffen, ist es wahrscheinlich, dass er in einer von beiden Mannschaften spielt“, prophezeite Karl-Heinz Rummenigge. Die Rede war nicht etwa von Javi Martinez, an dem im Sommer 2012 bekanntermaßen auch der FC Barcelona ein starkes Interesse bekundet hatte. Seine Prognose stellte Münchens Vorstandsvorsitzender bereits im Sommer 2008 auf und die Rede war damals von Aliaksandr Hleb, auf den die Bayern am Dienstagabend in Minsk treffen werden.

Bayern oder Barcelona? Abgesehen davon, dass das besser klang als Mailand oder Madrid, belegte Rummenigges Statement im Sommer 2008 recht gut den Stellenwert des damals 27-jährigen Mittelfeldspielers vom englischen Erstligisten Arsenal, um den sich gefühlt halb Europa bemühte. Hleb entschied sich für die Katalanen, sein Marktwert lag damals bei geschätzten 20 Millionen Euro. Heute wird er von Transfermarkt.de großzügig auf ca. zweieinhalb Millionen taxiert und nicht wenige werden sich am Dienstag vielleicht fragen, wie Hlebs Karriere verlaufen wäre, hätte er sich damals für Weiß-Blau statt Azulgrana entschieden.

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Denn bis zu seinem Wechsel zu Barca war die Karriere Hlebs steil bergauf gegangen, der 2000 von seinem Ausbildungsverein BATE Borisov in die Reservemannschaft des VfB kam. Felix Magath berief ihn bereits 2001 in den Profi-Kader, wo Hleb an der Seite von Timo Hildebrand, Andreas Hinkel oder Kevin Kuranyi als Teil der „Jungen Wilden“ 2003 Vizemeister wurde und den Sprung in die Champions League schaffte. In seinen vier Spielzeiten kam Hleb auf 137 Ligaspiele, 13 Tore und 31 Vorlagen für die Schwaben. Und auf dem europäischen Parkett hinterließ der Feintechniker starke Eindrücke, die nicht unbemerkt blieben.



2005 klopfte der FC Arsenal an und Hleb wagte den Sprung auf die Insel. Der richtig Schritt und im Nachhinein wohl die erfolgreichst Phase von Hlebs Karriere: In Arsene Wengers Ensemble der Fußball-Feingeistr passte der begnadete Weißrusse wie die Faust aufs Auge, wirbelte gemeinsam mit Fabregas und Rosicky hinter den Spitzen van Persie und Henry. In den folgenden drei Jahren kam er auf 89 Spiele und erzielte dabei sieben Tore für die Londoner. Höhepunkt war das CL-Finale 2006 gegen den FC Barcelona, das die Londoner nach dem frühen Platzverweis für Jens Lehmann mit 1:2 verloren. Hleb aber war damals auf dem Gipfel seines Schaffens. Nicht nur die Bayern wurden hellhörig und als ihn Pep Guardiola, der soeben Frank Rijkaard bei Barca abgelöst hatte, im Sommer 2008 als seinen Wunschspieler lockte, hieß es für ihn: Bayern oder Barcelona?

Der falsche Schritt, wie manche heute sagen würden. Zwar konnte Hleb im Trikot Barcelonas 2009 mit dem spanischen Pokal und dem Gewinn der Champions League seine ersten Titel außerhalb seiner Heimat feiern. Aber auf dem Mannschaftsbild kurz nach dem gewonnen Finale gegen Manchester United erkennt man den Blondschopf am äußersten Rande, mit einer Medaille um den Hals und im orangenen T-Shirt der Ersatzspieler. Im Halbfinale der Champions League bestritt Hleb nur die letzten drei Minuten des Hinspiels - gegen Chelsea, nicht die Bayern. Inmitten des Starensembles um Xavi und Co. bekam ernur schwer ein Bein auf den Boden, dazu kamen Verletzungssorgen und folglich immer weniger Einsatzzeiten. Bei seinen 19 Einsätzen in der ersten Saison schien er mit dem Team nie ganz warm zu werden.

Der junge Wilde
Am Höhepunkt
Der Reservist


Eine Situation, der der gewohnte Stammspieler auch charakterlich nicht gewachsen war, wie Hleb im Winter 2011 der Stuttgarter Zeitung selbstkritisch gestand: „Ich war sauer, wenn ich mal nicht spielen durfte. Inzwischen weiß ich, dass Barcelona deshalb so groß ist, weil jeder Spieler sein Ego zurückstellt. Damals konnte ich es nicht so sehen.“ Weil sich ein Dasein als Dauerreservist abzeichnete, begann eine Leih-Odyssee – und die Suche nach dem Neuanfang: Insgesamt drei Mal wurde er in den folgenden drei Jahren an drei verschiedene Vereine ausgeliehen, darunter auch zu seiner alten Liebe Stuttgart und dem VfL Wolfsburg, ohne aber jemals sein früheres Niveau zu erreichen.

In Stuttgart kam Hleb mit dem damaligen Trainer Christian Gross nicht klar, blieb in 27 Spielen ohne Tor. Seine Leihe nach Wolfsburg verlief nur den Zahlen nach besser, wo er in jedem vierten Spiel traf – nämlich in einem von seinen vier Einsätzen, die Magath seiner einstigen Entdeckung aus Stuttgart gewährte. Irgendwie wollte es nicht mehr klappen, was unter Felix Magath aber nichts heißen muss. Aber der Mangel an Konstanz und Spielpraxis machten sich bemerkbar.

So wechselte Hleb im Winter 2012 ablösefrei zum russischen Verein Krylya Sovetov Samara, Barca ließ seinen mittlerweile in die Jahre gekommenes Talent ziehen und löste den Vertrag auf. Heute ist Aliaksandr Hleb zu den Wurzeln zurückgekehrt, BATE Borisov.

Ein Rückschritt? Nicht unbedingt, die Weißrussen spielen dieses Jahr bereits zum dritten Mal in der europäischen Königsklasse und konnten schon den ein oder anderen Achtungserfolg verbuchen. Mit Heimkehrer Hleb scheint sich der Werksverein, der sich in Europa etablieren will, ideal verstärkt zu haben. Und auch Bayern-Coach Jupp Heynckes warnt vor dem Wiedersehen mit Hleb, der in Borisov wieder regelmäßig zum Einsatz kommt und neben dem Brasilianer Renan Bressan - ebenfalls ein Spieler von europäischem Niveau - zu den Leistungsträgern zählt: „Ich habe einige Spiele gesehen und bin sehr beeindruckt. Er hat jetzt wieder die Form, die er in Stuttgart hatte. Er ist sicher der Kopf der Mannschaft“, mahnte der Trainer-Routinier. Der OSC Lille würde die Aussage unterschreiben.

Der französische Meister von 2011 hatte den vermeintlichen Underdog aus Weißrussland vor zwei Wochen zu Gast und fing sich eine empfindliche 1:3-Niederlage ein. BATE baute dadurch seine Serie von 16 ungeschlagenen Pflichtspielen in Folge aus. In der ersten Halbzeit überrannte BATE die Franzosen. „Blitzsaubere Konter und eine ausgeprägte Kaltschnäuzigkeit waren dafür verantwortlich, dass der krasse Außenseiter relativ deutlich mit 3:0 in die Pause gehen konnte“, fasste Goal.com-Redakteur Henning Klefisch den Spielverlauf in Worte. Hleb hatte als Strippenzieher im Mittelfeld daran keinen geringen Anteil - und wird auf die Partie mit den Bayern brennen. Am Dienstagabend heißt es also: Bayern oder BATE? Wenn auch in einem gänzlich anderen Sinne...

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