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Bester ausländischer Torschütze aller Zeiten war er schon, nun ist Claudio Pizarro auch der Kicker aus dem Ausland, der am meisten Partien in der Bundesliga auf dem Buckel hat.

München. Mehmet Scholl hat in seiner erfolgreichen Laufbahn mit einer ganzen Reihe hochkarätiger Spieler gekickt. In seinen Jahren beim FC Bayern lief der ehemalige Nationalspieler unter anderem gemeinsam mit Stars wie Stefan Effenberg, Bixente Lizarazu, Oliver Kahn oder Giovane Elber auf. Auf die Frage, wer sein talentiertester Mitspieler war, antwortete Scholl einst: „Claudio Pizarro! Er kann einfach alles.“ Eben jener Claudio Pizarro ist seit dem vergangenen Spieltag mit 337 Einsätzen der Ausländer mit den meisten Einsätzen im deutschen Oberhaus.

Einstand nach Maß in der Bundesliga

Die Geschichte Pizarros in Deutschland beginnt Ende August 1999. Kurz vor dem Ablauf der Transferperiode schlägt Werder Bremen in Südamerika zu und verpflichtet einen in Europa noch unbekannten Angreifer: Claudio Pizarro. 1,5 Millionen Euro überweisen die Hanseaten für den 20-Jährigen mit den raspelkurzen Haaren. Pizarro benötigt keine Eingewöhnungszeit in der neuen Liga. Im ersten Heimspiel gegen Kaiserslautern schießt er ein Tor und liefert einen Assist, eine Woche später langt er beim VfL Wolfsburg gleich drei Mal hin. „Der braucht ungefähr drei Minuten, dann gehört er zu jeder Mannschaft“, meinte sein ehemaliger Mannschaftskamerad Marco Bode anerkennend.

„Der haut sich bis zum Schluss rein“

Nach 56 Spielen für Werder (29 Treffer, 13 Assists) erliegt „Piza“ dem Ruf des Rekordmeisters aus München. 8,2 Millionen Euro zahlt der FC Bayern im Sommer 2001. Zu jener Zeit wechselte auch Ex-Weltfußballer Zinedine Zidane für die damalige Rekordablöse von 73,5 Millionen Euro von Juventus Turin zu Real Madrid. Bayerns Manager Uli Hoeneß sagte damals: „Wenn ich die Wahl zwischen Zidane und Pizarro habe, dann nehme ich auf jeden Fall den Pizarro. Er ist noch jung, hat viel Potenzial und wird noch deutlich stärker werden. Der haut sich bis zur letzten Sekunde rein. Das ist einer der besten Einkäufe, die wir je beim FC Bayern gemacht haben.“


„Wenn ich die Wahl zwischen Zidane und Pizarro habe, dann nehme ich auf jeden Fall den Pizarro.“


- Bayern-Boss Uli Hoeneß

Ein Wechsel von Bremen nach München ist ja immer so eine Sache. Manchen wird er verziehen, andere werden dafür verteufelt. Bei Pizarro ist sich der Bremer Anhang einig: Er spielte mit offenen Karten und brachte seinem Klub ein erkleckliches Sümmchen ein. Alles in Ordnung also. „Ich habe noch nichts gewonnen in meinem Leben. Die Bayern sind deshalb genau die richtige Adresse für mich. Wer hierhin geht, will schließlich Pokale hochheben“, sagte er zu den Motiven für seinen Wechsel An der Säbener Straße erlebte Pizarro, der in Anlehnung an Gerd Müller den Spitznamen „der Bomber aus den Anden“ verpasst bekam, seine erfolgreichste Zeit. Gemeinsam mit Roy Makaay bildete er das beste Sturmduo der Liga. Er gewinnt unter anderem den Weltpokal, drei Meistertitel und dreimal den DFB-Pokal.

Ablösefreier Abschied an die „Stamford Bridge“
PIZAS HIGHLIGHTS
Fünf bemerkenswerte Leistungen
08/09 Werder liegt bei Milan schnell mit 0:2 zurück, wäre damit aus der Europa League ausgescheiden. Pizarro trifft doppelt und ebnet den Weg ins Finale.
00/01 Visitenkarte abgegeben: Pizarro schießt den FCB mit zwei Toren und einem Assist im Alleingang ab. Vier Monate später unterschrieb er dort einen Vertrag.
06/07 Nach einer Eskapade wurde er als „Promille-Pizarro“ verspottet. Felix Magath setzte dennoch auf ihn und Piza traf drei Tage später bei Inter Mailand.
09/10 „Endlich habe ich den Rekord.“ Pizarro erzielte bei Werders 4:1 gegen Glabdach sein 134. Tor in der Bundesliga. Absoluter Bestwert für einen ausländischen Kicker!
12/13 Bei der Bayern-Gala gegen Wolfsburg wechselt Trainer Heynckes den Peruaner ein: Seine 337. Partie in der Bundesliga - der nächste Rekord!

Nach sechs Jahren in München suchte er sich eine neue Herausforderung. Er schlug den Weg ein, den ein Jahr zuvor auch Michael Ballack gegangen war und wechselte ablösefrei in die Premier League zum FC Chelsea. Die Vertragsverhandlungen mit den Bayern zuvor waren gescheitert, Pizarro wollte zu viel Gehalt. Karl-Heinz Rumenigge, Vorstandsboss der Münchener, sagte: „Wer verdienen will wie Shevchenko, der muss auch spielen wie Shevchenko.“ Ein Seitenhieb auf die nicht mehr konstant guten Leistungen Pizarros in seinem letzten Jahr beim FCB.

Im Starensemble der „Blues“ hatte Pizarro einen Start nach Maß, er traf im ersten Saisonspiel gegen Birmingham City. Dennoch blieb ihm später nur die Rolle des Edelreservisten, weil Jose Mourinho, der ihn geholt hatte, früh in der Saison entlassen wurde. Der Peruaner brachte es unter Avram Grant lediglich auf 21 Einsätze, keiner davon über die volle Distanz.

Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs streckte seine Fühler nach dem Ex-Werderaner aus und lotste ihn 2008 zunächst auf Leihbasis zurück an die Weser. Der Fanliebling schlug in seinem alten Wohnzimmer sofort ein und ein Jahr später verpflichteten ihn die Bremer für eine Ablöse von etwa fünf Millionen Euro. Andere Bundesligisten, unter anderem der VfB Stuttgart, waren ebenfalls an ihm interessiert, doch der Torjäger stellte klar, dass er nur zu Werder wechseln wolle.

Ein kompletter Stürmer

Finanziell mussten sich die sparsamen Bremer strecken, um ihn zurückzuholen, doch Pizarro war sein Geld wert. Mit ihm wirkte das Angriffsspiel der Schaaf-Elf eine Klasse besser. Doch zwei Spielzeiten jenseits des internationalen Geschäfts waren Pizarro im Karriereherbst zu wenig. Er entschied sich, Werder nochmals den Rücken zu kehren und erneut in München anzuheuern. Er unterschrieb zunächst für ein Jahr und gibt an der Isar die hochkarätige Zweitbesetzung von Mario Gomez und Mario Mandzukic.



„Promille-Pizarro“ ist Geschichte

Privat hatte er vor allem in München seinen Ruf als „Lebemann“ schnell weg. In den Discotheken der bayerischen Landeshauptstadt war er kein Unbekannter, nachdem er mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, verpasste ihm der Boulevard den Spitznamen „Promille-Pizarro“. Heute ist der 34-jährige Vater von drei Kindern ein ruhiger Vertreter. Auch die Posse um eine mögliche Verstrickung seinerseits in Transfergeschäfte seines Beraters ist mittlerweile längst ad acta gelegt, Pizarro hatte damit nichts zu tun.

SO GEHT'S WEITER
Bayerns anstehende Aufgaben
29.9. Werder Bremen (A)
6.10.
1899 Hoffenheim (H)
20.10. Fortuna Düsseldorf (A)
28.10. Bayer Leverkusen (H)
03.11. Hamburger SV (A)
10.11. Eintracht Frankfurt (H)

Der Torjäger, der stets zu Lächeln scheint, hat sich damit abgefunden, dass er nicht in jedem Spiel von Beginn an auflaufen wird. Mit seiner Erfahrung, seiner guten Laune und seinen Joker-Qualitäten könnte er jedoch ein wichtiges Rädchen in der Bayern-Maschinerie dieser Saison werden.

EURE MEINUNG: Wie wichtig wird Claudio Pizarro in dieser Spielzeit noch für den FCB? Wie viele Saisontreffer traut Ihr ihm zu?

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