thumbnail Hallo,

Sir Alex Ferguson plant seine Nachfolge und hat dabei eigentlich nur zwei Männer im Blick: Jose Mourinho oder Pep Guardiola.

Manchester. Das Feuer brennt noch in seinen Augen. Sir Alex Ferguson, langjähriger Trainer von Manchester United, will nicht nur unbedingt noch einen großen Titel holen, vielmehr will er einen geeigneten Nachfolger für sein Traineramt finden.

Der Fokus des Schotten ist nicht mehr allein auf einen dritten Titel in Europa gerichtet. Auch nicht mehr auf eine erneute Meisterschaft mit Manchester United. Er möchte vielmehr einen Plan aufstellen, mit dem United auch erfolgreich sein kann, wenn er einmal nicht mehr der Trainer sein wird. Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern, nun wird es langsam Realität: Eine der größten Trainerkarrieren neigt sich dem Ende zu, und nun will Ferguson einen ruhigen Übergang zu seinem Nachfolger vorbereiten.

Der Tag, an dem er die Tür zu seinem Büro für immer schließen wird, ist noch nicht gewiss, doch es scheint stark davon abzuhängen, wann die beiden Männer, die für seine Nachfolge als Einzige in Frage kommen, verfügbar sind: Jose Mourinho oder Pep Guardiola.
MEINUNG AUS SPANIEN

„United würde viel besser zu Pep passen als Chelsea“
Zur Zeit hat Guardiola keine Lust, wieder einzusteigen.

Er hat das oft betont. Tatsächlich wiederholt er das derzeit wie ein Mantra. Jedoch wäre United auf längere Sicht absolut ein Verein, der ihn reizen könnte.

Die „Red Devils“ sind ein anerkannter Klub, der langfristige Projekte bevorzugt und alle sportlichen Belange dem Trainer überlässt, kein übereifriger Besitzer, der jede Entscheidung selbst treffen will – so wie bei Chelsea, noch ein Klub, der große Stücke auf den Katalanen hält.

Genau aus diesem Grund sollte der United-Job etwas für Guardiola sein, eher als Chelsea. Die Blues wirken nicht unbedingt passend für einen Trainer, der sich viel wohler in einem traditionsbewussten Umfeld fühlt, in dem Werte und guter Fußball ebenso hoch geschätzt werden wie Erfolge auf dem Platz.

Wie auch immer: Der nächste Sommer wird entscheidend sein. Guardiola wird dann in den Fußball zurückkehren, und ohne Zweifel mit einem langfristigen Vertrag bei einem großen Klub.

Jeder Verein, der darauf hofft, den jetzt 41-Jährigen zu verpflichten, muss 2013 schnell sein.

Martin Langer | Goal.com Spanien
 Jeder Gedanke muss vom Vorstand und vom Präsidenten David Gill abgesegnet werden, doch auf beiden Seiten des Atlantiks hört und respektiert man in dieser Frage das Wort Fergusons.

Im Dezember wird Ferguson 71 Jahre alt

Der Schotte, der im Dezember 71 Jahre alt wird, wird seine Pläne solange unter Verschluss halten, wie es nur geht. Bereits in der Saison 2001/02 sprach er vom Aufhören, woraufhin sich das Team destabilisierte. Später entschied er sich abermals für ein Fortsetzen seiner Karriere. Wann er es auch immer sagen wird, der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des britischen Fußballs hat dabei die Wichtigkeit seines Nachfolgers stets im Blick.

Wenn er gehen wird, ob nun im kommenden Sommer oder in drei Jahren, Fergusons Absicht ist es, den Verein in einem makellosen Zustand zu verlassen. Täglich steht er in Kontakt mit Gill, der das Tagesgeschäft verantwortet und nimmt an Telefonkonferenzen mit den Glazers teil.

„Der Nachfolgeplan ist eine delikate Sache“

„Der Nachfolgeplan ist eine delikate Sache, denn der Klub steht in der Verantwortung, auch weiterhin Erfolge zu sichern und ein solcher Wechsel beeinflusst auch den Preis des Klubs“, wie eine Quelle Goal.com mitteilte. „Gill sieht keine Notwendigkeit, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen, denn er ist sich sicher, eines Tages ,den Anruf‘ von Sir Alex zu bekommen. Er geht wann er will und dies wahrscheinlich auch ohne Warnung. Ferguson wird in der Nachfolgersuche auch das größte Mitspracherecht - das Vetorecht sozusagen - haben.“

Gill hat angekündigt, einen erfahrenen und geeigneten Kandidaten zu suchen, wenn es an der Zeit ist. Dies wäre die erste Trainerentscheidung seit 1986, und Ferguson ist überzeugt, dass das Old Trafford nur von einem Trainer übernommen werden kann, der bereits einen Eliteklub zu großen Erfolgen geführt hat. Er gehört zu einem der Bewunderer von David Moyes, der in den letzten zehn Jahren wahre Wunder beim FC Everton vollbracht hat. Doch der fehlende europäische Erfolg scheint ihn aus dem Rennen zu eliminieren.

In Fergusons Augen sind die einzigen beiden echten Kandidaten Jose Mourinho und Pep Guardiola, deren Zweikampf in den vergangenen beiden Spielzeiten in Spanien für viel Beachtung sorgte. Der Trainer von Real Madrid hat unlängst seinen Wunsch geäußert, nach seiner Station im Bernabeu wieder in die Premier League zurückehren zu wollen. Guardiola hat nach seinem Sabbatjahr wohl hingegen die Auswahl zwischen mehreren europäischen Topklubs.

Einige Verantwortliche sehen in Mourinho eine gewisse Gefahr. Zum einen aufgrund seiner Transferwünsche, zum anderen aufgrund seiner Streitlust. Der Portugiese und Ferguson respektieren sich gegenseitig und der Schotte sieht in Reals Trainer einen gestandenen Mann, der ihn an seine eigenen jungen Jahre erinnert, die gleichen Motivations- und Psychotricks nutzend.

Ich verstehe es voll und ganz, warum Alex noch immer diesen Job macht“

In einem Interview sagte Mourinho, er würde es dem United-Coach gerne gleichtun und auch mit über 70 Jahren noch auf der Trainerbank sitzen: „Ich verstehe es voll und ganz, warum Alex noch immer diesen Job macht. Ich denke, ich werde genauso sein. Im Gegenzug hat Ferguson sogar gesagt, Mourinho würde im Old Trafford mehr Macht genießen als in Madrid.

Auch Guardiola weckt die Interessen bei den Managern von United, auch beim Trainer selbst. Sie erinnern sich an den Fußball, den Barcelona gespielt hat, als sie vier Jahre lang Europa beherrschten und die Demut, die der Katalane zeigte, als er United zweimal in der Champions League besiegte. Guardiola wurde sogar zusammen mit Ferguson in New York bei den US Open gesichtet, auch wenn der Klub es bisher vermochte, Gerüchte zu zerstreuen, die beiden hätten über eine Nachfolgeregelung gesprochen.

Die Frage, wer der neue Coach werden wird, ist in Fergusons Kopf
an erster Stelle - und Mourinho und Guardiola sind die einzigen Beiden im Moment. Die Zukunft des Klubs ist ihm wichtig“, sagte eine weitere Quelle Goal.com.

Das United-Umfeld erwartet, dass Ferguson
dem Klub auch nach seiner Trainerkarriere erhalten bleiben wird. Es wird über eine Art Botschafterrolle nachgedacht, wie sie auch Sir Bobby Charlton inne hat. Er will einen geeigneten Nachfolger finden, doch Ferguson hat auch Bedenken, wenn es mit Mourinho oder Guardiola nicht klappen sollte.

MEINUNG AUS SPANIEN

„Wäre Mou interessiert? Absolut!“
Es ist kein Geheimnis, dass „The Special One“  gern nach England zurückkehren würde, sobald er Madrid verlässt. Er betonte dies sogar noch einmal in einem Interview mit Sky Sports vor ein paar Tagen. Wäre er interessiert, zu Manchester United zu gehen? Absolut – für einen Mann mit seinem Ego wäre es Ehre und Herausforderung gleichermaßen, einem der besten Trainer in der Geschichte nachzufolgen.

Die Frage ist nur wann. Wann würde Mourinho Madrid verlassen? Schwer zu sagen. Sollte er die Champions League gewinnen, könnte er seine Aufgabe als beendet ansehen und nach einer neuen Herausforderung suchen, aber wenn nicht, könnte der auf Krawall gebürstete Florentino Perez entscheiden, das Experiment mit dem Portugiesen zu beenden und nach einem „zahmeren“ Coach suchen.

Würde Mou zu United passen? Was Ambition und Profil angeht: Sicherlich, doch nachdem man fast drei Jahrzehnte denselben Coach hatte, würde der Klubbesitzer jemanden verpflichten wollen, der noch nie länger als fünf Jahre bei einem Verein war? Ich wäre nicht so sicher...

Martin Langer | Goal.com Spanien
Der Schotte will den geeigneten Moment für seinen Abgang finden. Im nächsten Sommer wird er wohl die ersten ernsthaften Gespräche führen. Dann ist das Sabbatjahr Guardiolas vorbei, doch Mourinho hat dann noch immer drei Jahre Vertrag bei Real. Das könnte am Ende vielleicht ausschlaggebend sein.

Ferguson hat noch einen Ein-Jahres-Vertrag, um auch keinerlei Spekulationen um seinen Posten zu befeuern. So wird er auch nicht von den Medien in seiner Entscheidung beeinflusst. Auf beiden Seiten herrscht volles Vertrauen in die jeweils andere.

Ferguson - auf der Bank, als sein Idol und damaliger Schottland-Trainer Jock Stein während eines Spiels gegen Wales verstarb - denkt auch über seine eigene Gesundheit nach. Bereits im letzten Jahr hat er in einem Interview gesagt, er wolle noch so lange traineren, „wie es meine Gesundheit zulässt. Ich freue mich über weitere drei Jahre.

Zwei oder drei weitere Jahre würden nicht schaden

Er meinte weiter: „Als jemand, der seine Arbeit liebt, lasse ich mein Alter nicht über meine Zukunft entscheiden. Die Gesundheit wird immer mehr zu einem wichtigen Faktor, und ich bin glücklich, mit einem so guten Körper und so viel Energie gesegnet zu sein, dass ich meinen Job noch so gut ausüben kann. In einem weiteren Interview kurze Zeit später sagte er: Ich weiß nicht, wie lange ich noch arbeiten kann, doch im Moment denke ich, zwei oder drei weitere Jahre würden nicht schaden.

In beiden Fällen stellte Ferguson seine Gesundheit heraus, und die Ereignisse der letzten Monate haben vielleicht zu einer Wendung in seinem Denken geführt. Ende Mai wurde er mit schmerzhaftem Nasenbluten in einem Krankenhaus behandelt. Diese Ereignisse haben wohl auch dazu geführt, dass der 70-Jährige nicht mit auf die Vorbereitungstour im Sommer gefahren ist.

Unterdessen spricht Wigan-Boss Dave Whelan, ebenfalls in den Siebzigern, von der letzten Saison von Sir Alex bei United. Im Mai sagte er: Nach der kommenden Saison wird Sir Alex Schluss machen, weil er doch ein wenig Angst hatte.

Auch wenn er an seinen Nachfolger denkt und den Erfolg der vergangenen Jahrzehnte in gute Hände übergeben will, so erwarten viele einen plötzlichen Rücktritt, ähnlich wie es Eric Cantona vor 15 Jahren hielt.

EURE MEINUNG: Wer wäre ein geeigneter Nachfolger für Sir Alex Ferguson?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig