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Hiroshi Kiyotake gegen Takashi Inui - Culpis Zöglinge im Bundesligaduell

Am Freitagabend empfängt Nürnberg mit Hiroshi Kiyotake die Eintracht Frankfurt mit Takashi Inui. Ein Spiel, das auch in der Heimat der beiden Japaner aufmerksam verfolgt wird.

Nürnberg. Wenn am Freitagabend der vierte Spieltag der Bundesliga eingeläutet wird, treffen mit dem 1.FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt die beiden Überraschungsmannschaften der jungen Saison aufeinander. Der Club, mit zwei Siegen und einem Unentschieden gegen den Deutschen Meister auf dem Konto, empfängt als Sechster den noch ohne Punktverlust gebliebenen Tabellenzweiten.

In beiden Formationen hat sich jeweils ein japanischer Spieler festgespielt, beide haben in den vergangenen Wochen für reichlich Furore gesorgt. Der eine 22-jährige Hiroshi Kiyotake war an allen bisherigen Ligatoren des Klubs beteiligt und sorgte für den Siegtreffer im Auswärtsspiel in Mönchengladbach. Sein Landsmann Takashi Inui (24) verzückte nicht nur mit seinem geschlenzten Führungstreffer gegen den Hamburger SV die Fans von der Mainmetropole.

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Zuletzt standen die beiden Offensivkräfte am 31. Juli 2011 im Nagai Stadium, dem Heimstadion des J-League-Vereins Cerezo Osaka, zusammen auf dem Platz. Inui, 2008 zum Verein mit dem dunkelblau und rosa gestreiften Trikot gewechselt, war zusammen mit einem gewissen Shinji Kagawa 2009 maßgeblich am Aufstieg von Cerezo in die erste japanische Liga beteiligt.

Kiyotake wurde an jenem Tag in der zweiten Hälfte eingewechselt. Trotz der Heimniederlage gegen Kashima Antlers gehörte die Bühne jedoch Inui, der an seinem letzten Arbeitstag für Cerezo vor seinem Wechsel zum VfL Bochum ein elegantes Tor schoss und sich von den Anhängern unter Tränen mit den Worten verabschiedete: „Hier wurde mein Spielstil geboren.“

Talentschmiede Cerezo Osaka

Bei Cerezo Osaka wurde in den letzten Jahren so mancher Rohdiamant entdeckt – und feingeschliffen. Ein Prozess, der untrennbar mit dem Namen Levir Culpi verbunden ist: Diesem Trainer ist zu verdanken, dass ein gewisser Shinji Kagawa vom defensiven Mittelfeld in die Abteilung Angriff versetzt wurde, der Edeltechniker Inui aufblühte und nicht zuletzt Kiyotake mit seiner Spielintelligenz den Sprung in die japanische Nationalmannschaft schaffte.

Wie nicht anders zu vermuten ist der brasilianische Coach ein Verfechter des Offensivfußballs: In seinem System wirbeln hinter meist einem Stürmer gleich drei hängende Spitzen, ständige Positionswechsel inbegriffen. Der 59-jährige Brasilianer kehrte Ende 2011 nach vier Spielzeiten in Japan in seine Heimat zurück, um im August dieses Jahres den mittlerweile in den Abstiegsstrudel geratenen Club erneut zu übernehmen.



Wenn der Fußballlehrer über die talentierten Youngster spricht, die unter seinen Fittichen reiften und schließlich in die Ferne zogen, schwingt ein väterlicher Ton mit. Von japanischen Medien auf die ersten Tore von Inui und Kiyotake in Deutschlands höchster Spielklasse angesprochen, äußerte er sich wie folgt: „Das freut mich wirklich, und ich hoffe, dass sie weiterhin ihre Leistung abrufen werden. Junge Talente sind ja auch sowas wie die Visitenkarte von Cerezo Osaka.“ Halb im Scherz fügte er hinzu: „Mit Kagawa, Inui, Kiyotake und Adriano (brasilianischer Mittelstürmer, 2010-2012 bei Cerezo) könnte jeder Club um Titel spielen.“

Die Rückennummer „8“ – Ritterschlag von Levir Culpi

Die Rückennummer „8“ ist bei Cerezo eine Besondere, ist sie doch nur ihren absoluten Topspielern vorbehalten. Bis 2010 gehörte sie Kagawa, Kiyotake bekam sie 2012 – nachdem er in den ersten beiden Jahren im Verein wie nun in Nürnberg auch die „13“ trug. Um so emotionaler fielen daher die Abschiede der Anhänger von den beiden Spielern aus, aber auch der Verlust von anderen Stammkräften war für die Anhänger nicht einfach zu verkraften.

Hätte Cerezo seine „8“ sowie Spieler wie Inui oder den im Sommer in die 2. Englische Liga nach Cardiff City abgewanderten Kim Bo-Kyung gehalten, so der Tenor, wäre der J-League-Titel im Bereich des Möglichen gewesem. Die Aufwandsentschädigung von 350 000 Euro, die der Verein von Dortmund für Kagawa erhielt, sorgte zudem für hitzige Debatten in Japan, wo die Verträge gemeinhin kürzere Laufzeiten haben. Festzuhalten bleibt, dass die Fans den Wunsch ihrer Spieler, sich in Europa zu beweisen, letztendlich akzeptieren.

Cerezo, mit 29 Punkten aus 25 Spielen gegenwärtig 14. der Tabelle und nur knapp über einem Abstiegsrang, muss in immer schnellerer Abfolge seinen Kader um- und neuaufbauen. Derzeit gehören Spieler aus der eigenen Jugend wie der 22-jährige Yoichiro Kakitani im offensiven Mittelfeld sowie die beiden Olympiateilnehmer Takahiro Ogihara (20) und Hotaru Yamaguchi (22) auf den Sechser-Positionen zu den Leistungsträgern.

Kakitani – Nachfolger von Kagawa und Kiyotake?

Kakitani trägt derzeit die „13“ auf dem Rücken, wird als künftige „8“ von Cerezo gehandelt. In Japan galt er zeitweise als höher veranlagt als Kagawa, aber der torgefährliche Mittelfeldakteur wurde aufgrund von disziplinären Problemen mit anschließender Ausleihe an einen Zweitligisten in seiner Karriere zurückgeworfen. Trotzdem ranken sich um ihn genauso Transfergerüchte wie um Ogihara, bei dem bereits von einem konkreten Interesse aus Nürnberg ausgegangen wird.

Die Sorge darüber, ob es in der kommenden Transferperiode erneut zu Abgängen von einem oder mehreren Spielern kommt, ist im Nagai Stadium allgegenwärtig. Sollte dies passieren, können sich jedoch ehemalige Cerezo-Spieler - genau wie jene, die nun im Nürnberger Stadion aufeinandertreffen – sicher sein, dass bei Anhängern ihres Heimatvereins ihr Verlust nicht nur beklagt wird. In Kiyotakes letztem Heimspiel hieß es denn auch auf einem metergroßen Banner: „Kagawa – Inui – Kiyotake: Ihr seid der Stolz von Cerezo“.

EURE MEINUNG: Wer wird sich im Duell durchsetzen - Kiyotake oder Inui?

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