thumbnail Hallo,

Der FC Arsenal muss sich in dieser Saison neu ausrichten und könnte durch Walcott in einer neuen Rolle eine wichtige Alternative bekommen.

TAKTISCHE ANALYSE |
Von James Goldman

Trotz allen Vertrauens vom Klub ging Arsene Wenger mit Kopfschmerzen in die Saison, wie er sie nur sehr selten während seiner Zeit beim FC Arsenal hatte.

In den vergangenen Jahren sorgte auch die Vielzahl der internationalen Spiele immer wieder dafür, dass es stetig Verletzte in Wengers Kader gab. Dennoch hat der Teammanager tolle Optionen in seinem Kader, was auch am Samstag gegen Southampton zu sehen war (6:1).

Auch wenn der Franzose den Rufen der Experten widerstand, und keinen Ersatz für Alex Song mehr verpflichtet, ist der FC Arsenal gerade im zentralen Mittelfeld sehr anständig besetzt.

ARSENALS STARTELF GEGEN LIVERPOOL
Gegen Liverpool war Giroud selten ins Spiel eingebunden, zu selten fanden ihn seine Mitspieler.
Dort gab es in den vergangenen Jahren immer wieder große Wechsel. Auch Cesc Fabregas und Samir Nasri hatten den Klub zuvor für den FC Barcelona beziehungsweise Manchester City verlassen.

In der Tat ist es erst zwölf Monate her, dass Arsenal mit einem Mittelfeld aus Tomas Rosicky, Aaron Ramsey und dem überwältigenden Youngster Francis Coquelin im Old Trafford von Manchester United zerfleischt und mit 2:8 nach Hause geschickt wurde.
 
In der vergangenen Saison konnte sich Arsenal dann über die Ziellinie retten. Song verpasste dabei nur vier Spiele, war eine feste Größe.

Das Wiederaufleben von Abou Diaby und die bevorstehende Rückkehr von Jack Wilshere, gekoppelt mit den aufregenden Neuzugängen Santi Cazorla und Lukas Podolski belebt nun wieder das Mittelfeld von Arsenal. Schwerer wird es indes für Wenger, den Abgang von Robin van Persie wett zu machen.

In einem Anflug von Kontinuität hat sich Wenger entschieden, das System beizubehalten. Ursprünglich war es darauf ausgelegt, Fabregas alle Möglichkeiten im Spiel zu gewähren. Eine Freiheit, die er in Barcelona wohl niemals haben wird. Damit sollte aber auch van Persie unterstützt werden.

Nach den ersten Spielen zeigten sich aber auch erste Probleme - oder sie entstanden. So ist Bacary Sagna verletzt.

In jedem Fall gibt es aber eine Sorge: Das Spielsystem ließ sich wunderbar auf Robin van Persie anwenden, spielte ihm in die Karten. Aber sein Nachfolger Olivier Giroud ist ein völlig anderer Spieler-Typ.

Das Flügelspiel war unter Wenger bei Arsenal in den vergangenen Jahren immer ein großes Thema. In der Defensive spielen dort derzeit Carl Jenkinson und Kieran Gibbs eine große Rolle.

Auch in der Offensive gibt es nun auf den Flügeln noch mehr Optionen. Lukas Podolski hat nur kurz im Zentrum gespielt, hat jetzt auf der linken Seite seinen Platz. Auch durch Theo Walcott wird der Wettbewerb noch stärker, zumal er als sehr gut veranlagt gilt.
ARSENAL MIT WALCOTT ALS FALSCHE NEUN
Als falsche Neun könnte Walcott Räume für Oxlade-Chamberlain und Podolski reißen

Trotz der schweren Umstände vor der Saison, unter anderem wollte Walcott keinen neuen Vertrag unterzeichnen, müsste er seinen Platz in der Mannschaft sicher haben.

Wenger hat auch noch eine taktische Option, die bisher nicht getestet wurde. Damit könnte er offensiv noch weitere altenativen gewinnen.

Walcott hat oft seinen Wunsch geäußert, als Mittelstürmer zu agieren. Aber er ist ein Spieler, der sehr starke Aktionen hat - aber nicht instinktiv handelt. Die Angst ist da, seine Qualitäten könnten an forderster Front verloren gehen.

Aber der 23-Jährige hat einen Vorteil, den von den weiteren Neuzugängen keiner als große Qualität besitzt: Er ist sehr, sehr schnell. Sein Antritt ist bemerkenswert.

Erfahrungen konnte Walcott dennoch im Sturm sammeln. In der vergangenen Saison kam er an der Seite von Robin van Persie zum Einsatz, wenn es für Arsenal bei Rückständen auf Tore ankam. Er könnte eine ganz große Karriere auf dem Flügel haben.

Aber: Auf einer zurückgezogenen Position, etwa als falsche Neun, könnte er eine ganz andere Rolle spielen. Dann könnte er seine Geschwindigkeit ausspielen, die Verteidiger auf sich ziehen und somit auch Räume für Podolski und Oxlade-Chamberlain reißen. Auch Gervinho könnte ein solches System durchaus in die Karten spielen.

Welche Möglichkeiten gäbe es dadurch? Lange Bälle in den freien Raum und in den Rücken der Abwehr könnte Walcott schnell erlaufen. Und diese Pässe können viele spielen: Cazorla und Wilshere fallen einem sofort ein. Aber auch Ramsey, Rosicky und Diaby sind in der Lage, solche Bälle zu spielen. Das könnte zu einer Waffe für den FC Arsenal werden.

Dieses System würde aber erfordern, dass Podolski und Oxlade-Chamberlain auch die Räume nutzen, die Walcott reißt. Unter Umständen würden es beide Spieler sogar genießen, solche Freiheiten zu haben und Räume zu bekommen.

Es ist sicherlich noch zu früh, um Giroud bereits ein Zeugnis auszustellen. Ein Plan B ist dennoch erforderlich. Walcott auf einer Position ist wohl derzeit die beste Alternative für Wenger. Unabhängig davon, wie wohl er sich in der neuen Rolle fühlen würde.

Folge James Goldman auf

Dazugehörig