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Carlo Ancelotti muss die Breite des Feldes mehr nutzen, damit seine Mannschaft das Offensiv-Potenzial ausschöpfen kann und den hohen Erwartungen gerecht wird.

TAKTISCHE ANALYSE
Vo Robin Bairner

Viel Geld ergibt viel Macht, damit verbunden ist eine große Verantwortung. Paris Saint-Germains Trainer Carlo Ancelotti ist gerade dabei, diese zu übernehmen, nachdem der Verein knapp 150 Millionen Euro in Spieler investiert hat, die die Ligue 1 seit fast 20 Jahren nicht gesehen hat.

Der italienische Trainer hat zusammen mit Sportdirektor Leonardo nicht nur die Pflicht, den Ligatitel zu gewinnen und in der Champions League zu überzeugen, sondern auch den französischen Klub in die Elite Europas zurückzuführen. In der Mitte der 90er-Jahre hatte keine Mannschaft einen so starken Uefa-Koeffizienten wie PSG, jetzt liegen sie auf einem schwachen 36. Platz.

Die wirtschaftlichen Bedingungen trafen die ehemaligen Giganten im französischen Fußball, Olympique Lyon und Olympique Marseille, hart. PSG war nun in der Lage aufzublühen und Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva und den aufstrebenden Star Marco Verratti nach Frankreich zu locken. Lucas Moura kommt im Januar aus Brasilien, alles dank der finanziellen Unterstützung der Katar-Investment-Gruppe.

Ancelotti machte bereits klar, dass teure Neuzugänge keine Versicherung für ein großes Team sind, so äußerte er sich bei der Pressekonferenz in dieser Woche: „Natürlich sind wir jetzt die Favoriten, weil wir viel Geld ausgegeben haben. Aber um im Fußball ein Team aufzubauen, geht es nicht nur darum, Geld auszugeben. Die Spieler müssen sich kennenlernen. Es ist nicht annähernd so einfach, wie es scheint.“

Isolierter Ibra | Der Stürmer braucht von den offensiven Mittelfeldspielern mehr Unterstützung

Nach fünf Spielen findet sich die Elf von Ancelotti auf dem dritten Platz der Tabelle wieder, ungeschlagen und drei Punkte hinter Tabellenführer Marseille, die ein Spiel weniger auf dem Konto haben.

PSG  gegen BORDEAUX:  26/8/12
ENGPASS: Das Fehlen der Breite bei PSG macht es dem Gegner leicht, zu verteidigen
Unmittelbar nacheinander nahmen Ajaccio und Bordeaux die Millionen-Offensive mit einfachen Mitteln aus dem Spiel. Ancelotti hat bisher ohne Ambitionen spielen lassen. Im Prinzenpark gegen Bordeaux ging das Spiel überhaupt nicht in die Breite. Weder Nene noch Javier Pastore waren dazu in der Lage, Räume für Ibrahimovic zu schaffen, da sie die Anweisung hatten, in der Zentrale zu agieren. Aber die Mannschaft wirkte einseitig und vorhersehbar gegen Teams mit einem 5-3-2. Ibra stand verlassen im Sturm und wurde nicht unterstützt.

Wenn Ancelotti einen offensiven Mittelfeldspieler hätte, der etwas mehr in die Sturmspitze drängen würde um Ibra zu unterstützen, wäre die Taktik vielleicht erfolgreicher gewesen, aber Nene und Pastore sind eher dafür bekannt, das Spiel zu gestalten, als für Dynamik zu sorgen.

Räume für den Angreifer zu schaffen sollte die Priorität sein, offensichtlich kann dies nur gelingen, wenn man das gesamte Feld nutzt. Die Breite des Offensivspiels muss vergrößert werden, indem einen der zentralen Mittelfeldspieler opfert und einen zusätzlichen Flügelspieler bringt, die Spielgeschwindigkeit muss natürlich auch erhöht werden.

Ezequiel Lavezzi hätte mit Sicherheit gegen Bordeaux gespielt, wenn er verfügbar gewesen wäre, Nene konnte nicht überzeugen. Erst als Jeremy Menez eingewechselt wurde, sah man, wie sehr der Gegner in Bedrängnis geraten kann. Wenn PSG mit den beiden ehemaligen Serie-A-Spielern von Beginn an spielt, würde das viele Räume schaffen und für eine unglaubliche Offensive sorgen.

Dazu hätte Javier Pastore im Zentrum Platz zum Atmen und wäre dazu in der Lage, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Dieser Wechsel hätte auch seinen Preis. Ancelottis Abwehr wäre einer größeren Gefahr ausgesetzt, denn weder Menez noch Lavezzi sind dafür bekannt, Defensivarbeit zu verrichten. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso der Trainer sich bisher nicht getraut hat, beide aufzustellen. Trotzdem wäre es das Risiko wert.

VORSTELLUNG DER FLÜGELSPIELER: 12-13
NUTZE DIE FLÜGEL: Mehr Breite im Spiel schafft Räume für die Spieler, die für Gefahr sorgen können
Dieser taktische Rückzug war kein Zeichen von Selbstbewusstsein. Es ist der Raum, den Ancelotti seit seiner Ankunft bisher intensiv analysiert hat, nach einer kompletten Aufarbeitung wurden Thiago Siva und Gregory van der Wiel verpflichtet.

Die Verpflichtung des teuersten Abwehrspielers wird für einen drastischen Unterschied sorgen in der Viererkette sorgen. Er kam zwar im Sommer, wartet aber weiterhin auf sein Debüt, da nach den Olympischen Spielen seine Fitness wieder aufbauen muss. In Paris wird mit zwei weiteren Brasilianern spielen, was die Integration erleichtern sollte.

Natürlich wird das Verteidigern nicht die einzige Aufgabe der Abwehr sein, aber mit Thiago Motta, der im ersten Monat fast komplett verletzt war, wird Paris Saint-Germain auch im Mittelfeld defensiv gut aufgestellt sein.

Mohamed Sissoko hat ebenfalls noch körperliche Probleme und wird seinen Beitrag zum Spiel der Franzosen leisten, inklusive dem energischen Blaise Matuidi oder dem tief stehenden Spielmacher Verratti.

Bei dem gefüllten Spielplan werden alle drei die Gelegenheit bekommen, zu glänzen, während es bei dieser beeindruckenden Fülle der Mannschaft wohl keine feststehende Startelf geben wird. Ancelotti wird es schwerfallen, die wahre Stärke der Mannschaft zum Vorschein zu bringen, wegen der vielen Verpflichtungen des Vereins.

Der Erfolg liegt in den Händen des Trainers. Wenn er eine einheitliche Mannschaft aufbauen kann, werden die Titel folgen – ein Weiterkommen in der Champions League sollte bei der machbaren Gruppe möglich sein. Sollte der Klub jedoch keinen Erfolg feiern, werden Ancelotti und Leonardo die Niederlagen mit ihren Jobs bezahlen müssen.

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