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Am Samstag kommt es zum Duell zwischen 96 und Werder. Dabei geht es nicht nur um drei Punkte, sondern auch um die Vorherrschaft im Norden.

Bremen/Hannover. „Wir fühlen uns immer noch als die Nummer eins im Norden“, hatte Klaus Allofs am Mittwoch erklärt. Das sei „eine gefühlte Sache: ewige Bundesliga-Tabelle, Teilnahme in der Champions League“, so Werder Bremens Manager weiter. „Gefühlt“ deswegen, weil die Realität derzeit anders aussieht: In den vergangenen zwei Spielzeiten nämlich hat sich ein Verein angeschickt, der scheinbar allmächtigen Nordkonkurrenz den Rang abzulaufen: Hannover 96 ist längst nicht mehr die graue Maus, als die der Klub jahrelang galt.

Der Verein aus der niedersächsischen Landeshauptstadt hat zweifelsohne eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga im Jahr 2002 dümpelten die „Roten“ lange im Niemandsland der Tabelle, hatten mal mehr, mal weniger mit dem Abstieg zu tun. Anspruch und Wirklichkeit klafften in dieser Zeit weit auseinander, man sprach vom internationalen Wettbewerb, war aber in vielen Bereichen vom Mittelmaß geprägt - und nicht zuletzt auch von fehlender Kontinuität.

Hannover 96

Werder Bremen
vs
PLATZIERUNGEN BUNDESLIGA
15 2009/10 3
4 2010/11
13
7 2011/12 9
3 AKTUELLE PLATZIERUNG 9
BILANZ EUROPAPOKAL
- 2009/10 Achtelfinale (EL)
- 2010/11 Gruppenphase (CL)
Viertelfinale (EL) 2011/12 -
Derzeit Gruppenphase (EL) LAUFENDE SAISON -

Kind erklärt Werder zum Vorbild

Im Sommer 2008, als Martin Kind seit dem Aufstieg teilweise vorschnell bereits drei Trainer entlassen hatte, erklärte der 96-Präsident in einem Interview mit dem kicker: „Mein Vorbildverein ist Werder Bremen mit seiner hohen Kontinuität in der Führung. Die richtigen Leute für ein Konzept zu finden, ist die eigentliche Kunst.“ Die richtigen Leute hatte er einige Zeit später schließlich gefunden - im Juli 2009 heuerte Jörg Schmadtke als Sportdirektor an, Anfang 2010 Trainer Mirko Slomka.

Die Geduld zahlt sich aus

Slomkas Einstieg bei 96 war nicht eben einfach. Sein Vorgänger Andreas Bergmann war nach ausbleibendem Erfolg entlassen worden, nach dem Suizid von Robert Enke war die Mannschaft am Boden und dem Abstieg bedrohlich nahe. Die ersten sechs Spiele unter Slomka wurden allesamt verloren, Kind aber hielt diesmal an seinem Trainer fest - er schien aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Die Geduld des Hörgeräte-Unternehmers sollte sich auszahlen. Unter Slomka konnte die Klasse am letzten Spieltag gesichert werden.

96 begeistert, Werder strauchelt

Es folgten die erfolgreichste Spielzeit der 96-Geschichte, in der Folgesaison stürmten die Niedersachsen auf den vierten Platz. Die Bremer hingegen, die sich im Jahr zuvor noch für die Champions League qualifizieren konnten, rutschten auch aufgrund falscher Personalentscheidungen und unsäglichem Verletzungspech auf den 13. Rang ab.

Auch in der nächsten Spielzeit landeten die Werderaner hinter Hannover und verpassten erneut die Qualifikation für das internationale Geschäft. 96 hingegen drehte in der Europa League mächtig auf und drang sensationellerweise bis ins Viertelfinale vor, in der Liga konnte man sich erneut die Teilnahme am gewinnbringenden Wettbewerb sichern.

Bemerkenswerte Arbeit

So hat Kind nicht nur die richtigen Leute gefunden, sondern auch endlich Kontinuität in den Verein gebracht. Das Duo Slomka/Schmadtke leistet bemerkenswerte Arbeit, auch wenn das von Fußball-Deutschland nicht immer erkannt wird. Mit geringen finanziellen Mittel wurde ein Team aufgebaut, das national und international mehr als nur konkurrenzfähig ist und dessen Gerüst seit bereits mehr als zwei Jahren kaum verändert wurde.

Die Weichen sind gestellt

Von einer Vertragsverlängerung mit Slomka ist trotz des angeblichen Interesses des FC Bayern München auszugehen, Schmadtkes Abschiedsgedanken können nach dessen Auszeit zu den Akten gelegt werden - die Weichen für eine weiterhin überaus erfolgreiche Zeit sind in Hannover gestellt. Hinzu kommt, dass der Kader inzwischen auch in der Breite für eine Dreifachbelastung mit Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League bestens aufgestellt ist.

Wolfsburg und HSV unter „ferner liefen“

Es ist zwar noch zu früh, von einer Wachablösung im Norden zu sprechen und auch in Bremen scheint man allmählich wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Dennoch ist 96 auf dem besten Weg, eine Nordmacht zu werden - auch gefühlt, um im von Allofs bemühten Bild zu bleiben. Der finanzstarke VfL Wolfsburg und der teilweise doch recht chaotisch geführte Hamburger SV können diese Rolle derzeit jedenfalls kaum mehr beanspruchen.

„Keine schnellen Beurteilungen treffen“

Umso interessanter ist das Aufeinandertreffen am kommenden Samstag in der AWD-Arena. Mit einem Sieg gegen den Nordkonkurrenten könnten die 96er den Bremern schon wieder auf vier Punkte davonziehen und so eine weitere Marke setzen - die Frage nach der Nummer Eins im Norden wäre aber auch in dem Fall nicht endgültig geklärt. Auch für Kind nicht: „Werder Bremen war und ist unser Vorbildverein. Man darf bei so einem Vergleich keine vorschnellen Beurteilungen treffen“, erklärte der starke Mann von 96 im Mai gegenüber dem Weser Kurier. Für den Moment aber dürfen sich die Hannoveraner als Sieger im Vergleich mit den einst schier unerreichbaren Hanseaten fühlen.

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