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Udinese macht seit Jahren vor, wie man mit drei Abwehrspielern besteht, Napoli und Juve führten den Erfolg weiter und immer mehr Klubs ziehen nach.

Turin/Neapel. Nach nur zwei Spieltagen lässt sich die Serie A schwer analysieren, doch den Trend der Dreierkette verfolgen immer mehr Vereine und das nicht erst seit dieser Saison. Juventus Turin bewies in der letzten Spielzeit eindrucksvoll, wie man Offensive und Defensive mit einem 3-5-2 abdeckt.

Taktik-Bude

Es gibt viele Meinungen über die Qualität des Fußballs in der italienischen Liga. Bei einer Sache sind sich die Experten jedoch einig: Taktisch gesehen liegt die italienische Liga nach wie vor weit vorne. Die Spiele sind hochinteressant, die Trainer vermitteln ein unglaubliches taktisches Verständnis, welches auf dem Feld deutlich zu erkennen ist. Bereits junge Spieler wirken taktisch reif und diszipliniert. Kein Wunder also, dass in der italienischen Liga ein Taktik-Trend zu erkennen ist, der sogar Cesare Prandelli zum Umdenken brachte.


Was spricht dafür - was dagegen?

Bei Udinese belächelte man zunächst die 3-5-2-Formation. Was machte das Team von Antonio di Natale? Jahr für Jahr spielt der kleine Klub international und verpasste in der aktuellen Saison nur knapp die Königsklasse aufgrund eines individuellen Fehlers. Egal, wie Europas Top-Klubs auflaufen, Udinese blieb bei der Dreier-Abwehr. Der SSC Neapel zog schnell nach und spielte sich nicht nur in die Herzen der Tifosi. Napoli spielte grandios auf und hat dies nicht zuletzt der taktischen Aufstellung zu verdanken.

 

Pro
Contra
  • Zentraler Abwehrspieler als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld
  • Außenspieler bieten zusätzliche Gefahr und sind schneller im Angriff
  • Zwei echte Stürmer sorgen für mehr Anspielstationen
  • In der Verteidigung sehr offen 
  • Außenspieler mit hohem Pensum, Offensive oder Defensive werden vernachlässigt
  • Mittelfeld muss die Positionen halten und absichern

Heutzutage macht es durchaus Sinn, auf eine Dreierkette umzustellen. Gute Außenverteidiger sind immer schwieriger zu finden. Entweder sie sind ständig in der Offensive oder sie wissen über 90 Minuten nicht, wie der gegnerische Strafraum aussieht. Also warum nicht zwei Spieler um eine Position nach vorne verschieben, deren Weg in die Abwehr und in den Angriff gleich weit ist?

Hinten machen drei Innenverteidiger die Räume eng, dabei agiert der zentrale Abwehrspieler als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld und beteiligt sich am Spielaufbau. Im Mittelfeld agieren drei laufstarke und spielstarke Mittelfeldspieler, auf den Außen befinden sich meist Spieler, die vorher als Außenverteidiger agiert haben. Bei Napoli ist es Maggio, bei Udinese früher war es Isla, bei Juve ist es Lichtsteiner. Die Außenspieler laufen die Linie hoch und runter, bieten in der Offensive zusätzliche Anspielstationen auf den Außen und in der Defensive zusätzliche Unterstützung für die Innenverteidiger. Vorne setzt man auf zwei echte Stürmer - für einige Abwehrreihen ebenfalls ungewohnt, schließlich setzt man aktuell eher auf einen Mittelstürmer und einer offensiven Dreier-Reihe dahinter. Auch hier dient die EM als gutes Beispiel.

 

Aus drei mach` fünf

Also ist das 3-5-2 eigentlich nicht so offensiv, wie man zunächst vermutet. In der defensiven Phase befinden sich schließlich fünf Abwehrspieler auf dem Feld.

Juventus wurde in der letzten Saison ungeschlagen Meister und hatte die mit Abstand beste Verteidigung – mit einer Dreierkette. Bereits in der letzten Saison stellten einige Vereine auf ein 3-5-2 um, mittlerweile sind es acht Vereine, die darauf bauen. Neben Udine, Napoli und Juve setzen Florenz, Parma, Bologna, Palermo und Siena auf eine Dreierkette, fast die Hälfte der Liga. Während in den europäischen Top-Ligen meistens mit einem 4-2-3-1 oder einem variablen 4-3-3 agiert wird, ist es die Serie A, die taktisch aus der Reihe tanzt.

Diese Maßnahme gilt weiterhin als äußerst riskant und „zu offensiv“, bei einer näheren Betrachtung ist es aber eine Alternative, die durchaus Potenzial hat. Auf internationaler Ebene zeigte Italien im EM-Gruppenspiel, wie man Spanien mit Flexibilität und Variabilität in einem 3-5-2 beherrschen kann. Natürlich geht man dadurch auch Risiken ein, weil besonders das Mittelfeld mitziehen muss und die Außenspieler eine besondere Rolle tragen, doch die Serie A und die Squadra Azzurra zeigten, dass es funktionieren kann. Dieser Trend wird auch in der aktuellen Saison interessant zu beobachten sein, sowohl in der italienischen Liga, als auch auf internationaler Ebene.

 

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