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Königsklassen-Start! Juventus Turin trifft zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison auf den Titelverteidiger FC Chelsea. Goal.com checkt die Chancen der „Alten Dame“...

TAKTISCHE ANALYSE
Von Carlo Garganese

Die italienische Meister muss gewiss nicht das Rad neu erfinden, um eine Chance beim amtierenden Titelträger zu haben - soviel ist klar! Sechs Spieler aus ihrer sträksten Startelf waren Teil der italienischen Mannschaft, die im Sommer eine hervorragende Europameisterschaft absolviert und unter anderem Deutschland eiskalt aussehen lassen haben. Allen voran wäre da natürlich Andrea Pirlo zu nennen, der vielleicht das beste Turnier seines Lebens gespielt hat! Die Tatsache, dass die Bianconeri seit 41 Serie A-Spielen ungeschlagen ist, zeigt. dass ihr schnelles und flüssiges 3-5-2-System zu allem fähig ist.

In erster Linie muss Juventus die eigenen Stärken ausspielen. Im modernen Fußball ist das Mittelfeld vielleicht das wichtigste Bestandteil einer funktionierenden Mannschaft. Wenn du das zentrale Schaltsystem im Mittelfeld kontrollierst, sind die Siegchancen auf jeden Fall hoch. Mit Pirlo, Claudio Marchisio und Arturo Vidal hat Juve zur Zeit, neben Barcelona, vielleicht das gefährlichste und interessanteste Mittelfeld der Welt. Pirlo kommt Barcas Xavi in Sachen Spielführung in nichts nach und Arturo Vidal ist vielleicht der beste Ball-Gewinner überhaupt.

Sollte das Juve-Mittelfeld ihr maximales Niveau abrufen können, sind sie den „Blues“ in jedem Fall überlegen. Die Schlüsselfiguren bei Chelsea  - Frank Lampard und John Obi Mikel - zeigten im Supercup-Spiel gegen Atletico Madrid etliche Schwächen und hatten Probleme gegen die Dynamik eines Gabi oder Koke.

Ist Chelsea einmal nicht in Ballbesitz, wechseln sie ihr 4-2-3-1-System gerne mal in ein 4-4-1-1 um - Juan Mata und Ramires ziehen sich dann zurück! Dieser Trick war in der vergangenen Saison einer der größten Erfolgsgaranten, der zum Titel in der Champions League führte. Mit dieser Umstellung und einer noch tiefer stehenden Abwehr, brachte man den FC Barcelona und auch die Bayern aus dem Konzept. Andrea Pirlo spielt diese Umstellung allerdings nicht in die Karten - das bewies er bei der EM, als Englands Trainer Roy Hodgson im Viertelfinale ebenfalls ähnlich umstellte.

Erste Sahne | Pirlo könnte gegen Chelsea erneut beweisen, dass er mit Umstellungen keine Probleme hat

Egal, wie man es dreht und wendet - im Mittelfeld hat Juventus sicherlich die besseren Karten. In der vergangenen Saison wurde Chelsea für ihr defensives Spiel teilweise derbe kritisiert. Im Spiel gegen Atletico Madrid merkte man jedoch, dass eine zu offensive Ausrichtung des Teams von Roberto Di Matteo zu heftiger Prügel führen kann. Aufgrund von fehlender Geschwindigkeit, sind die „Blues“ besonders bei schnellen Gegenangriffen anfällig. In der ersten Halbzeit erarbeitete sich Atletico zwei Eins-gegen-Eins Situationen gegen Schlussmann Cech - vorrausgegangen waren Eckstöße FÜR die Engländer! Juventus kann ähnlich schnell nach vorne Spielen und hat die Möglichkeiten, Chelsea in dieser Hinsicht eiskalt zu bestrafen.
CHELSEA vs. ATLETICO: 31/08/12
AUSEINANDERGERISSEN: Chelsea wurde von Atletico immer wieder vorgeführt

Chelsea wird aufgrund des Heimrechts sicherlich nicht stur hinten drin stehen und will den Fans was bieten. Besonders vom belgischen Neuzugang Eden Hazard erwartet man eine Menge und auch der spanische Angreifer Fernando Torres soll mit seinen Treffern das Zündlein an der Waage sein. Diese zwei Personalien gilt es für Juve, auszuschalten.

Torres wird in der Zentrale - gewohntermaßen - switchen. Einen festen Gegenspieler wird er wohl nicht haben! Hier muss Juve auf Innenverteidiger Leonardo Bonucci hoffen, der im letzten Duell mit Torres (EM-Finale) allerdings so seine Probleme hatte.

Chelseas Hauptstärke liegt im Einsetzen ihrer Körperlichkeit und in den Standardsituationen. Aus der vergangenen Saison blieb vor allem das 4:1 gegen den SSC Neapel im Gedächtnis - als man die Stärken perfekt ausspielte.

Juventus - Spieler um Spieler - sollte in der Lage sein, mit den Stärken der Engländer klar zu kommen. Die Dreier-Abwehrreihe und auch Rechtsaußen Stephan Lichtsteiner sind in der Luft bärenstark und gewinnen fast jeden Zweikampf. Juve darf nicht den Fehler machen, den Neapel gemacht hat: die Organisation und vor allem die Konzentration verlieren. Dann hat Chelsea leichtes Spiel.
JUVES WUNSCHELF GEGEN CHELSEA
 

Die größten Makel in Monaco ließen sich auf der rechten Abwehrseite (Ivanovic) und in der Innenverteidigung (David Luiz) finden. Ersterer konnte mit dem Tempospiel von Filipe Luis, Adrian und Cristian Rodriguez nicht mithalten. David Luiz hatte immense Probleme mit Falcao und bewies, dass er sich momentan in einer Formkrise befindet.

Weil John Terry wieder in die Startformation rücken wird, könnten die Organisationsprobleme geringer ausfallen. Dennoch zeigte sich in den letzten Spielen auch immer wieder, dass Chelsea extrem anfällig für Torschüsse ist. In den bisherigen drei Spielen gegen Atletico, Manchester City und Wigan bekam man immer zwischen 13 und 18 Schüsse aufs eigene Gehäuse. Auf der anderen Seite gehört Juventus nicht gerade zu den großen Nutzließern der Fußballwelt. Die schlechte Chancenverwertung macht den Italienern schon lange zu schaffen - Mirko Vucinic und Sebastian Giovinco gelten nicht gerade als echte Torjäger. In der vergangenen Spielzeit war Alessandro Matri der beste Torschütze - mit mageren 10 Treffern! Einen echten Bomber konnte man aber auch im Sommer nicht verpflichten.

Ein großes Manko bei Juventus Turin wird das Fehlen von Trainer Antonio Conte sein, der im Laufe des italienischen Wettskandals für zehn Monate gesperrt wurde. Seine taktischen Hinweise vom Seitenrand werden sicherlich vermisst werden - man darf gespannt sein, wie sich sein Ersatz Massimo Carrera schlägt.

Viele Vereine würden sich über ein Unentschieden beim Vorjahressieger am 1. Spieltag sicherlich freuen, Juve ist aber nie mit dem zweitbesten Zufrieden und hat sicherlich das Potenzial, sich drei Punkte zu schnappen.

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